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Konzert: SKELETAL REMAINS - 01.02.2015

Location: JuZ Phönix, Moormerland
Support: Morfin, Slaughterday


Erinnerungen an den Bolt Thrower-Gig vom letzten September werden wach. Du gehst als Fan auf ein Konzert, doch der Schreiberling in dir (oder vielleicht noch mehr der Fan?) will, dass jeder von diesem Abend erfährt, zumal das JuZ Phönix am heutigen Sonntagabend nicht wirklich gut gefüllt war. Bei einem Eintritts-Obolus von schlanken neun Euro (!) immer wieder verwunderlich. Am exquisiten Death Metal-Angebot kann es unmöglich liegen.

Die Skeletal Remains/Morfin-Tour, die heute ihr vorletztes Europa-Date absolviert, wird in Moormerland zum Familientreffen, da als Opener die Leeraner von SLAUGHTERDAY fungieren - allesamt Bands des Qualitätslabel FDA Rekotz. Fronter Bernd sieht es noch familiärer und sinniert über "viele bekannte Gesichter, die man noch aus Zeiten kennt, als man noch keinen Führerschein hatte" und dass er nun hier als "Death Metal Opa" auf der Bühne steht. So alt bist du nun auch nicht … man mag ihren Sound für "alt" halten, aber ihr gut abgehangener Death Metal irgendwo zwischen uraltem Schwedentod und viel Autopsy kommt gut an und lässt sogar Platz für kleine "Späßchen" wie das "Raining Blood"-Gedächtnis-Ende von "Ravenous". Klasse!

Die LA-Boys von MORFIN kann man als die Stiefbrüder des Headliners ansehen. Fast dieselbe musikalische Basis, eine ähnliche Optik auf der Bühne und Hauptsache, die Matte schwingt unentwegt. Die Songs ihres Debüts "Inoculation" rechtfertigen den Beifall der Anwesenden und irgendwie wirken die Jungs manchmal sogar naiv stur, wenn Fronter Jesus Romero als Einziger des Abends den Drumriser zum Posen und Solieren in Beschlag nimmt und man sogar das kurze Bass-Solo "Primordial" ins Set einbaut. Ansonsten bekommt man die alte US-Death Metal-Schule, dass es einem wie eine Zeitreise vorkommt.

Diese wird danach von SKELETAL REMAINS gekonnt weitergeführt. Nur leider spielen die Anwesenden da nicht so ganz mit, denn Aktion im Publikum und brandenden Beifall gibt es nicht wirklich. Vielleicht fühlt sich für mich auch deswegen das Set irgendwie dezent routiniert an. An Death Metal Geschossen wie "Sub-Zero Termination" oder "Extirpated Vitality" kann es nicht liegen, denn sie versprühen wie auf CD den großartigen Charme, den alle Verehrer von alten Death-, Morgoth- und vor allem Pestilence-Scheiben so sehr lieben. Auch neues Material schlägt in diese Kerbe, während mir ein Song auffällt, in dessen Chorus die Jungs ziemlich frech Richtung "Spiritual Healing" schielen. Aber irgendwie auch klasse. Mit neuem Drummer klingt die Chose noch etwas mehr auf den Punkt (wozu jeder seine eigene Meinung hat) und vielleicht ist heute einfach auch ein wenig die Luft raus, denn erfolgreich war die Tour bis jetzt bestimmt. Skeletal Remains haben nämlich nicht einen einzigen Artikel Merchandise mehr vorzuweisen. Uff!

Text: Siegfried Wehkamp