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Konzert: HELLFIRE FEST - 19.08.2016 - Berlin

Location: SO36
Bands: Napalm Death, Iron Reagan, Hammercult, Deathrite


Im SO36 gibt es heute mal wieder derbe auf die Mütze. Mit der dritten Version des Hellfire Fest wird wieder ordentlich aufgetischt. Grind, Death and Thrash ist die Devise. Vier Bands aus vier verschiedenen Ländern bedienen heute die Pits. Napalm Death und Konsorten gibt es für 22 Euro sogar noch an der Abendkasse.


Den Anfang machen DEATHRITE. Die Jungs aus Dresden und Leipzig haben sich hier in der Szene schon einen ganz guten Namen gemacht. So spielen sie auch nicht zum ersten Mal als Support für Napalm Death. Es beginnt pünktlich um 20 Uhr und der Raum ist noch nicht allzu voll. Das werden definitiv einige bereuen. Deathrite haben es verstanden, nicht nur geile Mucke zu machen, sondern auch eine super Livepräsenz zu bieten. Nachdem ich sie zum ersten Mal vor drei oder vier Jahren gesehen habe, hat sich die noch relativ junge Band extrem nach vorne entwickelt. Schleppender, böser, düsterer Death Metal, der ins Mark geht. Deathrite haben aber noch genug Punk und Grind zum ordentlichen Ausrasten mit dabei. Nach viel zur kurzen 25 Minuten ist die Show leider auch schon wieder vorbei.

Deathrite

Und nochmal kommt so eine Band, die sich den Arsch in letzter Zeit abtourt (obwohl davon alle im heutigen Line Up nicht weit weg sind). Die Jungs von HAMMERCULT aus Israel, deren Wahlheimat aber mittlerweile Berlin ist, wissen, wie man schön 80er Jahre Thrash mit dem heutigen Thrash mischt. So gibt es einige Stellen mit schön hoher oldschool Stimme, aber nicht zu viele, dass es anstrengend wird. Eine super Bühnenpräsenz liefern die Jungs auch ab und fangen an, das bisher noch träge Publikum zu animieren. Sonst gibt's auch alles, was eine Thrash Band braucht, ordentliches Geprügel auf die Trommeln, flotte Riffs und immer wieder schöne Soli.

Hammercult

Nun ist der Laden bis hinten voll. Der Merch-Stand ist gecheckt ... einige schöne Sachen dabei ...
Und IRON REAGAN kommen auf die Bühne. Vor kurzem habe ich erst Municipal Waste gesehen und habe nun das Glück, in so kurzer Spanne gleich den kleinen Bruder zu sehen. Denn egal in welcher Combo, die Jungs machen Live einen riesigen Spaß! Schon wenn man sieht, wie die Jungs Spaß auf der Bühne haben, bekommt man ein fettes Grinsen im Gesicht. Sänger Tony Foresta hat einfach eine extreme Ausstrahlung für die Kombination aus Thrash, Hardcore und Punk. Auch Drummer Ryan Parrish kommt dabei aus dem Grinsen nicht raus. Die Jungs beanspruchen die ganze Bühne für sich und nach jedem der sehr kurzen Songs, gibt's 'nen lustigen Spruch, nach dem es dann sofort wieder in gewohnter Geschwindigkeit weiter geht, ohne einmal lahm oder langsam zu werden. Genau das haben auch die Fans längst begriffen und es entwickelt sich ein durchgängig flotter Pit. Auch Barney von Napalm Death kommt für einen Song auf die Bühne und rastet ordentlich mit aus. Was für eine geile Show!

Iron Reagan

Nach dieser mehr als geilen "Aufwärmung" - ich bin schon gut geplättet - kommen dann die Helden des Abends. NAPALM DEATH haben mich live, soweit ich weiß, noch nie wirklich enttäuscht. Ein- bis zweimal war glaube ich der Sound relativ matschig, aber dieses Mal ist es einfach wieder so derbe geil. Es wird wieder direkt mit dem schönen Intro von der aktuellen Platte "Apex Predator" angefangen, was zugleich auch das letzte ruhige Stück des Abends sein soll. Ab jetzt wird nur im höchsten Niveau geknüppelt. Barney rennt gewohnt von einer Ecke in die andere und geht in seinem einzigartigen Stil derbe ab. So sieht es durchweg auch vor der Bühne aus und eben auch auf der Bühne. Denn wenn es bei Napalm Death keinen Fotograben gibt, gibt es auch dutzende Stagedives von den "älteren" Zuschauern. Die Songauswahl, bei der wohl über zehn Alben vertreten sind, ist sehr geil. Auch wenn ein Großteil aktuelle Sachen sind, ist das aber auch vollkommen berechtigt. Ich weiß nicht, wie die Herren noch so abgehen können, auch Bassist Shane Embury und Drummer Danny Herrera rocken das Ding einfach derbe. Was ist das wieder für ein schöner Abend. Völlig durchgeschwitzt und mit einem riesengroßen Grinsen, nicht nur in meinem Gesicht, gibt es nochmal ein Bier zum abschließenden Resümieren.

Napalm Death

Text & Fotos: Jörg Kandziora
kandziora-photo.de