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Konzert: SCHLACHTFEST XIV - 18.10.2014 - Aurich

Location: Schlachthof
Bands: Master, Humiliation, Weak Aside, Deathstar


"Ich fahre heute Abend zum Schlachtfest." Ein gern verwendeter Kalauer, wenn die Frage nach der Samstagabend-Betätigung gestellt wird. Und die dummen Gesichter danach - unbezahlbar. Mit 17 Euro Abendkasse ist das Package um den Headliner Master dagegen gut bezahlbar, das restliche Billing ist auch nicht zu verachten und dementsprechend erscheint das headbangende Volk zahlreich im ostfriesischen Aurich.

Mit den Tschechen von DEATHSTAR geht es los und von der ersten Sekunde an merkt man, dass diese Band das nicht erst seit gestern macht. Seit 2006 auf der Bildfläche spielt das Quartett einen intensiven Death Metal der moderneren Prägung, ohne sich aber in Gefrickel- oder Core-Bereiche zu verstricken. Das As im Ärmel des wirklich abwechslungsreichen Sounds sind die immer wieder interessanten Melodieführungen (teils schwedischer Natur) und einigen wirklich überraschenden Songwendungen, die das Live-Erlebnis spannend halten. Außerdem ist Sänger/Gitarrist Jan Pilař mit seiner Tingeltangel-Bob Gedächtnis-Frisur ein echter Hingucker. Songs wie "Light Up The Darkness", "Phoenix Rising" und "Beyond All Fears" (Titelsong vom aktuellen Album aus 2013) sind eine amtliche Visitenkarte. Ich bin schon beim Opener überrascht.

Deathstar

"Hallo, wir sind WEAK ASIDE aus dem schönen Ostfriesland." So nett die Ansage auch ist, so derbe ist ihre Death Metal Keule. Spontan und in Verbindung mit der imposanten Erscheinung von Sänger/Gitarrist Tom Zorn schreibe ich Dinge wie "Combat Death Metal", "Old School Death Metal as fuck" und "Death Metal - no compromise" in mein Notizheft. Die stilistische Nähe zu Bolt Thrower kann man nicht leugnen, dennoch hat das Quartett auch Spaß am Tempo und bietet zwischendurch ein paar sehr amtliche Blasts. Kein Wunder, wenn ein Marc Dieken (ex-Obscenity/ex-Dew-Scented) hinter den mir leid tuenden Kesseln sitzt. Die Band ist in Feierlaune (Spaß, feiern - ja, ich rede noch von Death Metal!), hat man soeben einen Deal mit FDA Rekotz unterschrieben, liefert mit "The Next Offensive" und "Storm Of Violence" gleich zwei Mal einen kräftigen Vorgeschmack auf den bald erscheinenden neuen Longplayer und zum Schluss entert Bernd Reinders (Stimme und Schlagwerker von Slaughterday - stilecht im Repulsion-Shirt) die Bühne und schmettert zusammen mit Weak Aside noch den Extreme Noise Terror-Brecher "Raping The Earth". Uff!

Weak Aside

Es ist kein Vorwurf, aber danach betreten die malaysischen Bolt Thrower zu Bühne. Das, was HUMILIATION heute Abend treiben, ist echt irre. Die Gitarren (Riffs und Optik), der Sound, die donnernden Drums, sogar die Rhythmik in den Growls von Fronter Bear-Bee - fast alles erinnert an die britische Zerstörungslegende. Zwischendurch wird das Tempo zwar mal nach oben oder auch nach unten geschraubt, so dass man definitiv nicht von einem Plagiat sprechen kann, aber die Ähnlichkeit ist mitunter erschreckend. Und es gefällt der Meute, die sogar nach einer Zugabe ruft. Damit das hier nicht falsch verstanden wird - mir gefällt es auch. Sogar richtig gut. Diese fast schon naive, unbedarfte Art, als wären sämtliche Strömungen und Genre-Ausreisser der letzten 20 Jahre nie da gewesen, donnern die Jungs aus Kuala Lumpur einfach drauf los und kommen dabei aber wieder gefestigt und entschlossen rüber. Die Erfahrung von vier Longplayern, einigen Splits und zwei EPs seit 2009 macht sich bezahlt und wird heute in Aurich entsprechend gewürdigt. Klasse!

Humiliation

"On The Seventh Day God Created MASTER" - warum Paul Speckmann als einer der Grundsteine des Extrem Metal den Erfolg nicht hatte, wird für immer ein Geheimnis bleiben. Der Exil-Tscheche zieht aber seit Jahren sein eigenes Ding durch, wirkt mit seinem 15 Jahre langen Bart (ich habe nachgefragt!) wie ein entsprechender Eremit aus und liefert wie erwartet nichts anderes als 100% Speck-Metal. Soll heißen: Uffta, Uffta und ab dafür. "Klingt alles gleich" hört man vereinzelt … Kennste Bolt Thrower? Kennste Motörhead? Siehste - nich nörgeln, ey! Der Meister ist die Ruhe selbst und hat an dieser Art Underground-Feeling sichtlich Spaß. Selbst die hierzulande grassierenden "Ost-Ost-Ostfriesland"-Rufe quittiert er halb amüsiert, halb unbeeindruckt mit einem schlichten "Was?". Wenn man seine im feinsten US-Kauderwelsch vorgetragenen Ansagen jetzt etwas besser verstehen würde, wäre der Spaß noch größer. Aber was soll's. "Judgement Of Will", "Slaves To Society", "The Parable", "Smile As You're Told", "Funeral Bitch" und sogar "Cut Through The Filth" (vom legendären "Death … Is Just The Beginning II"-Sampler) sorgen für ordentlich Alarm, ein Drumsolo um 0:30 Uhr dagegen weniger. Aber das schön durchgerödelte "Children Of The Grave"-Cover gibt den perfekten Abschluss für einen großartigen Schlacht-Abend!

Master

Text & Fotos: Siegfried Wehkamp