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Konzert: EREB ALTOR - 07.10.2015 - Hamburg

Location: Bambi Galore


"Mitten in der Woche? Das ist immer schlecht, wegen der Arbeit und so …".

Nein, der Schreiber dieser Zeilen fährt gerne an einem Mittwochabend nach Hamburg, wenn die mächtigen Ereb Altor rufen. Die Schweden spielen heute eine Headliner-Show in perfekter Club-Atmosphäre als Warm Up für die darauf folgende Tour mit den Iren Cruachan.

Den Anheizer geben ARCHEION eben aus Hamburg und die spielen heute laut eigener Aussage ihren ersten Gig. Bis auf ein paar artverwandte Riffs aus dem groß angelegten Melo Black Metal-Bereich, haben sie zwar nichts mit Ereb Altor gemein, ziehen aber ihren Mix aus Melodic Death Metal und dem, was die NWOAHM daraus machte, handwerklich begabt durch. Ein paar Ungereimtheiten dürfen sich beim ersten Gig natürlich einschleichen, dafür gibt es aber auch Abwechslung mit kurzen Clean Passagen oder klaren Vocals vom ansonsten eher keifenden Bassisten Jan Hansen. Bis dahin ist alles okay für eine Live-Feuertaufe. Doch welcher mutierte Teufel die Jungs geritten hat, den recht angenehmen Eindruck mit einem "Beinhart"-Cover zu kupieren … da fehlen mir echt die Worte.

Archeion

Manchmal hasse ich die Veröffentlichungsflut, die übermenschliche Armada an Konzerten und Festivals, denn "zu viel um die Ohren" hat mich fast gänzlich vergessen lassen, wie geil der EREB ALTOR-Auftritt beim letztjährigen Party.San Open Air war. Nach dem Intro steigen die vier Krieger des Nordens mit "Midsommerblot" stark ein und versprühen sofort das, was man ihnen nachsagt - (mehr als nur) einen Hauch der Bathory-Glanztage. Und auch wenn das skurril gemischte Publikum doch arg hüftsteif ist (und bis auf ein paar Verwegene vor der Bühne auch bleibt), fühle ich, dass sich auf der Bühne etwas Besonderes zusammenbraut. Mit dem Titelsong des aktuellen Albums "Nattramn" verdunkelt sich die Atmosphäre und spätestens nach dem vierten Song ("Myrding" vom 2010er Album "The End") habe ich den totalen Flashback zurück zum PSOA. Da ist sie wieder, die heroische Macht, gepaart mit fest verankerter Heaviness und starken Melodien, die mitunter von allen drei stolz und selbstbewusst auftretenden Mats, Ragnar und Mikael an den Saiteninstrumenten intoniert werden, während Tord an den Kesseln alle unaufhörlich nach vorne treibt. Wie zuvor, kristallisiert sich das grandiose "Nifelheim" als Highlight heraus und das grimmige "The Gathering Of Witches" beschließt den offiziellen Teil. Ob die Band auf "Zugabe!"-Rufe wartet, frage ich mich in dem Moment, wo vom Publikum nämlich gar nichts kommt und Mats rhetorisch fragt "Ihr seid ja noch da?!". Die schüchterne Antwort eines Einzelnen lautet "Ja, für euch.". Und für wen auch immer, für sich selbst oder den ehrwürdigen Quorthon (R.I.P.), legen Ereb Altor noch eine große Version des Bathory-Klassikers "Twilight Of The Gods" nach, für den - oh Wunder - alle Anwesenden den Backing Chor geben. Und eines ist sicher, dieser Ereb Altor-Auftritt wird bei mir auf jeden Fall nicht in Vergessenheit geraten.

Ereb Altor

Text & Fotos: Siegfried Wehkamp