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Konzert: ESOTERIC - 23.04.2014 - Hamburg

Location: Hafenklang
Support: Procession, Indesinence


Ich möchte mich in aller Form bei dem Menschen bedanken, der im März beim Hell Over Hammaburg Festival die Flyer für dieses Konzert ausgelegt hat. In der großen Presse fand man keinen Fitzel dieses schweren Paketes, so dass sich an diesem angenehmen Mittwochabend nur geschätzte 60 Doom-Fanatiker im Hamburger Hafenklang einfanden.

Um Punkt 21 Uhr geben INDESINENCE den langsamen Startschuss. Die Londoner Doom Deather machen ihrer Herkunft alle Ehre und dürften so ziemlich jedem Gefallen, der neben den ersten beiden Paradise Lost, auch alles von My Dying Bride vor "Turn Loose The Swans" regelmäßig zu sich nimmt. Dazu ein bisschen Dissonanz hier und da, die Banger-Geister erwachen bei jeder gestarteten Doublebass-Passage und wenn es mit "Communion" (vom noch aktuellen, aus 2012 stammenden Longplayer "Vessels Of Light And Decay") auch mal schneller wird, geht der modrige, tiefe Sound auch gerne mal in Bolt Thrower's "Realm Of Chaos"-Richtung. Pluspunkte werden indes von Sänger/Gitarrist Ilia Rodriguez gesammelt, der alle Ansagen in charmantem Deutsch bringt. Sehr schick!

Indesinence

Endlich das richtige Ambiente für eine PROCESSION-Show. Nach drei von mir beigewohnten Festival-Gigs (Keep It True, Rock Hard, Party San) ist nach dem heutigen Abend klar, dass diese Band in intimer Club-Atmosphäre am Geilsten rüberkommt. Echter Doom für echte Headbanger. Die Exil-Schweden aus Chile bieten die volle Rock-Show mit ansteckender körperlicher Energie und Sänger/Gitarrist Felipe Plaza ist heute so gut bei Stimme, dass eine gottgleiche Nummer wie "To Reap Heavens Apart" heute über allem und jedem steht. "Chants Of The Nameless" macht nach 55 Minuten den Sack zu und zurück bleiben wirklich glückliche Doom-Fans.

Procession

Aber der Headliner heißt trotzdem ESOTERIC, obwohl ich mich nach Procession echt frage, was die Briten dagegen zu setzen haben. Antwort: Ihre gänzlich andere, ureigene Handschrift und einen offensichtlich verdammt guten Ruf in der Funeral Doom Death Szene. Der Applaus zwischen den Songs ist richtig vehement, wobei während der sieben musikalischen Trips hauptsächlich andächtiges Staunen und Genießen angesagt ist. Die Projektionen auf der Leinwand neben der Bühne helfen dabei, denn neben dezenter Aktion auf der Bühne steht hier Sound vor Optik. Und der Sound ist beängstigend. Mit den Möglichkeiten von drei Gitarren und Keyboard öffnet das Sextett im Hafenklang das Tor zur Hölle. Es stampft, doomt, groovt sich in einen monumentalen Rausch. Mit jeder weiteren Minute fühlt man sich wieder ein Stück mehr vom Abgrund verschlungen, um dort vom großen Tier der Apokalypse in die Reihen der ewigen Vergessenheit verfrachtet zu werden. Das (zugegeben: Effekt-unterstütze) Tier heißt hier Greg Chandler, der neben seinem Gitarrenboard seine unmenschlich intonierten Texte sinnigerweise per Headset durch den Club durch die PA jagt. Es ist schlichtweg beängstigend, was Esoteric hier an bedrohlicher, gleichsam schauerlich-schöner Atmosphäre kreieren und dabei permanent die Aufmerksamkeit des Zuschauers einfordern/erhalten, ohne mit ihr/ihm direkt zu kommunizieren. Und die Fans (unter ihnen nicht wenige der weiblichen Gattung) wollen das auch so. Nach den offiziellen 70 Minuten wird nicht "Zugabe" gerufen, sondern einfach weiter geklatscht, bis die Band für "Cipher" nochmal die Bühne entert. Als Zugabe perfekt gewählt, weil es sich wirklich anfühlt (da muss ich aus meinem "Paragon Of Dissonance"-Review zitieren), "… als würde dich das ganze Elend der Welt immer und immer wieder überrollen, bis dich die Unbarmherzigkeit einfach achtlos fallen lässt." In diesem Sinne haben Esoteric ihre Mission vollends und brillant erfühlt, denn während dieser Erfahrung fühlte ich mich mental wirklich bedroht.

Esoteric

Setlist - Esoteric
Abandonment
Loss Of Will
Circle
Creation (Through Destruction)
Caucus Of Mind
The Blood Of The Eyes

Cipher


Text & Fotos: Siegfried Wehkamp