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Konzert: SATYRICON - 24.04.2015 - Hamburg

Location: Markthalle
Support: Vredehammer, Oslo Faenskap


Gegen Ende ihrer "The Dawn Of A New Age"-Tour machen Satyricon auch in Hamburg halt, was zusammen mit der Tatsache, dass ich die Norweger das letzte mal vor elf Jahren gesehen habe, ein mehr als guter Grund ist, an diesem sonnigen Freitag gen Markthalle aufzubrechen

Ich glaube, OSLO FAENSKAP spielen nur deshalb auf dieser Tour, weil sie aus Norwegen kommen. Das ist nämlich auch schon die einzige Gemeinsamkeit mit Vredehammer und Satyricon, denn musikalisch fällt die Truppe heute etwas aus dem Rahmen. Die Begeisterung für - mal vorsichtig ausgedrückt - "modernen Metal", mit Breakdowns und Metalcore-Growls hält sich im Publikum jedenfalls arg in Grenzen. Dennoch füllt sich die Markthalle zusehends, was ich aber mal auf die allgemeine Lust auf Live-Musik schiebe. Die Band ist stets bemüht und macht ihre Sache zweifelsfrei sehr ordentlich, aber selbst ein Ausflug von Sänger Lars Daniel Vestli und einem der Gitarristen ins Publikum, täuscht nicht darüber hinweg, dass Oslo Faenskap hier und heute arg deplatziert wirken.

Oslo Faenskap

Bei VREDEHAMMER sieht das schon wieder alles ganz anders aus. Hier bekommt das Publikum (endlich) Black Metal auf die Ohren. Ohne Corpsepaint und ohne Klischees, aber auch nicht die räudige Variante, sondern die eher gefällige und melodische Form, die viel Wert auf Gitarrensoli legt und auch mal einen Hauch Thrash versprüht. Ich muss zugeben, spannend geht zwar anders, im Publikum scheint man aber hier und da sichtlich Spaß zu haben und da taucht dann sogar eine große Norwegenflagge auf. Songs wie "We Are The Sacrifice" oder "Cthulhu" wissen durchaus zu überzeugen und obwohl die Bühnencrew nach der guten halben Stunden bereits mit dem Umbau beginnen will, gibt es tatsächlich noch spontan (?) eine Zugabe, die von einer Hand voll Leute lauthals gefordert wurde.

Vredehammer

Eine dieser Bands, bei denen das Publikum innerhalb von wenigen Takten von 0 auf 100 steil geht, sind SATYRICON. Gleich vom Opener "The Rite Of Our Cross" an, herrscht speziell im vorderen Teil der gut gefüllten, aber nicht ausverkauften Markthalle, der Ausnahmezustand. Satyr versteht es stets, mit seiner Präsenz eine Mischung aus Respekt und Faszination zu versprühen, und Frost knüppelt sich beeindruckend präzise auf seinem riesigen Drumkit durch die Songs. Doch auch die Live-Mannschaft kann überzeugen, allen voran Gitarrist Diogo Bastos (aus Luxemburg), der scheinbar unter Dauerstrom steht. Im Gegensatz zu Keyboarder Jonna Nikula, der offensichtlich nicht so ganz viel zu tun hat und zwischenzeitlich etwas gelangweilt wirkt.
Die Songs sprechen heute natürlich für sich und bieten einen praktisch perfekt ausgewogenen Querschnitt von 1993 bis heute. Besonders gut kommen zum einen die ältesten Titel des Abends an, wie "Filthgrinder", das dieser Tour den Titel gebende "The Dawn Of A New Age", "Walk The Path Of Sorrow" (vom Debütalbum) und natürlich das überragende "Mother North", das den offiziellen Teil beendet. Zum anderen sind es natürlich die Hits, wie "Black Crow On A Tombstone", "The Pentagram Burns", sowie die beiden Zugaben "Fuel For Hatred" und "K.I.N.G.", die das Publikum mit Leichtigkeit an seine Grenzen bringen. Als nur bedingt gelungen, empfinde ich allerdings "Die By My Hand" und "Tro Og Kraft", die beide - passend zum in Kürze erscheinenden Album - in der "Live At The Opera"-Version dargeboten werden. Allerdings wirkt das vom Synthesizer reproduzierte Orchester etwas "dünn" und vor allem wenig authentisch. Gänzlich überflüssig dürfte hingegen wohl der minutenlange "Jam" sein, der "riffs and things for the upcoming album" bietet, aber dessen zusammenhanglose Sound- und Songstückchen nicht nur mich mit der Frage nach dem Sinn zurücklassen.
Natürlich ist das alles Nörgeln auf hohem Niveau, denn bei einer Spielzeit von rund zwei Stunden (wo gibt's denn noch sowas), verzeiht man so manches. Die durchweg mehr als zufriedenen Gesichter im Publikum sind der Beweis dafür, dass dieser Konzertabend eine absolut gelungene Demonstration von schwarzer Kunst auf höchstem Niveau war.

Satyricon

Setlist - Satyricon
Intro
The Rite Of Our Cross
Our World, It Rumbles Tonight
Now, Diabolical
Black Crow On A Tombstone
Filthgrinder
The Dawn Of A New Age
Ageless Northern Spirit
Walk The Path Of Sorrow
A New Enemy
Die By My Hand
Tro Og Kraft
The Pentagram Burns
The Wolfpack
"Jam"
With Ravenous Hunger
Mother North
Fuel For Hatred
K.I.N.G.


Text & Fotos: Marco Zimmer