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Konzert: CROWBAR - 15.04.2014 - Osnabrück

Location: Bastard Club
Support: Iron Walrus


Der Osnabrücker Bastard Club kann sich an einem Dienstag Abend über eine volle Hütte freuen, denn die New Orleans Doom Legende Crowbar bekommt man schließlich nicht jeden Tag zu Gesicht. Dachte sich auch der Schreiber dieser Zeilen, der seine Helden erst zum dritten Mal seit 20 Jahren erlebt. Und wenn Crowbar schon ihre 25 Jahre feiern, feier ich doch mal reichlich mit.

Für die Opener-Position steht ein eisernes Walross zur Verfügung … wie meinen?! Genau, IRON WALRUS aus Osnabrück feiern auch noch mit und zwar den Release ihres Debüt "Insidious Black Sea". Das Quintett, welches nach eigener Aussage auf "alles an Krach unter 100bpm" steht, hat den idealen Sound, um hier den Anheizer zu geben. Man stürzt sich bis auf das Instrumental komplett auf das Debüt und präsentiert dazu auch gleich einen starken neuen Song. Die Instrumentalfraktion macht mit ihren Riffs und Beats richtig Druck und wirkt aufgrund der schwarzen Walross-Masken nebst Stoßzähnen (sorry, der Witz muss raus) "gesichtslos". Der Gimmick kommt aber an und lenkt den Fokus auf Sänger Aufi (ohne Maske), der richtig markant und schön kernig ins Mikro röhrt und mich in gewissen Sekunden an Arthur Brown aus dem Video des "Fire"-Remakes von Die Krupps erinnert - nur noch längst nicht so alt. Die Band ist gut eingespielt und macht keine Anstalten, irgendjemandem im Club etwas beweisen zu müssen. Sie sind das eiserne Walross - love it or hate it - und haben allein deshalb eine angenehm sympathische Ausstrahlung. Cooler Gig!

Iron Walrus

Der Weg für CROWBAR ist also geebnet und der aufgeregte Rezensent schwelgt in Erinnerungen, als eine junge Doom Band aus New Orleans, für die damals mit "Icon" voll durchstartenden Paradise Lost eröffnete - ist das echt 20 Jahre her?! Schwamm drüber! Crowbar sind heute und jetzt hier. Locker, Fan-nah und ohne großen Firlefanz. Ab auf die Bühne, "plug and play" - mit "Conquering" und "High Rate Extinction" startet die Feier schön Old School-lastig, und es ist fast schon richtig angenehm, dass Drummer Tommy Buckley die schnellen Songs (derer wir heute Abend ganze sechs bekommen) ein wenig langsamer spielt und sie deswegen noch akzentuierter krachen. Für Frontman und Crowbar-Galeonsfigur Kirk Windstein (der einen Tag zuvor seinen 49. Geburtstag feierte!) ist auch alles herrlich unkompliziert. "Hey, ich weißm heute ist Dienstag, aber ihr macht den Krach und wir die Musik. So läuft das hier." lässt er mit einem schelmischen Grinsen verlauten, denn leise ist der Bastard Club nicht gerade. Erst recht nicht, als das Riff von "Planets Collide" ertönt. Ja, ich muss kurzzeitig ein paar Freudentränen wegdrücken. Aber bei Crowbar dürfen Männer das auch. Und sich über eine 13 Songs umfassende Zeitreise freuen, die - je nach Geschmack des Einzelnen - etwas vielfältiger hätte sein dürfen. Mit "Vaccum" geht es immerhin sogar zurück zum Debüt "Obedience Through Suffering" und Kirk hat wahrlich recht, dass der Song "älter ist, als einige von euch hier". So wie die drei Orgelpfeifen, die während des gesamten Gigs rechts direkt vor der Bühne stehen und sich nicht einen Millimeter bewegen, geschweige denn klatschen. Manche Besucher muss ich nicht verstehen. Holen wir Crowbar dann lieber für eine Zugabe zurück, die mit "Self-Inflicted" noch mal schön knackig ausfällt. Kurz war der Auftritt trotzdem irgendwie, aber das ist Meckern auf hohem Niveau, angesichts der Seltenheit der Band in unseren Breitengraden. Kirk betont noch mal, dass man sich gleich oben beim Merchandising Stand zum Quatschen, Fotos machen und Sonstiges einfinden wird und auch wenn mein Weg nach Hause bereits angetreten ist, wird er bestimmt Wort gehalten haben und es sich inmitten seiner Fans gut gehen lassen. Ein Original eben. Bis zum nächsten Mal - bitte!

Crowbar

Setlist - Crowbar
Conquering
High Rate Extinction
Lasting Dose
Burn Your World
Vacuum
Sever The Wicked Hand
Liquid Skies And Cold Black Earth
New Dawn
All I Had (I Gave)
Planets Collide
Cemetery Angels
Let Me Mourn

Self-Inflicted


Text: Siegfried Wehkamp
Fotos: Marco Zimmer