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Konzert: POSSESSED - 03.08.2014 - Moormerland

Location: JuZ Phönix
Support: Incarceration, Eastfrisian Terror


Die Ankündigung einer vollwertigen Possessed-Headlinertour überraschte mich schon etwas. Noch mehr jedoch, dass sich Ur-Mitglied Jeff Becerra und seine Backing-Mannschaft ins ostfriesische Moormerland "verirren" würden. Dass sich aber nach dem diesjährigen Wacken-Overkill, der gerade einen Tag zuvor zu Ende ging, das Phönix zu Dreiviertel füllen würde, hatte ich nicht wirklich erwartet. Umso besser für einen erstklassigen Death Metal Abend.

Dem örtlichen Veranstalter muss man erst mal ein ultradickes Lob aussprechen, dass er diesen Abend überhaupt möglich gemacht hat. Da meckert auch niemand, dass er selbst - Mr. Deichkot - mit seinen aufgegossenen Teebeuteln - auch bekannt als EASTFRISIAN TERROR - den Opener geben. Spaß-Grind wird nie meine Baustelle sein, doch der Spaß verlagert sich hier auf die Texte, denn wenn man den Herren (nebst neuem Drummer mit drei Wochen Einarbeitungszeit!) mal genau auf die Finger schaut, sieht man sofort, dass hier keine Stümper am Werk sind. Das mit derben Death Metal angereicherte Material geht sogar mir heute etwas in den Nacken und die unverkrampfte Art von Mr. Deichkot himself sorgt dafür, dass ich (zumindest heute) Songtitel wie "Mähdrescher-Blues", "Lever Dood As Slaav" und "Döspaddel" nicht beschämend, sondern sogar witzig finde.

Eastfrisian Terror

Durch die Absage von Cattle Decapitation (die die gesamte Tour spielen sollten), wurde für die heutige Show die Brasilien/Hamburg-Connection namens INCARCERATION gebucht. Nach dem energiegeladenen Auftritt des Trios musste ich mir erst mal eine Wagenladung Vitamin B reinpfeiffen, um meine Nerven wieder auf Normalbetrieb zu polen. Binnen Sekunden explodiert auf der Bühne eine Neutronenbombe und hinterlässt mit aussagekräftigen Titeln wie "Obsessed By Death", "Neverending Agony" oder "Chaos And Blasphemy" nur noch Staub … bzw. zumindest eine gerissene Gitarrensaite. Kein Wunder, wenn man Daniel "Duracell" Silva (ja, der Spitzname ist berechtig!!) beim Riffs hacken (auch das trifft es) zuschaut, während er infernalisch ins Mikro brüllt, als wäre es sein letzter Gig, dabei immer wieder das Publikum anstachelt und sich trotzdem sichtlich über den Zuspruch freut - Shakehands und Smalltalk nach dem Auftritt inklusive. Geile Show!

Doch nun dreht sich alles nur um POSSESSED. Nach dem Hammer-Auftritt beim Keep It True 2013, wäre ich auch heute nicht böse gewesen, wenn das gesamte "Seven Churches"-Album wieder zum Zuge gekommen wäre. Doch heute soll die Mischung regieren, die neben ausgesuchten Granaten des Überklassikers, auch einige "Beyond The Gates"-Tracks, das neue "The Crimson Spike" und die komplette "The Eyes Of Horror"-EP beinhaltet. Letztere zeigte in der Vergangenheit, wie sehr Possessed die heutigen "Großen" nachhaltig beeinflusst haben - es existieren z.B. Versionen von Cannibal Corpse ("Confessions") und Amon Amarth ("The Eyes Of Horror"). Nebensache…
Jeff und seine Mistreiter knallen den Anwesenden so dermaßen einen vor den Latz, dass mir einen Tag später noch die Ohren klingeln. Der Sound mag für den kleinen Raum arg derbe gewesen sein, es könnte aber auch am harten Punch des Schlagzeuges liegen, denn dort thront als Tour-Drummer niemand Geringerer als Nicholas Barker (ex-"zu viele Bands zum Aufzählen"). Am Ende hatten trotzdem alle immensen Spaß, brüllen "Tribulation" oder den Genre-Song "Death Metal" aus vollem Halse mit und alle zusammen lassen mit einem bestens aufgelegten Jeff Becerra den Schweiß von der Decke regnen. Mehr kann und will ich einfach nicht dazu sagen - this is fucking POSSESSED!

Setlist - Possessed
Pentagram
Beyond The Gates
The Eyes Of Horror
Evil Warriors
Tribulation
Séance
The Heretic
Twisted Minds
My Belief
Storm In My Mind
Swing Of The Axe
The Crimson Spike
The Exorcist
Confessions
Death Metal

Seven Churches


Text & Fotos: Siegfried Wehkamp