Impressum Startseite
Reviews Interviews Live Specials Jobs

Konzert: GHOST - 21.02.2016 - Bremen

Location: Schlachthof
Support: Dead Soul


Gerade mal fünf Deutschland-Termine umfasst die aktuelle "Black To The Future"-Tour der frischgebackenen Grammy-Gewinner Ghost ("Best Metal Performance"). An einem Sonntag Abend steht der Tourabschluss im Schlachthof in Bremen an. Natürlich ein Pflichttermin, versteht sich.


Schonmal was von "Dark Electronic Doom Blues in Symbiosis with Industrial Rage" gehört? Nein? Zumindest ist das (scheinbar) die Musik, die DEAD SOUL spielen. Das Duo, live immerhin zu Dritt, kommt lediglich mit einem Sänger und zwei Gitarristen aus, die nebenbei auch noch irgendwelche Effektgeräte bedienen. Alles andere kommt vom Band - inklusive der Drums. Wobei man zugeben muss, dass diese dafür dann doch noch relativ authentisch klingen. Musikalisch gibt's einen mehr oder weniger interessanten Mix, der nicht selten an eine mitunter ziemlich gitarrenlastige und druckvolle Mischung aus Sisters Of Mercy, Nick Cave, Nine Inch Nails und sogar etwas Johnny Cash erinnert und immer wieder mal in doomige Gefilde abdriftet. Ob man das nun spannend und/oder spektakulär finden muss, bleibt wie immer jedem selbst überlassen. Das Publikum im bestens gefüllten Bremer Schlachthof scheint in der guten halben Stunde jedenfalls mit jedem weiteren Song mehr Gefallen an der Band zu finden. Ein durchaus gelungener Auftakt in den Abend.

Dead Soul

Nun ist es endlich soweit. Mein drittes GHOST-Konzert - mit neuem, dritten Album und dem bereits dritten Sänger ... also quasi "333 = half evil" ... oder so ähnlich.
Nachdem man bereits vor Beginn des Gigs minutenlang mit irgendeiner Art kirchlicher (?) Musik auf das nun Folgende "vorbereitet" wurde und auch das relativ lang erscheinende Intro eher noch beruhigend wird, ist die Anspannung und Vorfreude unter den fast 1000 Zuschauern förmlich spürbar. Als dann die fünf "Nameless Ghouls", gefolgt von Sänger Papa Emeritus III. die Bühne betreten, beginnt ein Ausnahmezustand, den ich erstens so und dieser Form nun nicht unbedingt erwartet hätte, zumal Ghost eigentlich keine Party-Musik zum Feiern machen, und der zweitens auch die gesamten 100 Minuten dieses Gigs über anhält.
Der Abend wird, genau wie das aktuelle Erfolgsalbum "Meliora", vom Doppel "Spirit"/"From The Pinnacle To The Pit" eröffnet. Ohnehin wird das aktuelle Album fast komplett gespielt - erstaunlich, dass trotzdem noch genug Platz für so einige Titel der ersten beiden Alben bleibt.
Die faszinierend-hypnotisierende Stimme von Papa Emeritus III. (der seine Papstmütze/Mitra nach einigen Songs ablegt), hält einen durchgehend in ihrem Bann gefangen. Doch bei aller Mystik bleibt auch genug Zeit für diverse Scherze und sympathisch-lustige Anekdoten. Da darf zwischen den Songs auch mal über "typisch deutsches Essen" (Kartoffeln) diskutiert werden. Und selbst die bevorstehenden Konzerte als Support von Iron Maiden haben bereits jetzt schon ihre Spuren hinterlassen: Auf ein forderndes "Scream for me, Bremen!" steigt natürlich jeder im Publikum bereitwillig ein.
Positiv fällt auf, dass die Gitarren so tief gestimmt sind, dass einiges Songs - nicht nur das überragende "Cirice" - fast schon Rammstein-artig grooven. Im weiteren Verlauf darf sich die erste Reihe noch darüber freuen, dass zwei "Nonnen" Oblaten verteilen und jeder einen Schluck Wein (?) aus einem Kelch genießen darf. Nach dem fantastisch-gefühlvollen "He Is" und dem starken "Mummy Dust" gibt es eine kurze Unterbrechung. Es werden Kerzenständer auf die Bühne gebracht und kurz darauf geht es akustisch mit der Coverversion "If You Have Ghosts" weiter, in der Papa Emeritus III. zwischendurch minutenlang kleine Geschichten erzählt - wieder sehr zur Erheiterung des Publikums.
Nachdem der offizielle Teil mit "Ritual" beeindruckend beendet wird, lässt sich die Band noch zu einer einzigen Zugabe hinreißen. Der letzte Song wird angekündigt mit den Worten: "Tonight we will celebrate the female orgasm!" - unter tosendem Applaus entlässt das folgende "Monstrance Clock" die Besucher in die regnerische Nacht.
Ohne Wenn und Aber: Eins der besten Konzerte seit zig Monaten - und ich bin nun wirklich viel unterwegs.

Ghost

Setlist - Ghost
Spirit
From The Pinnacle To The Pit
Stand By Him
Con Clavi Con Dio
Per Aspera Ad Inferi
Body And Blood
Devil Church
Cirice
Year Zero
Spöksonat
He Is
Absolution
Mummy Dust
If You Have Ghosts
Ghuleh/Zombie Queen
Ritual

Monstrance Clock


Text & Fotos: Marco Zimmer