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Konzert: THRESHOLD - 16.03.2013 - Osnabrück

Location: Bastard Club
Support: Cryptex


Einen vollen Bastard Club in Osnabrück hatte ich bis dato noch nicht erlebt. Doch allein schon 200 Karten im Vorverkauf sprechen eine deutliche Sprache, wie stark die britischen Prog Rocker Threshold mit ihrem aktuellen Album "March Of Progress" in der Szene eingeschlagen haben. Dass das Publikum vom beinharten Headbanger bis hin zum Mittvierziger Familienpapi so ziemlich jede Schattierung des Rock-Fans abdeckte, wirkte dennoch ziemlich amüsant.

Den Startschuss geben CRYPTEX aus Hannover und trotz des angesprochenen bunten Publikums, erscheint mir diese Band über das Ziel (bzw. den aus Threshold-Sicht möglichen Tellerrand) hinauszugehen. Das Trio besteht aus exzellenten Musikern - das muss an dieser Stelle unbedingt betont werden - und schreibt bzw. präsentiert schlüssige, frische, unverbrauchte Songs, die ich mit meinem "spärlichen" Metal-Kosmos nur schwer beschreiben kann. Eine Rockversion von World Music, "Rock" der Seventies trifft auf Supertramp, eine eigenwillige Art Folk zu integrieren haben die Jungs auch noch (ein Song wie "Dance Of The Strange Folk" hat seinen Titel nicht zu Unrecht) und mit Frontmann/Teilzeit-Bassist /Teilzeit-Pianist Simon Moskon einen wirklich hervorragenden Animateur, der dem Publikum so manchen Ton entlockt. Sieht man es aber von der rein metallischen Seite, hat diese Band ihr Klientel aber eindeutig dort, wo der R.E.M./U2-Hörer auch gerne mal Mittelalter-Rock hört und sich aus Pseudo-Zugehörigkeits-Gewissensbissen zwischendurch bei z.B. Nightwish (aber nicht so laut bitte!) bedient. So oder so ungefähr …

Cryptex

Folgen sollen an dieser Stelle ENOCHIAN THEORY, die aber krankheitsbedingt passen müssen, zumindest Merchandising verkaufen und in der Umbaupause vom Band laufen. Der etwas modernere, sehr atmosphärische Prog, der mir da in den Lauschern schmeichelt, wäre bestimmt gut angekommen.

Doch irgendwie haben eh alle nur Augen für THRESHOLD, die ihren heutigen Siegeszug - um es ruhig vorwegzunehmen - perfekt mit "Mission Profile" starten und von dort unaufhaltsam Punkte sammeln. Nach 2004 ist es für mich erst der zweite Livekontakt und ich richte mein Ohrenmerk ganz besonders auf Rückkehrer Damian Wilson am Mikro. Überraschend erst mal sein kräftiger Bart - das sah auf den Bandfotos doch noch anders aus. Enthusiastisch und agil sein Auftreten und der permanente Kontakt zum Publikum. Unglaublich beeindruckend seine Gesangsleistung. Ein Perfektionist, dessen Musical-Erfahrung bei Les Misérables ihm noch mehr Präsenz und gleichzeitig Leichtigkeit verleiht. Ein Showman par excellence, der bei "The Rubicon" scheinbar mit leichtfüßiger Lässigkeit die höchsten Töne erreicht und zwischen den Songs immer Zeit hat für direkte Gespräche mit dem Publikum oder Scherze über die Band: "Wie jede Heavy Metal Band haben wir unseren Keyboarder gut versteckt". Zugegeben, Tastenmeister Richard West fällt in der hintersten Ecke der Bühne kaum auf, dafür übernehmen speziell Gitarrist Karl Groom und sein neuer zweiter Mann Pete Morten eine Menge cooler Rockposen, die dem gesamten Threshold-Auftritt noch mehr Optik bieten, als "nur" einen perfekten Frontmann. Bei der Setlist darf jeder mit sich selbst streiten. Die Briten haben einfach zu viele großartige Alben, als dass man jeden Fan zufriedenstellen kann. Was aber noch ganz besonders bei Songs wie "Slipstream" (emotionales Konzert-Ende!) oder dem traumhaften "Pilot In The Sky Of Dreams" auffällt ist, dass Wilson's Interpretationen der Songs von Andrew "Mac" McDermott (R.I.P.) für ein weinendes Auge aber auch ein freudiges Auge sorgen. Jetzt gibt es zwei Versionen solcher Songs und man wagt nicht zu entscheiden, welche nun besser ist. Nun, das Konzert selbst konnte definitiv nicht besser sein. Zufriedene Gesichter im gesamten Bastard Club und ein Damian Wilson, der noch lange nach der Show mit den Fans plauscht, Autogramme gibt und sich für Erinnerungsfotos ablichten lässt. Ein großartiger Abend für alle.

Threshold

Setlist - Threshold
Mission Profile
Don't Look Down
Hollow
Coda
Part Of The Chaos
Colophon
Pilot In The Sky Of Dreams
Ashes
Angels
Staring At The Sun
Long Way Home
The Rubicon

Light And Space
Slipstream


Text & Fotos: Siegfried Wehkamp