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Konzert: THE MELVINS - 24.09.2015 - Berlin

Location: Berghain


The Melvins im Berghain. Auf das Konzert freue ich mich schon besonders lange, da ich die letzten beiden Male, als ich The Melvins in Berlin sehen wollte, es nicht geschafft habe. Zudem soll der eigentliche Techno Club Berghain - der ab und zu auch Konzerte gibt - einen extrem guten Sound haben. Perfekt für eine Bands wie The Melvins, die schon seit ein paar Jahren mit zwei Drummern unterwegs ist. Das Konzert ist schon seit Wochen ausverkauft. 28 Euro hat das Ticket im Vorverkauf gekostet. Tatsächlich verkaufen auch noch ein paar Besucher vor dem Konzert für den Preis ein, zwei Tickets. Rein geht's. Oder doch nicht so schnell. Obwohl ich einen Pressepass habe, darf die Kamera nicht mit rein. Ich wusste schon vorher, dass Fotos schießen im eigentlichen Clubbetrieb verboten ist. Dass das aber selbst für die gilt, die das Konzert für die Bands und Fans dokumentieren wollen, naja ...

So geht es ohne Kamera in den Club zur Vorband BIG BUSINESS. Eine zweier Combo, die nur aus Schlagzeug und Bass besteht und auch direkt bei meinem Erscheinen anfangen. Jared Warren und Coady Willis sind neben King Buzzo und Dale auch noch bei The Melvins. Dort dann als zweiter Drummer und Bassist/Backing Vocals. Ich kannte sie allerdings vorher noch nicht wirklich, aber die beiden haben es echt drauf. Die Stimme von Jared Warren ist richtig gut und schallt mit einem sauberen Klang durch die Halle, wow! Zudem kommen die dicken Drums von Coady Willis, die bei dem Sound, den die drauf haben, nochmal besonders stark wirken. Immer wenn er auf die Becken schlägt oder nur stupst, klingt das so glasklar und trotzdem so laut - sowas hab ich von einem Schlagzeug noch nicht gehört. Die ersten Songs machen schon richtig Spaß. Das ist eine Band, die ich mir nicht das letzte Mal angeguckt habe.

Nach nicht allzu langer Pause geht es mit THE MELVINS direkt weiter. Drummer und Bassist können fast gleich auf der Bühne bleiben. Zwei Drummer hab ich das letzte Mal bei Kylesa gesehen. Und hier kommt es mindestens genauso gut. Gerade durch die Akustik hier - es stimmt, der Sound in der Location ist der Hammer, obwohl es teilweise aber zu laut ist - kommen die beiden Schlagzeuge richtig gut. Dieses teilweise parallele und versetzte Einsetzten der beiden Drums ist der Wahnsinn. Und dann ist da der King Buzzo (Buzz Osborne), der mit seinen mittlerweile 50+ Jahren immer noch eine Hammer Stimme hat. Die Gitarre geht ihm auch leicht von der Hand. The Melvins haben es geschafft, weltweit Bands zu beeinflussen und trotzdem nie wirklich bekannt zu werden. So sind sie die wohl legendärste Band im Underground. Ob Künstler wie Phil Anselmo prägend beeinflusst wurden oder ein gewisser Kurt Cobain, der bei The Melvins auch mal die Instrumente schleppen durfte. Nun hat die Band seit 1983 auch schon zig Alben rausgebracht, bei denen ich schon lange nicht mehr hinterherkomme. Das führt dazu, dass ich echt nur eine Handvoll Songs kenne, die gespielt werden, was die Show dennoch sehr geil macht. Am Anfang hätte ich mir gewünscht, dass das komplette Album "Houdini" gespielt wird (war vor zwei Jahren der Fall), jetzt bin ich aber doch ganz froh, dass ich auch in die ganzen neuen Alben so gut reinhören konnte. Gute 80 Minuten wird durch gezockt und das bei richtig fettem, lautem Sound. Was für eine Show!

The Melvins (Foto: Mackie Osborne)

Text: Jörg Kandziora