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Konzert: AUSTIN DEATHFEST - 15.11.2014 - Oldenburg

Location: Cadillac
Bands: Slayensemble, Miseo, New World Depression, Last Command


Die viel zu wenig metallische Oldenburger Musiklandschaft bekommt Zuwachs in Form des AUSTIN DEATHFEST.
Als Initiatoren treten die Band Austin Deathtrip und der Verein Hellpower Oldenburg e.V. in Aktion und sammeln für die Festival-Premiere ein paar interessante Bands zusammen mit anschließender Konserven-Beschallung von DJ Tremmelfeuer und einer Metal-Karaoke.

Unerwartet musste das ostfriesische Death/Grind-Kommando EASTFRISIAN TERROR krankheitsbedingt absagen, doch selbst dieses Problem wurde binnen 24 Stunden behoben.

Als Ersatz sind die Oldenburger LAST COMMAND eingesprungen, die die heutige Opener-Roller übernehmen und (was nun wahrlich nicht jeder Opener von sich behaupten kann) dafür sorgen, dass im Saal vor der Bühne gleich von Beginn an ganz gut was los ist. Auf der Bühne selber ist allerdings eher weniger los. Man merkt, dass die Band erst seit acht Monaten existiert und so wirkt manches noch etwas unrund. Und auch was das Musikalische angeht, bin ich mir nach den 30 Minuten nicht wirklich sicher, wo die Reise überhaupt hingehen soll(te). Klassischer Heavy Metal, eine gute Portion Thrash und sicherlich auch etwas Black Metal (so manches Gekeife) dürften die Eckpfeiler sein, die man spontan heraushören konnte. Die erstaunlicherweise englischsprachigen Ansagen zwischen den Titeln, begründete Sänger Marijn van Dooren (aus den Niederlanden?) übrigens mit seinen nicht ausreichenden Deutsch-Kenntnissen. Schauen wir mal, wo die Reise für die Band zukünftig noch hingeht.

Last Command

Als nächste Band legen NEW WORLD DEPRESSION "aus dem schönen Münsterland" (O-Ton: Fronter Hütte) die Messlatte doch ein Stück weit höher. Die Erfahrung von über 120 Gigs seit der Bandgründung 2005 zahlt sich aus, denn das Quintett legt gleich brachial los und ist unübersehbar eins mit sich und seiner Musik … die sie selbst als "HardcoreKirmesDeathMetal" beschreibt. Solche Betitelungen schrecken mich normalerweise ab, aber dass der gemeinsame Konsens von Death Metal und Hardcore passt, groovt und mit energiegeladenem Stageacting dargeboten wird, überzeugt von der ersten Sekunde. Den Titel des angekündigten neuen Songs habe ich in der Eile zwar vergessen, aber Lust auf mehr machte er trotzdem. Besten Dank für diese Überraschung.

New World Depression

Das Marburger Death Metal-Kommando MISEO steht heute erst zum zweiten Mal in Vierer-Besetzung auf der Bühne. Erst vor zehn Tagen hat man sich mit einem zweiten Gitarristen (namentlich Patrick Nördtling) verstärkt, was sich natürlich dementsprechend hörbar merklich zu erkennen gibt. Als wäre der amtliche Death Metal (mit besten Grüßen an Misery Index) zwischen dicken Grooves und rasenden Blasts nicht ohnehin schon mächtig genug, wird nun live noch eine Schippe mehr draufgelegt. Auf die Ohren (und tief in den Magen) gibt's dabei heute alle drei Songs der EP "The Dead Will Predominate", sowie noch eine gute Hand voll Titel vom hochgelobten Debütalbum "Lunatic Confessions". Fronter und Gitarrist Ferli Thielmann (auch Milking The Goatmachine-Drummer) kündigt zwar sehr rücksichtsvoll den Titel "Überzucht und Untergang" mit den Worten "damit ihr auch mal was von den Texten versteht" an, aber außer dem Titel versteht man sowieso nix - dieser Schelm.
Gibt es etwas an diesem klasse Auftritt zu kritisieren? Leider ja. Aufgrund des sehr straffen Zeitplanes und der Tatsache, dass es zu Beginn auch noch ein paar technische Problem gab, wurde kurzerhand die Bolt Thrower-Coverversion "No Guts, No Glory" von der Setlist gestrichen (wofür ich mir jetzt noch in den Allerwertesten beißen könnte). Verdammte Axt - das hätte perfekt vor Slayer gepasst. Naja, nächstes Mal dann ...

Miseo

Ex-Slayer-Drum-Gott Dave Lombardo soll einst selbst gesagt haben, dass SLAYENSEMBLE die beste Slayer-Tribute-Band der Welt sind. Als das berühmte "Hell Awaits"-Intro ertönt und die Band in den Song einsteigt, kann man schon mal seinen Augen nicht trauen. Araya bangt vorne, Hannemann ist Hannemann in Reinkultur und King wartet im Ausfallschritt am Drumriser, bis der erste Beat startet. Täuschend echt! Zugegeben - ich habe "diese Slayer" nun schon ein paar Male erleben dürfen und bin mir sicher, dass da in Sachen Songauswahl und Authentizität immer noch Luft nach oben ist. Neuerungen? Nun ja, einen Slayer-Song covert man nicht mal eben so im Schnellschuss. Der muss in Fleisch und Blut übergehen. Die Setlist heute Abend spricht für sich und sorgt für entsprechende Tumulte vor der Bühne. Ich selbst bin heute etwas in Erbsenzählerlaune und möchte Tom Araya-Lookalike Anatoli Monov einen lieb gemeinten Rüffel erteilen. "Die By The Sword" mit "back to 86" anzukündigen … wo kam der Fauxpas denn her?! Dafür ist es schon ziemlich charmant, dass er - wie in der Vergangenheit Araya selbst - gerne mal Strophen durcheinander mischt oder doppelt bringt. Slayer waren auch nicht immer perfekt, warum sollte es hier anders sein. Ich denke mir: "Und gibt es Slayer mal nicht mehr, hol ich mir's Ensemble her." In diesem Sinne!

Slayensemble

Setlist - SLAYENSEMBLE
Hell Awaits
The Antichrist
Chemical Warfare/Behind The Crooked Cross
Blood Red
World Painted Blood
Fleshstorm
Die By The Sword
Black Magic
War Ensemble
Seasons In The Abyss
South Of Heaven
Silent Scream
Mandatory Suicide
Dead Skin Mask
Raining Blood
Angel Of Death


Text: Siegfried Wehkamp
(außer: Last Command & Miseo - Text: Marco Zimmer)
Fotos: Siegfried Wehkamp