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Konzert: HANSEMOSH - 09.04.2016 - Bremen

Location: Magazinkeller


Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag! Nachdem man in den vergangenen Jahren bereits mit Headlinern wie Witchburner, Goregast und Purgatory punkten konnte, war es klar, dass zum fünften Wiegenfest etwas Besonderes passieren muss. Noch klarer war, dass nach der Verpflichtung des Koblenzer Black/Thrash-Originals Desaster auch irgendwann das Wort "ausverkauft" kommen musste. Und es kam. Volle Hütte - gute Laune - Hansemosh Part V kann beginnen!


Durchgestartet wird mit rabiater Kost aus dem heimischen Garten. CARAPAX kommen aus Bremen - so die offizielle Variante. Aber drei blutjunge Black/Thrash-Schergen mit solch imposanten Namen wie "J. C. Thörnspitter", "Goathämmer Hellsmyth" und "Witching Speärbreaker" sind wahrscheinlich aus irgendeinem von Satan's Ausbildungslagern zur Apokalypse entflohen und versuchen sich mal probeweise ohne ihren Chef an der Unterwerfung der Stadt Bremen. Klappt relativ gut, zumindest machen die Drei mächtig Alarm samt dreigeteilter Vocals, völlig unverständlich gebölkter Ansagen und einem latenten Hang zum Bestial Black-Bereich. Als Opener auf jeden Fall ein Garant für frei gepustete Ohren, qualitativ sollte die Ausbildung beim Gehörnten aber bitte noch abgeschlossen werden.

Carapax

Mit GRAVEYARD GHOUL verlagert sich der Grundtenor mal eben komplett zum modrigen Death Metal. Die auf der Bühne zu sehenden Shirts von Autopsy und Aspyhx passen gut (das der Scorpions eher nicht …) und geben Unwissenden einen Wink, was beim Trio aus Westerstede Trumpf ist. Roh, infernalisch, bloß nicht innovativ, aber vor allem echt. Die Herren Disgracer (Gitarre) und Tyrantor (Drums) teilen sich die Vocals, was auch hier für Abwechslung sorgt, während der Tombcrusher am Bass den wilden Watz gibt. Im Vergleich zum Opener darf attestiert werden, dass man Graveyard Ghoul ihre bereits gesammelte Erfahrung durch zwei Longplayer und einer schicken Split mit Cryptic Brood gut anhört. Es soll sogar ein neues Album in Planung sein - ich bitte darum!

Graveyard Ghoul

Der kurze Soundcheck verrät (leider) schon vorab, dass in der Mitte des Abends die Trigger-Attacke platziert wird. Über die technischen Fähigkeiten und optisch sehr wohl sichtbaren Finessen von IRATE ARCHITECT braucht man nicht zu diskutieren und auch das für Tech Death Grind-Verhältnisse eher klassische Grunz/Kreisch-Organ (also keine Mastvieh-Töne) von Fronter Christoph passt ins Gesamtbild. Aber irgendwie hatte der Mischer seine Schwierigkeiten mit dem Sound der Hamburger, denn egal wie (ob nun mit oder ohne Gehörschutz - ich habe es probiert!), die kurz-knackigen Überfallkommandos kommen irgendwie alle gleich rüber - nämlich vom Trigger platt gemacht. Tut mir leid, Jungs.

Irate Architect

Danach wird es finster. Und ich komme nach der verpassten Möglichkeit vom Hell over Hammaburg 2015 endlich in den Genuss meiner ersten DROWNED-Show. Das Berliner Trio lässt einfach drei, vier weiße Lampen auf der Bühne spärlich leuchten (Fotos quasi unmöglich), den Rest übernehmen der Trockennebel und ihr eigenwilliger Death Metal. Drei Mann - eine Einheit - ein Rausch! Konventionell ist ihr Material nun nicht gerade, dennoch mächtig genug und qualitativ so stark, dass die Band in der knappen Stunde den Magazinkeller in einen Strudel zieht und ihn fast zu verschlucken droht, wäre da nicht ein Headliner, dem der Todesstoß vorbehalten ist. Mit einem Grinsen muss ich nach diesem intensiven Gig erst mal kräftig Luft holen.

Drowned

Thema - Todesstoß. Vom Mischer höre ich noch über die Monitorboxen "wir können euch leider kein Intro geben, wir haben keinen CD-Player". Es gibt bestimmt einige Bands, die dem Veranstalter dafür den Hals umdrehen würden, DESASTER's Sataniac erwähnt das nur kurz in der Ansprache an das Volk, dann heißt es Plug & Play und Bäm! - Triumphzug "Desaster for Bremen" hat begonnen. Und schon beim zweiten Track "Displendour Of The Idols" ist kein Halten mehr vor der Bühne. Die erste Reihe verteidigt den Bühnenrand, während der Rest es sich dem Festivalnamen entsprechend in zahlreichen Pits … äh, gemütlich macht. Bei Desaster indes von "business as usual" zu sprechen, dürfte das größte Kompliment sein, welches man der Band machen kann. Speziell Gitarrist Infernal (mit seiner megageilen, neuen Axt!) fusioniert fast mit der ersten Reihe und pusht sich mit den Fans, sowie seinen Bandkollegen von Song zu Song hoch. Vom just am Vortag erschienenen neuen Album "The Oath Of The Iron Ritual" gibt es natürlich auch Kostproben, wobei mir spontan "Proclamation In Shadows" mit seiner dunkelschwarzen Note im Ohr hängen bleibt. Ohne "Teutonic Steel" und "Metalized Blood" läuft natürlich gar nichts, aber auch die aktuelleren Sachen, wie das monströse "Satan's Soldiers Syndicate" strecken jedes Mal jeden Gegner nieder. Ob es ein Geburtstagsgeschenk für die Veranstalter ist, entzieht sich meiner Kenntnis, aber als Zugabe noch Venom's "Countess Bathory" (zugegeben etwas arg zügig) rauszuhauen, macht den Sack natürlich endgültig zu. Todesstoß eben.

Desaster

Da hat sich das Hansemosh eine ziemlich harte Vorgabe geliefert. Bin mal gespannt, was die Bremer für das nächste Jahr aus dem Hut zaubern.
Einen Verbesserungsvorschlag hätte ich aber. Dringend mal zwei Securities am Bühnenrand postieren. Dass bei Desaster die Stagediver fliegen, ist klar. Und die Band findet das ja auch klasse, solange nichts zu Bruch geht. Aber der junge Mann, der zwischendurch kopfüber gegangen ist, tat mir leid. Der blieb im Treiben wirklich drei, vier Sekunden liegen. Schnell wurde ihm wieder aufgeholfen und durch Adrenalin (Desaster), Endorphine (ebenfalls Desaster) bzw. einen sichtbar höheren Alkoholpegel (humane Preise!) "unterstützt", feierte er auch munter weiter. Ob er aber der Grund für die blutverschmierte Hand eines weiteren Akteurs vor der Bühne ist oder das anderweitig passierte, war nicht zu erkennen. Da wären ein paar wachsame Augen mehr hilfreich!
Ansonsten - herzlichen Glückwunsch noch mal und weiter so!


Text & Fotos: Siegfried Wehkamp