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Konzert: SANTIANO - 26.11.2013 - Oldenburg

Location: EWE Arena


Gleich zwei Premieren für mich am heutigen Abend: Als Oldenburger bin ich tatsächlich zum ersten Mal in der EWE Arena (mit 3200 Besuchern übrigens ausverkauft) und - was mir im Vorfeld weitaus mehr "Angst" macht: Es gibt in der Halle ausschließlich Sitzplätze. Diese Tatsache und auch die Kartenpreise (je nach Kategorie auch mal 50/60 Euro) haben natürlich zur Folge, dass das Publikum auch dementsprechend "etwas älter" ist.
Während ich mein erstes Kaltgetränk schlürfe und mich umschaue, entdecke ich zumindest zwei Wacken- und ein Social Distortion-Shirt - ich bin also doch nicht ganz alleine.

Um gleich zu Beginn die Frage zu klären, was ein Metal-Magazin auf einem Santiano-Konzert zu suchen hat: Natürlich sind Santiano kein Metal. Aber das sind Bands wie z.B. In Extremo oder Funeral For A Friend auch nicht und trotzdem finden sie bei uns Beachtung. Wenn eine Band auf dem größten Metal-Festival der Welt zig tausend Besucher mit ihrer ehrlichen und sympathischen Art begeistern kann, dann dürfte diese Frage aber ohnehin gar nicht aufkommen. Und seien wir doch mal ehrlich: Gerade in der heutigen, oftmals genre-übergreifenden Zeit, ist die musikalische Mischung aus Shanty, Rock, Irish Folk und Traditionellem nun auch nicht so unendlich weit vom Metal entfernt ...

Showmäßig entwickelt sich der heutige Abend jedenfalls schnell zu einem vollen Erfolg. Die Band (um Schlagzeuger und Keyboarder erweitert), startet nach einem tollen Intro (mit Stoff abgehängte Bühne, Projektionen usw.) amtlich mit "Gott muss ein Seemann sein" - und hat damit das Oldenburger Publikum gleich voll im Girff. Die über zweistündige Show (ohne irgendeine Vorband), lässt in Sachen Songs praktisch keinerlei Wünsche offen - beide Alben der Band werden zu großen Teil gespielt. Ein erstes Highlight dürfte sicherlich das Duett mit Synje Norland sein, die die Band bei der kraftvollen Ballade "Gestrandet", sowie dem nachfolgenden "Tri Martolod" unterstützt. Und was sich auf dem diesjährigen Wacken Open Air bereits angedeutet hat, beweist sich auch heute wieder: Die Coverversion "Walhalla" entwickelt sich nach und nach scheinbar immer mehr zu einem wahren Live-Hit (das Original heißt übrigens "All You Zombies" und stammte 1985 von der US-amerikanischen Rockband The Hooters). Einen extra Applaus heimst heute mehrmals Pete Sage ein (Alter: 62 Jahre!), der immer wieder mal packende Geigenparts aus dem Ärmel schüttelt und so mancher mittelalterlichen Nachwuchs Tröten- und Flöten-Band eindrucksvoll zeigt, wie Violin-Rock richtig geht! Klasse Vorstellung, wie im übrigen von der gesamten Truppe sowieso - allen voran natürlich Björn Both, quasi sowas wie der Dreh- und Angelpunkt in der Band, der hin und wieder mit amüsanten Kurzgeschichten zwischen den Songs für beste Laune sorgt, auch mal ein Didgeridoo auspackt und sogar den "Metalgruß" (die "Pommesgabel") in die Höhe streckt (was heute wohl aber nur die wenigsten verstehen werden). Meine persönlichen Highlights sind zum einem wieder die "Irland-Fraktion" (allen voran "Whiskey In The Jar" und "Irish Rover") und zum anderen die Mitgröhl-Hits - "Kaperfahrt", "Wasser" und natürlich "Santiano", das im Zugabenteil gleich noch ein zweites Mal gespielt wird.
Ich will jetzt abschließend gar kein großartiges Fazit ziehen - außer, dass reine Sitzplatzkonzerte nach wie vor sehr befremdlich auf mich wirken. Entweder man mag Santiano oder eben nicht. Und wenn man sie nicht mag und der Band eine Chance gibt und mal die sturen Scheuklappen ablegt, kann man vielleicht nachvollziehen, warum diese Band erstens eine absolute Bereicherung für die deutsche Musikszene ist und zweitens, das heutige Konzert absolut fantastisch war.

Setlist - Santiano
Gott muss sein Seemann sein
Salz auf unserer Haut
Santiano
Frei wie der Wind
Blow Boys Blow
Californio
500 Meilen
7 Jahre
Gestrandet
Tri Martolod
Walhalla
Wir sind uns treu
Warten bis der Wind bläst
Kaperfahrt
Was macht ein Seemann
Marie
Land in Sicht
Whiskey In The Jar
Diggi Liggi Lo
Wasser

Drums And Guns
Irish Rover
Santiano
Hoch im Norden

Text & Fotos: Marco Zimmer