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Festival: BERLIN SWAMP FEST - 17.-20.09.2015

Es ist Donnerstag der 17. September 2015 und heute startet das Berlin Swamp Fest mit seiner zweiten Auflage. Für 35 Euro (Vorverkauf) bekommt man hier von Thrash über Grind und Death, bis hin zu Stoner und Sludge alles geboten, was das Metalherz begehrt. Zudem stellen mehrere Künstler in Galerieräumen aus und es gibt ein kleines Kino, in dem Musikvideos und Kurzfilme gezeigt werden. Die Location ist das "Zukunft" am Ostkreuz, wo es auch schon letztes Jahr stattgefunden hat und auch das "Setalight" dieses Jahr in die dritte Runde geht. Die Location ist perfekt für solche Festivals in dieser Größenordnung. Fünf Minuten bis zum Bahnhof, mehrere Bühnen, die man bespielen kann, großzügige Bar drinnen, schöner Biergarten draußen, mehrere anhängende Räume, die man nutzen kann. Beim Swamp Fest gibt's eine kleine Bühne im Keller (Tiefgrund), eine kleine Bühne draußen und eine große Bühne im "Theatersaal". Dann geht's mal los. Ich freu mich riesig!

Der Donnerstag startet mit POTWHALE eine instrumentale Stoner-Psych-Doom-Kapelle, die im Theatersaal gut vorlegt. Die dreier Combo aus Berlin hat schon in der ersten Version des Swamp Fests überzeugt und wurde gleich wieder eingeladen. Sie spielen ziemlich lange Stücke, die teilweise um die zehn Minuten lang sind. "Transcendental Space Metal" wird es selber genannt und kann es, glaube ich, ganz gut beschreiben. Rein instrumental wird man auf lange Reisen mitgenommen. Das war ein super Festival Opener.

Potwhale

Danach geht's für mich weiter in den Keller. Da spielen RÖADKYLL, die ich zwar noch nicht kennen, aber sie sollen für groovende Panterafans ganz interessant sein. Das stimmt auch! Die Band gibt's noch nicht allzu lang und sie grooven trotzdem schon zusammen, was das Zeug hält. Vor allem hat man auf der Keller-"Bühne" mit guten 3 x 3 Metern kaum Platz, aber Röadkyll nutzen was sie haben und gehen richtig ab. Der Bassist schwingt die Haare durch die Luft. Zum drummen wird der ganze Körper benutzt und so auf das Schlagzeug geprügelt. Wie können Berliner nur so ein Southern Feeling rüberbringen? Technisch und vom Sound gut, aber die Ausstrahlung und der Spaß, den die Jungs von der Bühne in die Menge tragen, bekommt eine Eins mit Sternchen. Das ist eine Neuentdeckung, bei der ich mich auf weitere Shows freue!

Röadkyll

Zwischendurch kann man sich mal schön in den Biergarten setzten und ein Glas "Goldene Zukunft" (ja, hier gibt's auch selbstgebrautes Bier) genießen. Als nächstes startet die erste internationale Band. SPEEDTRAP aus Finnland wollen die Bude mit ihrem Rock'n'Roll à la Motörhead und Peter Pan Speedrock abreißen. Nicht nur, dass das 2007 gegründete Quintett hier ordentlich Abwechslung rein bringt, sie schaffen es auch, dass nicht wenige Leute in der Theaterhalle das Tanzbein schwingen und die Mähne wedeln. Das macht richtig Laune. Sänger Jori schreit ordentlich zum groovenden Sound und zeigt auch noch eine dicke Bühnenpräsenz. Die Jungs aus Helsinki machen ordentlich Spaß, das sieht man auf und vor der Bühne.

Speedtrap

Als Letztes am Donnerstagabend gibt es Brutal Utta Utta Grind aus den tiefen Berliner Straßen. JEHACKTET (Hochdeutsch: Gehacktes) betreten die Bühne! Das, was man nach dem Hören des Namens erwartet, bekommt man auch geboten. Richtig flotter Grindcore, der zu spaßigen Moshpits einlädt. Da die Einladung keiner ausschlagen kann, geht's auch gut ab vor der Bühne und es entsteht ein schöner Moshpit. Es wird mit Horror-/Splattertexten und einer gewaltige Schaufel voller Humor überall hin gute Laune verteilt. Mit so einer Dreiercombo kann die nächste Zombie Apokalypse kommen. Die machen live immer wieder Spaß. Und technisch haben die Jungs auch noch einigen anderen Grind-Kapellen was voraus. Es gibt immer wieder schöne Riffs und Bezüge zum Death Metal.

Jehacktet

Der Freitag beginnt für mich mit SAMAVAYO, einer Berliner Stoner-Rockband, die ich schon das eine oder andere Mal sehen durfte und ich mir auch immer wieder gerne anschaue. Die drei Jungs sind mit ihrem 15-jährigen Bandbestehen auch nicht mehr die Jüngsten in der Berliner Szene. Die letzte LP "Soul Inviktus" steht auch schon etwas länger in meinem Plattenschrank und die kann ich auch guten Gewissens weiterempfehlen. Und diese Show soll auch wieder überzeugen. Richtig guter Sound und vor allem sehr gutes Zusammenspiel, was die Drei da leisten. Die Stimme von Sänger und Gitarrist Behrang ist auch im guten Einklang mit dem "fast forward Stoner". So kann der zweite Festival Tag beginnen. Anfang 2016 soll dann auch eine neue Platte rauskommen, die fünfte LP dann. Man darf gespannt sein.

Samavayo

Als nächstes gibt es Psychedelic Heavy Folk 70's Blues von Übersee. JOY aus San Diego/USA geben sich die Ehre. Auch mit nur drei Leuten legen sie einen verdammt guten Sound auf die Ohren. Jetzt kommt Musik zum Augen schließen und mit dem Einhorn durch die Wälder reiten. Hier wird richtig gekonnt Blues mit Psychedelic gemischt und es entsteht ein sehr verspielter moderner Sound mit dickem 70's Touch. Lange Gitarrensoli gefolgt von kurzen Gesangparts. Zu hören gibt's den "a spaced-out sonic groove-ride" auf ihrer LP "Under The Spell".

Joy

Jetzt geht's nach draußen, auf der Bühne im Garten spielen PYRIOR auf. Draußen spielen die etwas ruhigeren Bands, es gibt ein paar Bierbänke zum Sitzen und mit Lichterketten an den Bäumen ergibt das eine gemütliche Atmosphäre. Das Trio gibt "orbitual riff rock" zum Besten. Die rein instrumentalen Berliner lassen sich in die Schiene von Rotor einbringen. Pyrior sind 2008 aus eigentlichen Jam-Sessions in Berlin entstanden und haben mittlerweile schon zwei LPs und zwei EPs draußen. Ihren psychedelischen Stoner bringen sie auf hohem Niveau mit echt gutem Sound rüber. Ganz angenehme Musik für den chilligen Garten, man kann sich mal ein wenig ausruhen vom Fest und nebenbei noch schöne Musik hören. Obwohl das ruhige Flair einige Leute nicht davon abhält, vor der Bühne abzugehen.

Der Hunger plagt. Also gibt's erst mal was zu Essen. Mit einem indischen Essenswagen ist auch für das leibliche Wohl gesorgt. Diese Stärkung war jetzt auch bitter nötig, denn jetzt kommen NECROMORPH mit feinstem Grind daher. Die Berliner haben sich 1995 gegründet und gehören somit schon zu den älteren Bands, die hier beim Swamp Fest auf der Bühne stehen. Das ist auch ein Grindcore, der nicht nur schnelles, einfaches Gedrämmel ist, hier hört man auch eine Menge Death Metal-Einflüsse und zudem noch leicht progressive Songstrukturen heraus. Also Grindcore von der etwas komplexeren Variante. Mit fünf Leuten auf der Bühne werden jetzt auch mal die ganzen Trios abgelöst und es geht steil nach vorne. Es wird sich auch gleich wieder ordentlich bewegt vor der Bühne. Ich kannte die Jungs, zu meiner Schande, vorher nicht. Bin aber schnell voll überzeugt. Das ist Grind, wie er richtig Laune macht, aber auch nicht nach zehn gleich klingenden Songs langweilig wird. Super Show!

Necromorph

Mittlerweile ist es schon nach 1 Uhr und man darf sich auf die letzte Band des Abends freuen. Die Polen BELZEBONG mit ihrem extrem langsamen Sludge spielen auf. Die gab es schon vor gar nicht so langer Zeit in Berlin zu sehen, habe ich aber leider verpasst. Deswegen freue ich mich umso mehr, dass sie zum Swamp Fest eingeladen wurden. Die wohl langsamste Band, die ich kenne, mit richtig tiefem Sound. Es gibt ganz viel Rauch auf der Bühne und ganz wenig Licht. Das macht die Atmosphäre zum Sound ziemlich geil. So langsam wie die schweren doomigen Riffs geschlagen werden, so langsam findet auch das Headbangen statt und selbst um 2 Uhr ist der Theatersal noch voll bis zum Ende. Die haben hier auf jeden Fall ihre Fancrowd. Belzebong haben zwei Gitarristen, einen Bassisten und einen Drummer, gesungen wird nicht. Zwei LPs haben sie bis jetzt veröffentlicht. Das gibt nochmal einen richtig düsteren Ausklang zum Freitag. Was ein Fest!

Belzebong

Der Samstag beginnt für mich mit einem richtig interessanten Newcomer aus Berlin. THESE HANDS CONSPIRE aka THC. Die Fünf, die ich teilweise schon aus anderen Bands kenne, (Drummer Sascha von Sonic Booze Machine, Gitarrist Tom ehemals Post War Perdition), machen richtig geilen 70iger gemixt mit 80iger Metal. Die Jungs haben sich leicht verspätet wegen einer Autopanne und müssen somit noch schnell den Soundcheck machen. Alleine dabei haben sie schon Spaß auf der Bühne. Der Spaß geht dann auch gleich weiter beim Konzert, was die Leute vor der Bühne auch mitbekommen und recht früh schon gleich gut abgehen. Nach jedem Song wird gepfiffen und geklatscht. Also in Berlin haben sie auf jeden Fall schon eine dicke Crowd. Sie durften auch zuletzt schon einmal vor Voivod und einmal vor The Sword spielen. Instrumental sehr sauber, fette Drums, groovige Riffs und Sänger Felix hat auch eine richtig gute Stimme. Innerhalb von einem Jahr hab ich sie jetzt drei Mal gesehen und sie haben immer wieder überzeugt. Da freut man sich auf mehr. Das Debütalbum gibt's aktuell noch kostenlos zum Runterladen und bald auch als Vinyl.

Theses Hands Conspire

Als nächstes wird's wild. BOILER aus Stuttgart bringen Grindcore, wie er im Buche steht (oder auf dem Toilettenpapier), auf die Bühne. Ein Schlagzeuggedremmel, was zum Ausrasten gedacht ist. Es gibt Konfetti, Luftballons und Wasserbälle, die durch die Luft fliegen und einen spaßigen Moshpit erzeugen. Das ist Musik, die ich nicht wirklich oft von der Platte höre, aber live immer wieder Laune macht. Die Drei knüppeln, was das Zeug hält. Es gibt auch nur Schlagzeug, Gitarre und den Sänger. Einen Bass braucht man ja eh nicht. Zwischendurch gab's aber mal einen Bassspieler. Sie sorgen jetzt auch schon seit fast zehn Jahren für Krach. Das war wohl die lustigste Show des Fests.

Boiler

Danach geht's immer noch im Theatersaal für mich weiter mit ANDROID EMPIRE. Auch eine rein instrumentale Band. Die gibt's auch schon seit 2004 und sie hat teilweise Mitglieder aus Rotor. Die vier Berliner, zwei an der Gitarre, einer am Bass und einer am Schlagzeug, machen ziemlich hochwertigen Stoner/Rock/Doom, der teilweise zu einem sehr tiefen Sound und sehr basslastig werden kann. Zudem ist es auch sehr abwechslungsreich und geht ab und zu in die progressive Richtung. Die gefallen mir bald von den ganzen rein instrumentalen Bands am besten an diesem Wochenende. Ich hab sie vor ca. zwei Jahren schon mal gesehen und sie blieben mir ziemlich gut in Erinnerung, das hat sich auch wieder bestätigt.

Android Empire

Jetzt mach ich erst mal wieder eine etwas längere Pause (Cliteater aus den Niederlanden spielen gerade) und setze mich in den schönen Biergarten, check mal die Merchstände aus und finde auch was Schönes. Zur Galerie schaff ich es auch mal, in der verschiedene Künstler ausstellen. Von Fotos über Collagen, bis hin zu Illustrationen.
Dann, wieder gut ausgeruht, geht es zu NIGHTSLUG, einer dreiköpfigen Sludgeband. Die hab ich vorher auch noch nicht gesehen aber gefallen mir schon echt gut. Ich würde bald sagen, für mich die coolste Sludge Band auf dem Fest (Voltron haben auch noch an dem Tag gespielt, die auch sehr gut sind, ich aber leider verpasst habe). Ich kann kaum glauben, dass sich Nightslug erst 2011 gegründet haben, weil die Düsseldorfer schon gut abgehen. Ich muss mir auf jeden Fall das erst im Juni erschiene Album "Loathe" holen. Das dröhnt gut in der Bauchgegend und beansprucht nochmal die Nackenmuskeln ordentlich.

Nightslug

Als Letztes am Abend kommen die Berliner Thrash Metal Helden REACTORY. Erst 2010 gegründet, zählen sie zu den jungen unter den Thrash Bands, stehen denen aber musikalisch in nichts nach. Richtig flotter Trhash Metal in your Face. Was als letzte Band des Abends und auch des eigentlichen Festivals (Sonntag gibt's mit zwei Bands noch einen "Afterburner") nochmal ordentlich Stimmung rein bringt. Ihr letztes Jahr erschienenes Debütalbum "High On Radiation" ist auf jeden Fall einen Kauf wert. Sie sind auch außerhalb von Berlin in der Underground Szene schon kein unbeschriebenes Blatt mehr. Und auch als einzige Thrash Metal Band des Festivals eine schöne Abwechslung.

Reactory

Am Sonntag gibt es noch das Swamp Fest Afterburner mit Vidunder und Hypnos, was ich aber nicht schaffe. Arbeit ruft. Das war dieses Jahr mal wieder ein sehr gelungenes DYI Festival. An dieser Stelle vielen Dank an Swamp Conspiracy für das Veranstalten dieses schönen Festes und an die super Location vom "Zukunft" am Ostkreuz, die zudem prima drei Bars bedient haben, so dass es da so gut wie nie Engpässe gab. Ich würde sagen, es war dieses Jahr auch voller als letztes Jahr, also scheint es auch bei mehreren gut anzukommen. Für mich war nur der einzige Makel, dass es durch die vielen Bands (was allerdings einen super Mix zur Folge hat) zu einigen Überschneidungen kam oder es teilweise etwas stressig war. Kann aber auch daran liegen, dass ich immer zu viel sehen will. Alles in Allem ein sehr sympathisches Festival.


Text & Fotos: Jörg Kandziora
kandziora-photo.de