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Konzert: DER WEG EINER FREIHEIT - 16.03.2016

Bremen, Tower

Support: Harakiri For The Sky, The Great Old Ones


Was für ein amtliches Paket. Drei Bands, die für den "neuen" Black Metal stehen, der sich auch mal "Post" nennen darf und auf sämtliche Klischees weitestgehend verzichtet.
Der Bremer Tower ist heute recht überschaubar. Zwei der drei Theken sind erst gar nicht offen und man erklärt mir im Laufe des Abends, dass die Bremer nun nicht gerade dafür bekannt sind, unter der Woche massenweise zu Konzerten zu strömen. Wie gut, dass ich Urlaub habe und mich der heutige Wochentag - ein Mittwoch - wenig interessiert.

Etwas mehr Interesse zeigt das Publikum - schätzungsweise 100 Nasen, mehr sind's wohl nicht - am französischen Opener THE GREAT OLD ONES, von denen man allerdings auch nicht wirklich allzu viel sieht. Die Nebelmaschine läuft auf Hochtouren, Strobos und anderes Licht flackert von hinten unaufhörlich ins Publikum und schwarze Kapuzen tragen die Herrschaften ebenfalls. Musikalisch passt das Gebotene jedenfalls perfekt zum heutigen Abend. Die Basis ist Black/Dark/Extreme Metal mit gelegentlichen atmosphärischen Ambient-Parts, sowie auch mal Doom- und Shoegaze-Anleihen. Insgesamt ein gelungener Auftakt und zudem ein intensives und teils recht harrsches Erlebnis, das mit ordentlichem Applaus wohlwollend gewürdigt wird.

HARAKIRI FOR THE SKY spielen nicht nur an zweiter Stelle, sondern scheinen heute auch den zweiten Platz bei den Bandshirts im Publikum zu belegen. Mir war gar nicht bewusst, dass die Österreicher doch schon eine scheinbar recht beachtliche Fanbase haben. Das letzte Album "Aokigahara" (auch schon wieder gut zwei Jahre alt), liegt mir noch halbwegs im Ohr, so dass ich das eine oder andere wiedererkenne. Bei überlangen Songs, unzähligen Breaks und Wendungen, sowie manchmal fließenden Übergängen, gar nicht mal so einfach. Was ich am Sound der Ösis besonders mag, ist diese cleane Gitarre, die einfach geniale Melodien hervorzaubert. Ein klasse Auftritt, der - wie schon zuvor bei The Great Old Ones - mit knapp 45 Minuten eine vernünftige Spielzeit hat, auch wenn Sänger J.J. auf der zugegeben recht kleinen Bühne mitunter etwas unbeholfen wirkt.

Was danach kommt, ist schwarze Kunst. Punkt. Trotz minimalistischer, bis gar keine Ansagen, passen gerade mal acht Songs in die folgenden 70 Minuten. DER WEG EINER FREIHEIT zelebrieren vom ersten Takt an eine schwarzmetallische Reise in die tiefsten Abgründe der Seele. Nach der letztjährigen Hitzeschlacht auf dem Vainstream Festival, kann ich die Band heute also mal in aller Ruhe (und Kühle) genießen. Doch allzu viel Ruhe gibt es trotz Titel wie "Der stille Fluss" nur vereinzelt. Gitarrist, Fronter und Bandkopf Nikita Kamprad - ganz stilsicher mit Dissection-Shirt - scheint als unfreiwilliger Zeremonienmeister das Publikum vollends im Griff zu haben - ganz ohne Schminke, Kerzen oder sonstigem Unsinn auf der Bühne. Die großartigen Songs stehen für sich und ziehen das Publikum tief in ihren Bann. Alleine die absolute, fast schon hypnotisch wirkende Totenstille im Publikum beim Klavieroutro von "Repulsion", jagt mir jetzt noch einen Gänsehautschauer über den Rücken.
Drummer Tobias Schuler knüppelt eindrucksvoll alles in Grund und Boden und die Saitenfraktion trägt ihr übriges dazu bei. Eine Zugabe ist scheinbar gar nicht geplant und so ist nach dem überragenden "Requiem" dann auch schlagartig Feierabend. Schaut man in die zufriedenen Gesichter und hört im Anschluss an der Theke noch solche Aussagen wie "Alter, war das geil!", dann haben Der Weg Einer Freiheit heute wohl alles richtig gemacht.

Der Weg Einer Freiheit

Setlist - Der Weg Einer Freiheit
Eiswanderer
Der stille Fluss
Zum Abschied
Zeichen
Posthum
Vergängnis
Repulsion
Requiem


Text & Foto: Marco Zimmer