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Konzert: BOLT THROWER - 21.09.2014 - Bremen

Location: Schlachthof
Support: Morgoth, Soulburn


Es gibt diese Konzerte, bei denen du auch als "Schreiberling" nur Fan sein willst. Karte kaufen, nichts aufschreiben, keine Fotos machen, einfach die Sau raus lassen. Und dann ist der Abend so geil, dass du danach denkst "Das muss die Nachwelt erfahren!" und du bist froh, doch den Kuli geschwungen zu haben. Das erste Deutschland-Konzert der "Overtures Of War"-Tour ist solch ein Konzert! Fast neun Jahre nach "Those Once Loyal" und über acht Jahre nach der letzten großen Tour sind Bolt Thrower wieder da und der Schlachthof zu Bremen war im Nu ausverkauft. Von den Belagerungen am Merchandising-Stand ganz zu Schweigen. Bei den Preisen ja auch kein Wunder. Bei Bolt Thrower bekommt der Fan eben die Vollbedienung - auch ohne neue Musik.

Den Opening-Slot übernehmen je nach Datum Vallenfyre, Incantation und bei den ersten drei Dates sind es SOULBURN. Ob nun als Asphyx oder Soulburn, die beiden niederländischen Urgestalten Bob Bagchus und Eric Daniels hatten musikalisch immer was zu sagen, auch wenn es 1998 nur ein einziges Soulburn-Album ("Feeding On Angels") gab. Doch im November kommt nun "The Suffocating Darkness" und das will promotet werden. Zusammen mit Neu-Fronter Twan van Geel (Legion Of The Damned) und Zweitgitarrist Remco Kreft (Grand Supreme Blood Court) bläst die Band zum Angriff, hat zwar den schweren Stand eines Openers bezüglich der Motivation der Zuschauer, ist aber souverän genug, mit zwei neuen Songs und Brechern wie "Feeding On Angels" und "Crypts Of The Black" (yes!) den Bremer Schlachthof ordentlich warm zu klopfen. Zur Eröffnung genau die richtige Band!

"Ja, so klappt das." Mein einziger Gedanke während und nach dem MORGOTH-Auftritt. Meine 2011er Startschwierigkeiten konnten drei Jahre vor sich hin gären und ich war mir echt nicht sicher, ob diese Reunion wirklich vollends Sinn machte. Die beiden neuen Songs "God Is Evil" und "Die As Deceiver" atmen alte Morgoth-Luft, sind aber hörbar im Hier und Jetzt. Den Rest - zumindest heute Abend - erledigen unsterbliche Death Metal Klassiker wie "Body Count", "Suffer Life" oder das alles einreissende "Pits Of Utumno". Die Band hat sich seit der Reunion einfach wieder richtig eingefunden und beschert so manchem im Schlachthof eine coole Zeitreise mit Blick in die Zukunft.
Amüsantes am Rande: Sänger Marc Grewe spricht von einem Gig vor 25 Jahren in Bremen mit Rumble Militia und Holy Moses. Eher skurril, aber ähnlich historisch ist auch, dass er mit seiner späteren Band Power Of Expression anno 1996 zusammen mit eben Bolt Thrower genau die selbe Bühne wie am heutigen Abend teilte. Besucher der "Fuck price politics"-Tour erinnern sich hoffentlich noch …

Setlist - Morgoth
Body Count
Exit To Temptation
Suffer Life
Sold Baptism
God Is Evil
Under The Surface
Resistance
Burnt Identity
Die As Deceiver
White Gallery
Isolated
Pits Of Utumno

Was jetzt nun mit dem schief hängenden Backdrop oder den nicht funktionierenden Kettenzügen war, soll uns nicht mehr interessieren. Dennoch ist die Wartezeit auf BOLT THROWER länger als gedacht, aber der ausverkaufte Schlachthof wartet und bricht auseinander, als das britische Death Metal Bollwerk mit "Forever Fallen" den Saal sofort zum Kochen bringt. Schaut man sich die Agilität der Band - Fronter Karl Willets allen voraus - ist es wirklich schnurzpiepegal, dass wir seit fast neun Jahren auf neues Material warten. Die Setlist liest sich traumhaft, Karl widmet sich "Anti-Tank" zu seinem 48. Geburtstag selbst und neben dem "Oldie" "World Eater" wird für die Die Hard Fans dieses Mal "All That Remains" (vom 89er "Realm Of Chaos"-Album) ausgepackt. Der Rest ist quasi konkurrenzlose Death Metal Geschichte vom Allerfeinsten. Da wäre es mir auch egal, wenn die nächste Tour wieder ohne neues Material auskommen muss. Soll sie doch - in dieser Form zerstören Bolt Thrower weiterhin alles!

Setlist - Bolt Thrower
Forever Fallen
Mercenary
World Eater/Cenotaph
Anti-Tank
All That Remains
Warmaster
War/Remembrance
This Time It’s War
The IVth Crusade
Entrenched
… For Victory
The Killchain
Powder Burns

No Guts, No Glory
When Cannons Fade


Text: Siegfried Wehkamp