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Konzert: MICHAEL SCHENKER - 09.05.2013 - Oldenburg

Location: Kulturetage
Support: Absolva


Was könnte man an dieser Stelle jetzt nicht alles erklären und erläutern. Doch mit den ganzen trockenen Fakten und Hintergrundinfos will ich niemanden langweilen. Nur so viel: Michael Schenker live 2013 - das sind gleich zwei Tourmottos in einem: "Lovedrive"-Reunion bezieht sich auf das sechste und gleichnamige Album der Scorpions (drei der damaligen Musiker stehen heute auf der Bühne), sowie "Temple Of Rock" - in Anlehnung an das gleichnamige Live-Album von Michael Schenker, das Ende 2012 erschienen ist.

Dass diese Tour bei gerade mal fünf Terminen in Deutschland ausgerechnet auch in Oldenburg halt macht, lässt diesen Konzertabend am "Vatertag" natürlich schnell zu einem Pflichttermin werden, nicht zuletzt auch mit Blick auf die Namen der Musiker, die heute auf der Bühne stehen werden:

Michael Schenker (ex-Scorpions, ex-UFO)
Doogie White (ex-Rainbow, Yngwie Malmsteen)
Herman Rarebell (ex-Scorpions)
Francis Buchholz (ex-Scorpions)
Wayne Findlay (Michael Schenker Group)

Als heutiger Opener machen die Briten von ABSOLVA ihre Sache ausgesprochen gut. Das Trio aus Manchester spielt nach eigenen Angaben "Classic Metal in the great British tradition" - ich würde es schlicht als "Heavy Metal trifft auf Hardrock" umschreiben. 40 Minuten lang hat die sympathisch wirkende Truppe Zeit, ihr Ende 2012 erschienenes Debütalbum "Flames Of Justice" vorzustellen, was in der gut gefüllten Kulturetage zweifelsfrei Anklang findet. Mit amtlichen Rockern wie "Code Red" oder der überragenden Powerballade "Only When It's Over" hat man das Publikum schnell auf seiner Seite, was dieses mit anhaltendem Applaus würdigt und sich mit Leichtigkeit zu Mitsingspielchen verführen lässt. Gitarrist und Sänger Chris Appleton wirkt bei so manchen ausufernden und überzeugenden Gitarren-Soli zwar wie ein Poser vor dem Herrn, aber das darf und muss man im Vorprogramm eines Michael Schenker sicherlich irgendwo auch sein. Warum man allerdings in einen 40-minütigen Opening-Slot ein Drum-Solo einbauen muss, ist mir etwas rätselhaft. Nichtsdestotrotz ein klasse Auftakt.

Absolva

Während sich ABSOLVA nach ihrem Gig per Handschlag bei den Fans der ersten Reihe verabschiedet haben, beginnt MICHAEL SCHENKER unter lautem Jubel mit genau diesen Handshakes - bevor es dann mit dem Scorpions-Doppel "Lovedrive"/"Another Piece Of Meat" in eine kleine Zeitreise weit zurück geht. In Anbetracht der Tatsache, dass bis auf zwei Ausnahmen heute sämtliche Titel aus den Jahren 1977 bis 1984 stammen, könnte man sicherlich befürchten, dass das Gebotene vielleicht etwas angestaubt wirken könnte, doch die auf der Bühne agierenden Musiker sind allesamt solche routinierten Vollprofis, dass man den einzelnen Songs ihr Alter absolut nicht anhört. Und wenn wir jetzt vom Können der einzelnen Musiker sprechen, dann landen wir natürlich immer wieder bei Michael Schenker himself, der gleich beim dritten Song - "Assault Attack" - sein ganzes Können an der Gitarre offenbahrt und ein begnadetes und langes Solo hervorzaubert. Rhythmus-Gitarrist und Keyboarder Wayne Findlay hat zum Glück schon bald festgestellt, dass man auf der Bühne heute keine Sonnenbrille braucht, bevor sich die Band dann ausgiebig einigen Stücken der Michael Schenker Group aus den frühen 80er Jahren widmet.
Was wirklich erstaunlich ist und was ich bereits angedeutet hatte: Selbst ein nagelneuer Song wie "Horizons", der erst auf dem nächsten Album erscheinen wird oder auch das 2011er "Before The Devil Knows You're Dead" fügen sich qualitativ und klanglich perfekt und nahezu unbemerkt ins Gesamtbild ein - bevor es an der Zeit für die UFO-Ära der späten 70er Jahre ist. "Shoot Shoot" oder auch das (vorerst) abschließende "Lights Out" lassen auch die Freunde dieser Periode vollends auf ihre Kosten kommen. Erstaunliche Anekdote am Rande: Es sind doch ein paar mehr jüngere Besucher im Publikum, als von mir vermutet. Ein junger Mann in der ersten Reihe, der lauthals fast jeden Song mitsingt, dürfte noch keine 20 Jahre alt sein.
Zugabe, die erste: Der Scorpions-Kracher "Rock You Like A Hurricane" lässt das Publikum natürlich Kopf stehen. Und da ich selber nicht der größte Fan der Stimme von Scorpions-Sänger Klaus Meine bin, gefällt mir diese Version mit Doogie White am Mikro ehrlich gesagt sogar noch besser - einfach nur stark! Kann man das noch toppen? Kann man! Das überlange "Rock Bottom" (von UFO) ist ein schlicht überragender Rocksong, der wieder einmal viel Platz für klasse Schenker-Soli bietet.
Danach sieht alles nach dem definitiven Ende des heutigen Abends aus, zumal der erste Techniker bereits damit beginnt, an den Drums herumzuschrauben. Doch es gibt noch eine weitere Zugabe. Ein Doppelpack, der mit dem unsterblichen UFO-Klassiker "Doctor Doctor" endet.
Was für ein Triumphzug - insgesamt 100 Minuten Rockgeschichte, die das heutige Publikum mit sichtlich zufriedenen Gesichtern in die Nacht entlässt ...

Michael Schenker

Setlist - Michael Schenker
Lovedrive (1979 - Scorpions)
Another Piece Of Meat (1979 - Scorpions)
Assault Attack (1982 - Michael Schenker Group)
Armed And Ready (1980 - Michael Schenker Group)
Into The Arena (1980 - Michael Schenker Group)
Rock My Nights Away (1983 - Michael Schenker Group)
Attack Of The Mad Axeman (1981 - Michael Schenker Group)
Horizons (2013 - Michael Schenker)
Before The Devil Knows You're Dead (2011 - Michael Schenker)
Coast To Coast (1979 - Scorpions)
Shoot Shoot (1979 - UFO)
Only You Can Rock Me (1978 - UFO)
Let It Roll (1979 - UFO)
Too Hot To Handle (1977 - UFO)
Lights Out (1977 - UFO)

Holiday (1979 - Scorpions)
Rock You Like A Hurricane (1984 - Scorpions)
Rock Bottom (1979 - UFO)

Blackout (1982 - Scorpions)
Doctor Doctor (1979 - UFO)


Text & Fotos: Marco Zimmer