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Festival: RELOAD - 07. bis 08.08.2015 - Sulingen

Nachdem das RELOAD FESTIVAL am Mühlenkampsfeld in Sulingen (südlich von Bremen) im Jahre 2014 pausiert hat, kehren die Veranstalter pünktlich zum 10. Jubiläum in diesen Jahr endlich wieder zurück. Und es sollte ein voller Erfolg werden. Man rechnete mit 5.000 Besuchern, es kamen 6.500 und so mussten am Anreisetag aufgrund des hohen Besucheraufkommens sogar noch kurzfristig zusätzliche Campingflächen organisiert und freigegeben werden.
Zwei großartigen Festivaltagen steht also eigentlich nicht mehr viel im Weg - höchstens das Wetter. Das Wacken Open Air eine Woche zuvor glich einer Schlammwüste und auch in Sulingen wird man mit Regenschauern und Matsch begrüßt. Doch die Sonne lässt sich regelmäßig blicken, dazu entsprechend Wind, so dass große Teile des Festivalgeländes recht zügig abtrocknen.

Freitag, 07. August

Das diesjährige Festival wird am Mittag von MANTAR eröffnet. Vielleicht eine Band, deren Energie in einem Club wohl besser rüberkommt und heute wohl auch eine Band, die so manchem Besucher als Opener eine Spur zu heftig sein dürfte. Das Duo (!) Infernale feuert seinen Black/Doom/Punk gnadenlos ins Publikum, dass es eine wahre Freude ist. Das Debütalbum "Death By Burning" bietet entsprechendes Kanonenfutter und auch ich bin bei meinem heutigen Erstkontakt mit der Band nicht nur überzeugt, sondern regelrecht begeistert.
Da man sich natürlich nicht nonstop 10 Bands in 12 Stunden ansehen kann, müssen die lokalen Post-Hardcoreler WATCH OUT STAMPEDE! auf meine Anwesenheit ebenso verzichten, wie im Anschluss auch BORN FROM PAIN. Von beiden Bands höre ich allerdings die kompletten Gigs vom Pressezelt hinter der Bühne aus, und kann somit behaupten, dass die Stimmung im Publikum - schätzungsweise bei der eher etwas jüngeren Hardcore-/Metalcore-Fraktion - wohl wie erwartet richtig gut gewesen sein muss.
Ziemlich gespannt bin ich auf BEYOND THE BLACK, die mich wenige Tage zuvor beim Wacken Open Air absolut beeindruckt haben und auch heute einen richtig guten Gig abliefern. Wenn man mit dem Hit "In The Shadows" beginnt, kann auch eigentlich nicht mehr viel schief gehen. Sängerin Jennifer Haben hat das Publikum stets im Griff und die Songs vom Debütalbum "Songs Of Love And Death", wie beispielsweise auch das starke "When Angels Fall", überzeugen heute wohl jeden.

Beyond The Black

Mit IGNITE steht sicherlich eins der ersten größeren Highlights des Tages auf dem Programm. Passend zur frühabendlichen Sonne, sorgen die Kalifornier mit ihrem Melodic Hardcore für allerbeste Stimmung und so manchen Circlepit. Die Energie, die die Truppe um Fronter Zoltán Téglás hier und heute versprüht, ist weniger der (ohnehin eher mangelnden) Bewegung auf der Bühne, sondern vielmehr der immens hohen Spielfreude der Truppe zu verdanken. Rundum überzeugend.
Im Anschluss kommt wieder die jüngere Fraktion der Besucher auf ihre Kosten. Beginnend mit dem Spaß-Trancecore von ESKIMO CALLBOY (stark: "Is Anyone Up?") inklusive einer ziemlich wilden Party, und gefolgt von den aus Brighton/England stammenden ARCHITECTS, die in den letzten Jahren extrem erwachsen und routiniert geworden sind und es so zu einer wahren Freude machen, der Truppe um Fronter Sam Carter und ihrem Math-/Metalcore zu lauschen. Abgerundet wird dieses Dreierpaket von ENTER SHIKARI, vielleicht sowas wie die Urväter des Trancecore, die es in der Vergangenheit leider nicht immer geschafft haben, mich zu überzeugen. Doch heute ist alles im grünen Bereich und "Sorry You're Not A Winner" reißt ohnehin so einiges raus - die berühmten Klatscheinlagen des Publikums in diesem Song sind wirklich klasse.
Mittlerweile ist es 22 Uhr und dunkel - perfekt für eine dicke Licht- und Pyroshow, die die deutsche Thrash-Institution KREATOR natürlich auch entsprechend auffährt. Nach den ganzen heutigen "irgendwas"-Core-Bands (zugegeben etwas zu viel für meinen Geschmack), ist bereits der standesgemäße Opener "Enemy Of God" eine wahre Wohltat für das Gemüt und lässt jedes Metal- und Thrash-Herz gleich höher schlagen. In der folgenden Stunde zeigen Mille Petrozza und seine Truppe eindrucksvoll, warum sie nicht nur zur Spitze speziell im Thrash Metal zählen, sondern darüber hinaus auch wohl zu den wichtigsten und größten Metalbands unserer Zeit generell zählen. Und spätestens "Pleasure To Kill" zerlegt hier und heute alles.

Kreator

Wenn es aber heute eine Band gibt, die sowohl "alte" Metalheads, als auch junge Core-Kids zu einem großen und feiernden Publikum vereint, dann sind das IN FLAMES. Und auch wenn viele Fans der ersten Stunde mit der musikalischen Entwicklung der Schweden spätestens seit dem 2002er Album "Reroute To Remain" nicht mehr so ganz einverstanden waren, man muss solche Scheuklappen-Einstellungen auch mal ausblenden können - schließlich sind wir hier alle zum Feiern. Und feiern lässt es sich zu Krachern wie "Cloud Connected" (Gänsehaut auch noch beim gefühlten 20. Mal live!) oder "The Quiet Place" natürlich allerbestens. Das Publikum gleicht einem Tollhaus. Es wird gefeiert, getanzt und gehüpft. Headbanger, Circlepits und Crowdsurfer - das Publikum gibt nach diesem langen Tag - mittlerweile ist es nach Mitternacht - nochmal alles. Ein absolut gelungener Abschluss dieses ersten Tages mit einer bestens aufgelegten Band.

In Flames

Samstag, 08. August

Nach einer erholsamen Nacht im Hotel startet der zweite und bereits letzte Festivaltag wieder gegen Mittag und ich weiß wohl, dass heute nicht so jede Band nach meinem Geschmack sein wird. Das beginnt gleich mit den Münchenern GWLT (sprich: Gewalt), die in ihrem Hardcore-Punk/Crossover-Gemisch für meinen Geschmack einfach zu viel Rap und "dicke Hose" drin haben, was mir ebenso wenig zusagt, wie im Anschluss die beiden Hardcore-Legenden DEATH BY STEREO aus Kalifornien (die aber immerhin eine recht ordentliche Version von Slayer's "Raining Blood" spielen), sowie MADBALL aus New York, die allerdings absolut nachvollziehbar unterstreichen, warum sie in ihrem Genre eine Institution sind.
Zu dem heutigen Headliner-Doppel Flogging Molly und Dropkick Murphys, passen MR. IRISH BASTARD aus Münster natürlich perfekt. Aber natürlich muss sich jede (Irish) Folk-Punk-Band dem Vergleich mit den Murphys stellen, bei dem die Münsteraner deutlich den Kürzeren ziehen. Das Gebotene geht völlig in Ordnung und 30 Minuten sind ja bekanntlich auch schnell vorbei. Doch irgendwas passiert am Rande der Bühne. Die Band spielt länger und länger und so werden aus den geplanten 30 Minuten, stolze 75 Minuten! Des Rätsels Lösung erfahre ich im im Anschluss neben der Bühne im Pressezelt: Black Stone Cherry, die im Anschluss hätten spielen sollen, stehen irgendwo im Stau, schaffen es nicht mehr zum Festival und fallen somit aus.
Wie geplant, geht's also mit BLUES PILLS weiter. Die schwedischen Bluesrocker sind sicherlich die Exoten auf dem diesjährigen Billing, lassen mich aber recht schnell zu dem Ergebnis kommen, dass die Band um Sängerin Elin Larsson (neben Mantar) zu meinen persönlichen positiven Überaschungen des diesjährigen Reload Festivals zählen. Packende Musik, eine irgendwie psychedelische Atmosphäre (inklusive einem Fotograben, in dem es deutlich nach Cannabis riecht) und starke Songs, wie dem mehr als passenden "Black Smoke". Klasse Band.

Blues Pills

Im Anschluss folgen CALLEJON, einer Band, die natürlich den völligen Kontrast zu Blues Pills darstellt, einmal mehr das jüngere Publikum anspricht, aber auch mich schon mehrfach überzeugen konnte. Und das ist heute einmal mehr der Fall. Die beiden Coverversionen "Schwule Mädchen" (Fettes Brot) und "Schrei nach Liebe" (Die Ärzte), gehören dabei ebenso in das feste Repertoire der Metalcore-Institution, wie "Sommer, Liebe, Kokain", das ich heute spontan zum Song des Tages küre.
Die Tatsache (?), dass "Wacken kein Metal" und "Rock am Ring kein Rock" mehr ist, macht leider auch vor dem Reload Festival nicht halt. Was eine Band wie K.I.Z. hier zu suchen hat, will und werde ich nie begreifen und so ignoriere ich die Truppe auch ganz konsequent und behalte meine Meinung über diese "Musik" auch besser mal für mich...
Als direkter Anheizer für die Dropkick Murphys, machen FLOGGING MOLLY natürlich eine ausgeprochen gute Figur. Ich pendel derweil zwischen Infield und der Theke im Pressezelt (30 Meter Luftlinie) und schnappe immer wieder sympathische Ansagen von Sänger Dave King auf, oder auch solche Momente, in denen die Band mit Guinness mit dem Publikum anstößt. Eine Stunde lang bieten die sechs Herren und eine Dame eine muntere Irish Folk/Punk-Party, die niemanden im Publikum stillstehen lässt.
Der Festivalabschluss und heutige Headliner heißt DROPKICK MURPHYS und das Publikum mobilisiert auch heute und auch wieder nach Mitternacht einmal mehr die letzten Kraftreserven, um die Kultband aus Boston so zu unterstützen, wie sie es verdient hat. Sänger Al Barr punktet mit viel Sympathie und einer energiegeladenen Darbietung, während die Songs ohnehin für sich selber stehen. Gestartet wird mit "The Boys Are Back" und "Going Out On Style" - bereits nach diesem eröffnenden Doppel hat mich die unbändige Energie der Band bereits vollends gepackt. Nun heißt es, über eine Stunde lang feiern und trinken, was beides bestens klappt. Crowdsurfer und Circlepits geben sich am laufenden Band die Klinke in die Hand, regelrechte Ausnahmezustände bei Krachern wie "Irish Rover" und "Shipping Up To Boston" und auch neuere Sachen wie "Rose Tattoo" kommen bestens beim Publikum an. Ein regelrechter Siegeszug endet leider viel zu schnell. Danke und gute Nacht.

Dropkick Murphys

Danke RELOAD FESTIVAL 2015 für diese beiden großartigen Tage. Auch wenn nicht jede Band nach meinem persönlichen Geschmack war, aber was zählt, ist das Ganze und das hat absolut gestimmt.
Man sieht sich 2016!


Text & Fotos: Marco Zimmer