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Festival: FRICTION FEST - 16.10.2015 - Berlin

Das Friction Fest ist zurück! Und zwar diesmal nur einen Tag, aber dafür einmal in Berlin und einmal in Köln. Für mich geht es heute ins Astra in Berlin. 16 Uhr ist schon Einlass und 17 Uhr Beginn, was für viele schwierig werden könnte. Ich schaffe es allerdings pünktlich zum Beginn. Musikalisch wird hier von Sludge, Doom bis hin zu Black Metal und Progressive alles geboten. Sechs Bands an der Zahl gibt es zu sehen, also steht ein langer Abend an.


Los geht es mit ŁINIE, einer recht jungen Band aus Hamburg, die einen sehr interessanten Musikstil hat. Neben der Standardbesetzung aus zwei Gitarren, einem Bass und einem Schlagzeuger, gibt's noch einen Mann an den Tasten mit einer Menge Electro-Stuff zu sehen, der immer wieder elektronische Sounds zwischensteuert. ŁINIE spielen ziemlich dunklen Sludge, der durch den elektronischen Zusatz sehr erfrischend ist und stark in die Noise Richtung geht. Sänger Jörn kann nicht nur hart, sondern auch mal clean singen, aber ohne, dass es zu "soft" wirkt. Dadurch holen sie sich den Stoner Rock auch mit ins Boot. Ab und zu growlt Drummer Alex auch noch ordentlich ins Mikro, wozu den meisten elektronischen Zusatz von Iggi gibt. Es brüllen aber auch mal alle ins Mikro. Gefällt mir ziemlich gut die Band, schade dass es noch so früh ist und somit relativ leer.

LINIE

Weiter geht es mit TODTGELICHTER, die schon seit 2002 aktiv sind. Die Truppe um Frontfraun Marta, die ebenfalls aus Hamburg kommt, macht Black Metal-lastigen Extrem Metal, mit immer wieder melodischen Parts. Sängerin Marta schafft auch ganz gut die Switches zwischen dem gutturalen und dem melodischen Gesang. Die Truppe ist fast komplett in Weiß gekleidet und strahlt, trotz der wenigen Beleuchtung, mit dem Schwarzlicht bis zur letzten Ecke des Astra's. Auf die Ohren gibt es ordentlich Doublebass und immer wieder kontrastreiche Songs.

Todtgelichter

Nach 20-minütiger Pause geht es mit MANTAR weiter, die deutschen Sludge-Senkrechtstarter. Auf die freu ich mich heute Abend am meisten. Leider hab ich es bis jetzt noch nicht geschafft, sie zu sehen. Mit anfänglichen technischen Problemen starten Mantar zehn Minuten später. Es gibt trotzdem die 30 Minuten, die alle der ersten drei Bands bekommen haben. Das Duo - nur Gitarre und Schlagzeug - legt ziemlich hart los und bewegt sich auch gleich ordentlich auf der Bühne. Man sieht denen gleich den Spaß an der Sache an. Sänger Hanno nutzt den Platz auf der Bühne voll aus und spielt immer wieder mit Verzerrungen und Verstärker. Jetzt fang ich auch schon ordentlich an, meine Matte zu schütteln. Das ist richtig düsterer Sludge, wie er mir gefällt. Drummer Erinc sitzt mit seinen Trommeln direkt am Bühnenrand, wodurch eine coole Clubatmosphäre entsteht, und haut gut drauf los. Die 30 Minuten sind mir hier leider echt zu wenig, aber dafür hol ich mir eine Platte ("Death By Burning") am Merchstand, wo man auch noch gemütlich ins Gespräch mit Sänger Hanno kommt.

Mantar

Als Viertes kommt LANTLÔS, die mit ihrem Alternative Metal/Post Rock einen großen Kontrast ins Line Up bringen. Das Quintett bringt jetzt das erste Mal etwas Ruhigeres auf die Bühne, was nach den letzten drei Bands ganz entspannend ist. Mit langen und langsam aufbauenden Songs gibt es hier eine ganz andere Stimmung. Der Gesang von Cedric tritt oft erst nach mehreren Minuten auf. Lantlos haben mit 40 Minuten ein wenig mehr Zeit für ihre langen Songs, was ihnen zugutekommt, nicht zuletzt durch die langen stimmungsvollen Outros, bei denen man gut abschalten kann.

Lantlôs

PRIMORDIAL sind im Line-Up die erste internationale Band. Die Iren gibt es nun auch schon seit 1987 und sie haben somit auch ein ordentliches Repertoire an Songs, die sie spielen können. Sänger Alan Averill hat eine Bühnenpräsenz, die beeindruckend ist. Ob an der linken Ecken, rechten Ecke oder in der Mitte - überall bückt er sich mit dem Mikro fast ins Publikum rein und ist somit sehr nah an den Fans. Mit dem Gesang und auch dem Instrumentalen, schaffen es Primordial einen extrem epischen Sound zu kreieren. Es ist eigentlich so gar nicht meine Musik, aber bei denen gefällt es mir ganz gut. Zumal der Sound auch richtig sauber ist und man selbst am Ende der Halle alles gut versteht. Jetzt müssten mir nur noch die Lyrics gefallen und das wäre meine Band, allerdings passen die Texte wohl eher zu dem mystischen Stil der Band.

Primordial

Langsam merkt man die fünf Bands in den Knochen, aber jetzt kommen noch KATATIONIA! Auf die freu ich mich auch schon sehr. Hier gibt es richtig hochwertigen Sound der progressiv einige Stile anspricht. Die Schweden gibt's nun auch schon ein paar Jahre und sie sind nicht ohne Grund der Headliner beim Friction Fest. Bei Katatonia gibt es eine ordentliche Spielzeit von 80 Minuten. Der Gesang von Jonas Renkse hat einen richtig guten Klang in der Halle. So, wie er sich bewegt und die Haare, die vorm Gesicht hängen, erinnert er mich an Ozzy. Bei den instrumentalen Parts zeigt die Band wie basslastig sie spielen kann, das spürt man jedes Mal in der Magengegend. Da wummert was los und das trotz des sauberen Sound. Bei der Band gefallen mir auch gerade die neuen Sachen. Der perfekte Abschluss für den Abend.

Katatonia

Das Friction Fest 2015 hat mir musikalisch richtig gut gefallen. Nicht alles war so ganz nach meinem Geschmack, aber was nach meinem Geschmack war, hat auch gereicht. Allerdings hätte ich lieber eine Band weniger und dafür längere Spielzeiten der anderen Bands. Ich freue mich jedenfalls schon auf das nächste Mal!


Text & Fotos: Jörg Kandziora
kandziora-photo.de