Impressum Startseite
Reviews Interviews Live Specials Jobs

Festival: METAL4SPLASH - 24.-26.07.2014

Zum bereits 7. Mal findet in diesem Jahr das Metal4Splash-Festival am Weichelsee in Rotenburg statt und auch mega-metal.de ist zum wiederholten Male Ort. Atmosphäre, Location, Preis/Leistungverhältnis und natürlich auch das Lineup sind kaum schlagbar - vor allem nicht in dieser Größenordnung.
Beim Check-in am späten Freitag Mittag erfahre ich, dass im Vorfeld rund 850 Tickets verkauft wurden. Bei 1.000 Tickets wäre man ausverkauft. Zählt man die Tageskarten dazu, liegt die Besucherzahl also irgendwo dazwischen. Ein entspanntes Wochenende kann also beginnen.

Freitag, 25. Juli

Nach der alljährlichen Warm Up-Party am Donnerstag Abend beginnt der eigentliche erste Festivaltag gleich mit einer Programmänderung. MORBID TALES mussten ihre Teilnahme am Festival kurzfristig wieder absagen, als Ersatz konnten FREIGEIST aus Hamburg verpflichtet werden. Eine junge Black Metal Band, die bei Sonnenschein um 15 Uhr den Opener mimt, ist nun nicht unbedingt das, wonach mir gerade der Sinn steht. Kurz reingeschaut, alles im grünen Bereich und für technisch okay empfunden. An der Bühnenpräsenz darf gerne noch etwas gearbeitet werden, aber als Opener geht das Gebotene völlig in Ordnung.

Ganz anders sieht's im Anschluss bei DUST BOLT aus. Die Thrasher aus Bayern, die als Sieger des 2011er Wacken Metal Battle hervorgingen, machen gleich von Beginn an keinerlei Gefangen und feuern ihre Thrash-Salven in Höchtsgeschwindigkeit ins Publikum und präsentieren auch gleich einen Schwung neuer Songs, aus ihrem kürzlichen erschienenen zweiten Album "Awake The Riot". Jetzt bin auch ich wirklich "angekommen". So kann's gerne weitergehen. Auch LAY DOWN ROTTEN haben ein aktuelles Album vorzuweisen und bieten so neben einigen älteren Klassikern eben auch neues Material, das beim Publikum gleichermaßen gut ankommt. An den 2009er Klassiker "Gospel Of The Wretched" konnten die beiden nachfolgenden Alben zwar nicht mehr anknüpfen und ein paar mehr Ecken und Kanten hätte ich mir auch heute wieder gewünscht, aber trotz allem, gehört der hessische Fünfer zur ersten Liga im deutschen Todesstahl.

Endlich 18 Uhr und endlich steht eins meiner heutigen Highlights auf dem Programm: DR. LIVING DEAD! Ich kann die Faszination, die von dieser Band ausgeht, eigentlich gar nicht genau beschreiben, zumal ich gar nicht mal unbedingt so der große Fan von Bands wie S.O.D., Municipal Waste oder alten Anthrax bin, die allesamt deutlichen Spuren im Sound von Dr. Living Dead! hinterlassen haben. Trotzdem packen mich die vier maskierten Schweden stets gleich zu Beginn an den Eiern (darf man das eigentlich so schreiben?) und ziehen mich unweigerlich in ihren energiegeladenen Thrash Metal/Crossover/Oldschool Hardcore-Bann - so wie auch heute wieder. 40 Minuten pure Energie mit solchen Krachern wie "Radioactive Intervention" oder "Dead New World".

Dr. Living Dead!

Von Schweden geht's im Anschluss musikalisch nach Dänemark. ILLDISPOSED sorgen heute für die reinste (und auch einzige) wirkliche Death Metal Machtdemonstration des Tages. Auch wenn der Soundmann, der jedes Jahr der gleiche zu sein scheint, nicht gerade für seinen guten Job bekannt ist, aber was die Dänen heute für eine massive Wand ins Publikum abfeuern, ist schon beachtlich. Da stört es das feierwütige Publikum auch nicht weiter, dass sich während dieses starken Gigs der einzige, dafür aber extrem heftige, Regenschauer dieses Wochenendes seinen Weg nach unten sucht. Da lobe ich mir doch den ebenfalls einzigen CD- und T-Shirt-Verkaufsstand - der ist nämlich überdacht und bietet nur wenige Meter von der Bühne entfernt eine perfekte Sicht auf das Treiben von Bo Summer (für mich einer der coolsten Death Metal-Fronter) und seiner Truppe.

Die Enttäuschung zu Beginn des Gigs von DEADLOCK sitzt tief. "Alle" warten auf Sängerin Sabine Scherer, doch als Gesangskollege John Gahlert verkündet, dass Sabine heute nicht mit dabei ist, weil sie ein Kind erwartet, stellt sich wohl jeder die Frage, wie Deadlock denn bitte ohne Sängerin funktionieren sollen!? Nach wenigen Songs beantwortet sich diese Frage von selbst: erstaunlich gut! Würde man die Songs im Original nicht kennen, könnte man meinen, sie hätten schon immer so geklungen. Die Parts von Sabine übernimmt entweder John selber (natürlich nicht clean gesungen) oder halt die übrige Band. Das ist überraschenderweise eine nahezu perfekte "Notlösung", die dann auch scheinbar allen Beteiligten vor der Bühne mächtig Spaß macht. Dickes Kompliment vor allen an John Gahlert, der diese Umstände perfekt gemeistert hat!

Keine Ahnung, wie das passieren konnte, aber selbst ein Konzert- und Festivaljunkie wie ich es bin, sehe heute tatsächlich zum ersten Mal ORDEN OGAN - und das, obwohl ich die Band schon seit einigen Jahren richtig klasse finde. Dafür ist das Drumherum für mein "erstes Mal" heute aber auch absolut perfekt. Es ist mittlerweile nach 22 Uhr, mehr oder weniger dunkel, noch angenehm warm und ein paar hundert Fans warten gespannt vor der Bühne auf die Band aus Nordrhein-Westfalen. Doch auch, wenn ich das Outfit des Vieres etwas befremdlich und so gar nicht zur Musik passend finde, musikalisch gibt's am heutigen Headliner rein gar nichts auszusetzen. Man nehme Blind Guardian, mische es mit dem Besten von Running Wild (ja, das gibt's tatsächlich) und alten Helloween und versehe das Ganze mit einem Hauch Folk. Doch Orden Ogan um Sänger, Gitarrist und Bandkopf Sebastian "Seeb" Levermann (der nebenbei im übrigen auch noch ein richtig guter Produzent ist), versehen ihren Sound stets mit eigenen Ideen, ohne nur einfach irgendetwas Bewährtes zu kopieren. Ein großartiger Tagesabschluss, wie er besser kaum hätte ausfallen können.

Orden Ogan

Offiziell ist der Tag allerdings noch gar nicht zu Ende. Den Rausschmeißer geben zu später Stunde nämlich noch TAINA, die ich allerdings alleine schon wegen ihres Genres (Industrial Rock), als für mich nicht wirklich relevant erachte. Da mache ich mich lieber mal auf den Weg zurück ins Hotel. Ja, Hotel. Ein bisschen Dekadenz muss auch mal sein.

Samstag, 26. Juli

Während wir am zweiten Festivaltag mittags darauf warten, dass endlich mal die Pommesbude öffnet, erfahre ich, dass DARK AGE ihren heutigen Auftritt leider kurzfristig wegen Krankheit absagen mussten. Sehr schade, aber leider nun auch nicht zu ändern.
ERUPTURE, der heutige Opener um 13 Uhr, fällt jedenfalls der Aufnahme von Essen und Getränken zum Opfer. Man kann sich aber auch nicht jede einzelne Band anschauen.
Pünktlich zurück auf dem Gelände, haben IN SIGNUM zumindest teilweise ein Heimspiel und rütteln mit ihrem modernen Death Metal, der auch ein paar Grind-Elemente zu bieten hat, die letzten Müdigkeitserscheinungen aus den Gliedern, was für einen eventuellen Kater vom Vortag aber auch nicht gerade förderlich ist.
Bei NAILED TO OBSCURITY geht's im Anschluss zwar nicht wirklich weniger aggressiv zu Werke, doch die Ostfriesen setzen vermehrt auf progressive und gar leicht doomige Elemente. Es wird also etwas anspruchsvoller, das eine oder andere starke Gitarrensolo findet ebenfalls seinen Weg und wer hin und wieder mal an (frühere) Opeth denkt, liegt gar nicht mal so falsch.

Nachdem der gestrige Tag fast durchweg Bands zu bieten hatte, die ich mir unbedignt ansehen wollte, lasse ich es heutige mal etwas ruhiger angehen. PARASITE INC. werden mir meine Abwesenheit sicherlich verzeihen und auch ANCHORS & HEARTS wollte ich mir eigentlich gar nicht anschauen, lasse mich gegen Ende des Gigs aber doch noch überreden, kurz mitzukommen. Und das, was ich dann noch mitbekomme, ist ganz ordentlich, auch wenn melodischer Hardcore/Metalcore nun doch nicht (mehr) so ganz meine Baustelle ist. Kurios jedenfalls, dass nach dem letzten Song tatsächlich noch eine Gitarre (!) ins Publikum fliegt, um die sich ein paar Fans natürlich regelrecht streiten. In Fachkreisen munkelte man allerdings, dass es sich nur um ein 200 Euro-Modell gehandelt hat...
Der Ersatz für die kurzfristig ausgefallenen DARK AGE steht mittlerweile auch fest. Auch wenn sich so mancher sicherlich eine mehr oder weniger gleichwertige Band gewünscht hat (insbesondere auch wegen der guten Spielzeit am frühen Abend), ist es mit TREDSTONE eine Band, die bereits im letzten Jahr an gleicher Stelle spielte, aber auch seinerzeit mein Interesse leider nicht gewinnen konnte. Kompliment aber auf jeden Fall dafür, dass die Hannoveraner so kurzfristig eingesprungen sind.

Das Festival neigt sich so langsam bereits dem Ende zu und mit SUIDAKRA steht nun der erste von vier großen Namen auf dem Programm. Und ich bin wirklich froh, dass beim diesjährigen Metal4Splash nur eine einzige Band aus dem Beriech Celtic/Folk/Pagan Metal vertreten ist, noch dazu eine, die bereits seit Ende der 90er Jahre aktiv ist, also zu einer Zeit, als es diese ganzen gruseligen "Humppa-Bands" noch gar nicht gab. Und so liefern Fronter Arkadius Antonik und seine Truppe einen entsprechend "seriösen", aber nicht minder mitreißenden Auftritt ab, der standesgemäß mit "Wartunes" endet.
OMNIUM GATHERUM mögen zwar durchaus eine von diesen typischen skandinavischen Melodic Death Metal Bands sein, aber irgendwie haben es die Finnen in ihren mittlerweile auch schon 18 Jahren nie so wirklich geschafft, außerhalb ihrer Heimat einen langfristig bleibenden Eindruck zu hinterlassen, geschweige denn, den Durchbruch zu schaffen. So wie heute auch. Alles ist "nett anzuschauen" bzw. anzuhören, spielerisch und technisch ist alles top und Fronter Jukka Pelkonen kommt stets sympathisch rüber, aber wirklich hängenbleiben will im Kopf irgendwie so gar nichts. Für den Moment aber ein guter Auftritt.
Nachdem am Vortag bereits Illdisposed eindrucksvoll gezeigt habe, was eine dänische Keule ist, wollen HATESPHERE heute entsprechend nachlegen, was auch weitestgehend gelingt. HateSphere bewegen sich im Vergleich zu Illdisposed eher im Thrash und Groove, holen somit zwar nicht die unbarmherzige Death Metal-Walze raus, verstehen es dabei aber trotzdem, mit einem höchst energiegeladenen und aggressiven Sound, für so manche Nackenschemrzen zu sorgen.

Zeit für den Headliner. Nicht nur für heute oder für das gesamte Wochenende, sondern generell in sieben Jahren Metal4Splash. Eine Band des Kalibers DARK TRANQUILLITY konnte man am Weichselsee noch nie erleben. Da darf auch durchaus die Frage berechtigt sein, wie man eine solche Band für den einzigen (!) deutschen Festivalauftritt des laufenden Jahres gewinnen (und finanzieren) konnte.
Aber das interessiert die "paar hundert" Anwesenden ohnehin nicht. 90 Minuten Dark Tranquillity in einem eher kleinen Rahmen, mit einer bestens aufgelegten Band und einem wie immer großartigen Mikael Stanne bekommt man eben auch nicht alle Tage zu Gesicht. Neben dem wohl besten Sound an diesem Wochenende, sowie (zumindest für die Verhältnisse der eher kleinen Bühne) recht ansprechenden Lichtshow, sind die Songs der Schweden ohnehin zeitlos. Ob etwas neuere Hits ("Lost To Apathy"), ältere Klassiker wie das 1995er überlange und starke "...Of Melancholy Burning" oder Kracher aus der Zeit dazwischen ("The Wonders At Your Feet") - die heutige Setlist lässt praktisch keine Wünsche offen und ist der perfekte Abschluss für das diesjährige Metal4Splash Festival.

Dark Tranquillity

Text & Fotos: Marco Zimmer