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Konzert: SEPULTURA - 12.02.2014 - Osnabrück

Location: Rosenhof
Support: Legion Of The Damned, Flotsam And Jetsam, Mortillery


Es ist bitterkalt, es ist extrem stürmisch und es ist mitten in der Woche. Eigentlich keine guten Voraussetzungen für einen gemütlichen Konzertabend. Hochkarätiges Line-Up hin oder her - aber man kennt die Leute ja. Zudem sind an der Abendkasse auch noch stolze 32 Euro fällig, was so manches Budget übersteigen dürfte.

Auch wenn sich der Konzertbeginn um 15 Minuten verzögert - 18.45 Uhr Beginn auf einem Mittwoch Abend ist ein recht undankbarer Job für die erste Band. Die Kanadier von MORTILLERY machen in ihrer halben Stunde jedenfalls das Beste daraus und locken mit jeder weiteren Thrash-Granate (u.a. "No Way Out") mehr und mehr Leute vor die Bühne - auch wenn die Reihen im Osnabrücker Rosenhof durchaus noch überschaubar sind. Blickfang und Sängerin Cara McCutchen (stilsicher mit Exodus "Bonded By Blood"-Shirt) überzeugt stimmlich auf ganzer Linie (krass, was aus diesem kleinen Mädel rauskommt), Drummer Kevin Gaudet spielt tatsächlich barfuß und die Saitenfraktion haut das eine oder andere coole Bay Area-Riff raus. Vielleicht nicht wirklich innovativ, aber für den Moment macht's mächtig Laune.

Mein erster Eindruck bei FLOTSAM AND JETSAM: Die müssen gefühlt alle doppelt so alt sein, wie Mortillery. Kein Wunder, 1981 gegründet und noch fast in der Originalbesetzung, beschleicht mich aber auch recht schnell das Gefühl, dass sich die Band heute, bzw. generell auf dieser Tour, etwas unter Wert verkauft. Ich glaube, die Herren gehören einfach auf größere Bühnen - und auch nicht als zweiter Opener.
Ich muss gestehen, dass ich die Band bisher eigentlich auch fast nur vom Namen her kannte, wohl mal hier und da einen Song aufgeschnappt habe und auch wohl weiß, dass mal ein gewisser Jason Newsted bei denen gespielt hat. Musikalisch gibt's jedenfalls einmal mehr das volle Speed/Thrash-Brett mitten ins Gesicht und was mir am Sound der Truppe aus Phoenix/Arizona besonders gut gefällt, sind neben den enorm treibenden Drums, vor allem die mitunter etwas längeren Instrumental-Passagen (während denen Sänger Eric A.K. dann aber doch etwas verloren auf der Bühne wirkt). Den größten Applaus erntet der Fünfer natürlich immer bei der Ankündigung von "some really old shit" der Marke "No Place For Disgrace".

Fast ein Heimspiel haben LEGION OF THE DAMNED - erstens ist Holland fast um die Ecke und zweitens hat man in Deutschland ohnehin eine riesige Fanbase. Diesen Vorteil nutzen Fronter Maurice Swinkels und seine Truppe natürlich entsprechend aus, animieren das Publikum erfolgreich zu Mitsingspielchen bei "Death's Head March", und sorgen mit ordentlich Groove, auch mal im Midtempo, sowie Death Metal-lastigem Material wie nicht zuletzt "Cult Of The Dead" dafür, dass es herrlich im Magen wummert. Nicht nur vor der Bühne ist es mittlerweile entsprechend voll geworden, der Club hat sich insgesamt sehr gut gefüllt. Schön zu sehen, dass das heutige Package dann doch so viele Leute vom Sofa herunterlocken konnte.
Die explosive und energiegeladene Show der Niederländer dankt das Publikum mit "Legion! Legion!"-Sprechchören, bevor mit der obligatorisch abschließenden Bandhymne "Legion Of The Damned" nach rund 50 Minuten Feierabend ist. Zugegeben, ich hätte gerne noch 'ne halbe Stunde mehr gehabt ...

Aber natürlich heißt der heutige Headliner SEPULTURA und das auch völlig berechtigt. Und natürlich werden Sound und Licht nun bis zum Anschlag hochgefahren, so dass in den nächsten 80 Minuten alles perfekt klingt und aussieht. Wer bei Sepultura (nach 1998) schonmal in der ersten Reihe gestanden hat (ich stehe heute anfangs im Fotograben), der kennt vielleicht dieses etwas mulmige Gefühl, wenn ein Sänger wie Derrick Leon Green - geschätzte zwei Meter groß, locker über 100 kg Muskelmasse, Glatze und dunkle Hautfarbe - zum eröffnenden "Trauma Of War" auf einen zugelaufen kommt. Seine Imposanz, Präsenz, Erscheinung, aber auch Sympathie und Charisma sind schon ziemlich beeindruckend. Dass er ein ganz fantastischer Frontmann ist und die hinterlassene Lücke von Max Cavalera bestens geschlossen hat, steht eh außer Frage. Zum Musikalischen braucht man eigentlich gar nicht viel sagen. Wenn eine Band groovt, dann sicherlich Sepultura. Die Gitarren sind herrlich tief gestimmt, dazu natürlich überragende Songs, auch wenn eine "auf Nummer Sicher"-Setlist wohl etwas anders aussieht. Erstmals wird z.B. die New Model Army-Coverversion "The Hunt" live zum Besten gegeben, die sich wie ein typischer Sepultura-Song anfühlt/anhört. Dass man gegen Ende natürlich die großen Hits auffährt, der Rosenhof mittlerweile richtig voll und gut warm geworden ist, ist selbstredend. Nach dem offiziellen Abschluss mit "Refuse/Resist" und "Arise" lässt der Zugabenteil mit "Ratamahatta" und "Roots Bloody Roots" auch nicht lange auf sich warten. Alleine diese vier Klassiker verdienen allergrößten Respekt. Chapeau.

Sepultura

Setlist - Sepultura
Trauma Of War
The Vatican
Kairos
Propaganda
Impending Doom
Manipulation Of Tragedy
Convicted In Life
Dusted
The Age Of The Atheist
Death Embryonic Cells
The Hunt
Spectrum
Da Lama Ao Caos
Innerself
Territory
Refuse/Resist
Arise

Ratamahatta
Roots Bloody Roots


Text & Foto: Marco Zimmer