Impressum Startseite
Reviews Interviews Live Specials Jobs

Festival: PARTY.SAN METAL OPEN AIR 2016

11. bis 13. August, Flugplatz Obermehler/Schlotheim


Kaum zu glauben, aber wahr: Es ist tatsächlich das erste Mal, dass mega-metal.de das Party.San Open Air besucht. Die Frage, woran diese Abwesenheit in den letzten Jahren genau lag, lässt sich nicht wirklich beantworten. Belassen wir es also einfach dabei, geloben Besserung, was die nächsten Jahre angeht und freuen uns auf drei Tage voll mit exquisiten Bands.

Auch wenn ich in diesen drei Tagen alles andere als alleine unterwegs war, aber ich berichte im Nachfolgenden ganz alleine von diesem feinen Festival. Natürlich kann und will ich nicht ausnahmslos jede Band sehen. Dass ich letztendlich aber doch noch auf immerhin 27 Bands gekommen bin, finde ich durchaus ganz ordentlich ...

Donnerstag, 11. August 2016

Nachdem der Mittwoch ausschließlich zum "erstmal Ankommen" diente, startet das musikalische Programm für mich am frühen Donnerstag Abend mit GRUESOME, die heute immerhin ihren ersten Deutschland-Auftritt absolvieren. Wo andere Bands oftmals nur wie eine Kopie klingen, schafft es die Truppe um Exhumed-Fronter Matt Harvey anscheinend mit einer spielerischen Leichtigkeit, ihre Vorliebe für DEATH völlig glaubhaft zu zelebrieren, und dabei stets jeglichen eventuellen Plagiatsvorwürfen den Wind aus den Segeln zu nehmen. Wem nicht schon bei solchen Nackenbrechern wie "Forces Of Death" oder "Hideous" schwindelig wird, der erhält spätestens mit dem DEATH-Cover "Open Casket" den finalen Todesstoß.

Gruesome

"Die Sache mit dem Zelt", also der zweiten Bühne, finde ich richtig gut. Wo andere Festivals mit zig Bühnen eher Stress und Hektik verbreiten, lässt sich die Tentstage mit wenigen Schritten bequem erreichen und bietet - um es mal vorwegzunehmen - viele richtig gute Bands. Eine davon kommt aus Spanien, hört auf den Namen GRAVEYARD, hat aber auch bis auf den Namen, mit den bekannteren (und mittlerweile aufgelösten) schwedischen Retro-Rockern nichts gemeinsam. Spätestens mit ihrem erst kürzlich erschienenen dritten Album "...For Thine Is the Darkness" ist man wohl endgültig weit oben im Death Metal-Underground angekommen, gibt sich absolut spielfreudig, packt mit "The Visitations Of The Great Old Ones" auch mal kurzzeitig den Doom-Hammer aus, während ansonsten aber die rumpelige oldschool Death Metal-Keule umherschwingt.

Nach einer ersten Pause (shoppen, essen, dies & das) stehen PURGATORY ebenfalls auf der Zeltbühne und können sich zudem über ein eben richtig gut gefülltes Zelt freuen. Dabei wirkt die Band äußerst routiniert, was bei über 20 Jahren Bandgeschichte und ihrem mittlerweile fünften PSOA-Auftritt eigentlich auch zu erwarten war. Synchrones Headbangen auf der Bühne, das Publikum frisst Fronter Dreier blind aus der Hand und mit klasse Songs des aktuellen Albums "Omega Void Tribvnal" (u.a. "Chaos.Death.Perdition" und "Codex Anti") beweist das Quartett, dass es im Laufe der Jahre rein gar nichts an brutaler Härte eingebüßt hat. Abwechslung geht zwar anders, aber Laune macht's allemal.

Schnell wieder nach draußen zur Hauptbühne, wo die wirklich beeindruckenden MGŁA ihren nihilistischen, misanthropischen Black Metal zelebrieren, der keinerlei Ansagen zwischen den einzelnen Songs zulässt und diese Dreiviertel Stunde somit noch bedrohlicher erscheinen lässt. Ist das das nächste große Ding im Black Metal? Auch wenn es die Band nun schon ein paar Jahre länger gibt, aber erst seit wenigen Jahren geht's steil bergauf.
Was auf der Bühne zählt, sind nicht bestimmte Personen, sondern das Kunstwerk als Ganzes. Namen interessieren nicht, die zusätzlichen Live-Musiker bleiben distanziert und anonym und dienen nur der Sache - eine nahezu perfekte und unnahbare Black Metal-Show abzuliefern. Bereits nach dem überwältigenden Opener "Further Down The Nest I" steht für mich schon fest, dass den Polen das zweifelsfrei gelungen ist.

Ohne großartige Verschnaufpause geht's mit den Florida-Deathern von OBITUARY weiter, bei denen wohl niemand vor der Bühne steht, in der Hoffnung, gleich in irgendeiner Form überrascht zu werden. Man weiß halt, was man bekommt, und das, was man bekommt, ist im Grunde kritiklos. Nach einigen etwas neueren Stücken zu Beginn, startet irgendwann das "Best Of"-Programm und die Hits (sowie Fäuste und Haare) fliegen einem nur so um die Ohren. Gefühlt scheint heute irgendwie der Schwerpunkt auf der "Cause Of Death"-Scheibe zu liegen - ich weiß gar nicht mehr, wie viele Stücke von diesem Album ich mitgezählt habe. Was die Band, und allen voran Fronter John Tardy so sympathisch macht: Irgendwie klingt's immer noch wie 1989, auch wenn nicht zuletzt der Rausschmeißer "Slowly We Rot" heute wesentlich aggressiver daherkommt.

Auch wenn ich persönlich PARADISE LOST liebe, bin ich nicht der einzige, der sich fragt, ob die Briten als Headliner nicht vielleicht eine Spur zu "soft" sind. Und leider war es vor der Bühne auch schonmal voller - und wird es in den nächsten Tagen auch sein. Vielleicht liegt das aber auch am nasskalten Wetter (ja, wir haben Mitte August und ich laufe mit dicker Jacke und Wollmütze herum). Nichtsdestotrotz besinnen sich Nick Holmes und seine Mannen auf Klassiker wie "As I Die", "Embers Fire" oder "Pity The Sadness", nicht allzu oft gespielten "Gothic"-Nummern wie "Rapture" und "Dead Emotion", und natürlich neueren Hits wie "The Enemy". Ich selber habe an diesem rund einstündigen Headliner-Gig zwar nicht wirklich etwas auszusetzen, sehe aber auch ein, dass der letzte Funke nur bedingt aufs Publikum überspringt.

Paradise Lost

Freitag, 12. August

Morgendliche Temperaturen von 5 Grad, sowie Dauer-Nieselregen und Wind sind nun echt nicht nach meinem Geschmack. Gegen Mittag wird es etwas besser und vom Gelände hört man den Soundcheck von SPASM, den ich durchaus amüsant finde, und deshalb spontan beschließe, mir die tschechischen Goregrinder anzuschauen. Enttäuscht werde ich keineswegs, man muss allerdings offen für diesen "Unsinn" sein. Titel wie "Suck My Dick!", "Gib mir deinen Schwanz" oder der scheinbare Überhit der Band - "Cheiromania (Masturbation - No Pain, No Gain)" - lassen erahnen, dass man hier nichts zu ernst nehmen sollte. Zum Glück habe ich meinen Fotoapparat im Auto gelassen - einen halbnackten, gut beleibten Sänger, nur mit "Borat-Slip" und Nasen-Dildo bekleidet, möchte ich ungerne fotografieren.

Nach dieser vergnüglichen und kurzweiligen Comedy-Einlage kann und darf es dann gerne mit Metal weitergehen. GOATWHORE kommen da wie gerufen. Die US Black/Deather mit Thrash und Sludge-Einlagen, sorgen am frühen Nachmittag endgültig dafür, dass wohl auch die letzte Schnapsleiche aus dem Zelt fallen sollte. Mit Krachern wie "Judgement Of The Bleeding Crown", "Baring Teeth For Revolt" oder "Fucked By Satan" (lecker!) kann man durchaus punkten, auch wenn es im Publikum hier und da nur für zustimmendes Kopfnicken reicht - immerhin.

Im Zelt ist es trocken, windstill und etwas wärmer - doch CRYPTIC BROOD hätte ich mir ohnehin angeschaut. Singende Drummer gibt's es nun nicht allzu viele und der rumpelige oldschool Death Metal des niedersächsischen Trios macht ohnehin mächtig Laune. Hier muss nichts perfekt stimmen und nichts sauber und klar klingen - roh und unverfälscht lautet die Devise, im Zelt wird es zunehmend voller und ich warte übrigens nach wie vor auf das Debütalbum der Band.

Auf meinem Zettelchen, welche Bands ich denn unbedingt sehen muss, steht hinter BÖLZER ein dickes Ausrufezeichen. Und auch wenn man vielleicht bemängeln könnte, dass das Duo KzR und HzR auf der großen Bühne etwas verloren wirkt - zugegeben, im kleinen, dunklen Club funktioniert das Ganze (noch) etwas besser - aber die Schweizer machen eindrucksvoll deutlich, warum sie nach wie vor "ziemlich heißer Scheiß" sind, obwohl gerade mal erst zwei EPs draußen. Doch das Debütalbum scheint nicht mehr lange auf sich warten zu lassen, denn immerhin kommt man heute bereits in den Genuss von zwei neuen Songs: "The Archer" (mit cleanen Vocals!), sowie das kraftvolle "I Am III" - womit auch bereits mehr als ein Drittel der 45 Minuten ausgefüllt sind. Ein Auftritt mit dem Prädikat "besonders wertvoll".

Bölzer

Im Zelt wüten derweil IMPLORE. Das deutsch-spanische Grind/Death-Trio feuert im gefühlten Zwei-Minuten-Takt seine derben Geschosse ins Publikum, das diese kompakten Hassbatzen regelrecht aufsaugt. Nach dem 2015er Album "Depopulation" wird es mal Zeit für ein zweites Album - denn auch auf Konserve geht die Chose mächtig nach vorne.

Ich werde mich jetzt davor hüten, irgendwelche vergangenen Aussagen von DESTRÖYER 666-Fronter KK Warslut zu sezieren und ihre politische Korrektheit diskutieren zu wollen. Musikalisch gesehen, sind die Australier/Wahl-Niederländer jedenfalls eine absolut Macht im Black/Thrash. Ob man nur aufgrund des etwas missglückten Starts ("Where is the fucking Intro??") so dezent angepisst ist, lässt sich wohl nicht eindeutig klären. Fakt ist, dass sich die (eher etwas melodischeren) Songs des aktuellen Albums "Wildfire" mit älteren Klassikern wie "Australian And Anti-Christ" perfekt ergänzen und zusammen mit den 666 Feuerfontänen auch mächtig viel fürs Auge bieten.

Deströyer 666

Dass DÉCEMBRE NOIR, die mit ihrem Auftritt im Zelt auch noch den Release ihres zweiten Albums "Forsaken Earth" feiern, im Nachhinein mein persönliches Festivalhighlight sind, hätte ich im Vorfeld sicherlich nicht geglaubt. Doch irgendwie passt hier und heute einfach alles zusammen. Der Doom-durchzogene, melancholisch-finnische Melo-Death macht dieses quasi Heimspiel der Thüringer zu einem wahren Siegeszug. Gänsehaut und Kraft, Melodien und Licht, sowie für Doom-Verhältnisse sogar recht viel "Action" auf der Bühne - erstmals wird mir bewusst, wie schnell 30 Minuten vorbei sein können. Alleine "Small. Town. Depression" könnte ich tagelang in Schleife hören ...

Bei BODYFARM-Sänger/Gitarrist Thomas Wouters merkt man schnell, dass irgendetwas nicht stimmt. Er bewegt sich kaum, lässt die Ansagen lieber seine Kollegen machen und steht irgendwie neben sich. Grund ist eine nicht genauer definierte Erkrankung am Kopf, die erst kürzlich operiert wurde. Unter diesem Vorzeichen ist diese Show natürlich umso bemerkenswerter. Man hat zwar aus Rücksicht die Setlist etwas umgestellt, aber minder aggressiv ist es deswegen trotzdem nicht. Mit "The Dark Age" oder "Storming Revolution" gibt's perfekten niederländischen Death Metal auf die Ohren. Hoffen wir mal, dass Thomas schnell wieder fit wird.

Der zweite Festivaltag neigt sich langsam gen Ende, legt aber noch einen fulminanten Endspurt hin. Schuld daran sind auch DYING FETUS, die heute das Prädikat "maximale Zerlegung" verdienen. Präzise wie ein Schweizer Uhrwerk wird alles kurz und klein gehackt, die wechselnden Vocals von Gitarrist John Gallagher und Bassist Sean Beasly sitzen stets millimetergenau auf den Punkt und Drummer Trey Williams treibt die beiden unaufhörlich voran. Und wenn dann noch gleich als zweiter Song "Grotesque Impalement" rausgehauen wird, es mit "Induce Terror" etwas ganz Neues auf die Ohren gibt und man außerdem auch noch ein neues Album ankündigt, gibt's im Publikum natürlich kein Halten mehr. Ganz massives Ding!

Dying Fetus

Ich glaube, in diesem Leben werde ich mit EXODUS nicht mehr so wirklich warm. In meinem CD-Regal steht halt die "Bonded By Blood" und fertig. Alles, was danach kam, hat mich nie mehr so wirklich geflasht. Und auch beim heutigen Gig kann man durchaus viel Meckern. 45 Minuten Spielzeit als Co-Headliner? Abzüglich technischer Verzögerungen bleiben gerade mal 35 Minuten (!) übrig. Dazu ein recht leiser Sound (oder bin ich mittlerweile schon taub?), Steve Souza klang stimmlich auch schonmal voller und Gary Holt fehlt irgendwie an allen Ecken und Enden. Auf der Haben-Seite stehen zwar zeitlose Klassiker wie "And Then There Were None", "Strike Of The Beast" und natürlich "Bonded By Blood", sowie mit "Blacklist" auch ein ziemlich amtlicher Hit, aber unterm Strich finde ich das irgendwie zu wenig. Aber vermutlich sehen das eingefleischte Exodus-Fans ganz anders.

CARCASS erweisen sich dann im Anschluss als würdiger Headliner und Abschluss dieses Tages. Dicker Sound, amtliche Lichtshow und eine Setlist, die erfreulich abwechslungsreich ist und die verschiedenen Phasen der Band widerspiegelt. Ob fast schon "rockigere" Nummern wie "Keep On Rotting In The Free World", altes, grob Gehacktes wie "Reek Of Putrefaction", typisches wie "Heartwork" oder einfach mal ein Killer wie "Corporal Jigsore Quandary" - was hier in Sachen Grind, Groove und Death geboten wird, ist schon eine eigene Liga für sich.

Samstag, 13. August

Rein von der Spielzeit her, sind ASOMVEL die diesjährigen Headliner. Zwei Stunden lang, beginnend um 10 Uhr morgens, beschallt das englische Trio den sonntäglichen Frühschoppen im Zelt. Ein gewisses Schmunzeln lässt sich dabei nicht immer verkneifen, denn noch mehr nach Motörhead kann man eigentlich gar nicht klingen. Dazu geht Sänger und Bassist Ralph Robinson auch noch glatt wie Lemmy in jungen Jahren durch - stimmlich und optisch. Starke Songs wie "Trash Talker" oder "Motherload" sprechen jedoch für sich, und Coverversionen hat man zum Glück gar nicht nötig. Sehr interessante Band, aber zwei Stunden sind echt "too much".

Asomvel

Nach dem gestrigen "Spaß mit Spasm", hoffe ich heute natürlich auf eine Wiederholung bei RECTAL SMEGA, was aber irgendwie nicht so wirklich funktionieren will. Vielleicht sind zwei Bands dieser Sorte einfach eine zu viel? Vielleicht nehmen sich Rectal Smega auch selber tatsächlich (zu) ernst? Das Publikum - mehr als gestern bei Spasm, aber im Gegensatz zum gestrigen Regen scheint heute tatsächlich mal die Sonne - feiert mit wildesten (und dämlichsten) Kostümen und Requisiten die Niederländer um Fronter Jannic Ophorst bedingungslos ab. Ich gehe derweil dann doch lieber mal mein Frühstück beenden.

SULPHUR AEON sind wohl eigentlich eher eine Clubband. Doch bei strahlendem Sonnenschein (ja, am letzten Tag dann tatsächlich doch noch), auf der großen Bühne und am frühen Nachmittag läuft für das Trio aus Nordrhein-Westfalen (nur live zu fünft) alles nach Plan. Das Gelände ist überdurchschnittlich gefüllt, der Sound ist überdurchschnittlich gut und Songs wie das alles überragende "Titans" oder auch "Diluvial Ascension - Gateway To The Antisphere", der quasi Titelsong vom (noch) aktuellen Album, sorgen dafür, dass die Cthulhu-Experten frenetisch gefeiert werden.

Die Griechen SUICIDAL ANGELS machen Thrash Metal nach meinem Geschmack. Vielleicht wenig innovativ, aber stets voll auf die Zwölf. Nackenbrecher wie "Bloodbath", "Bleeding Holocaust" oder der überlange Groover "Seed Of Evil" sorgen für Circlepits, Wall Of Death und ausgelassene Stimmung. Der abschließende Überhit "Apokathilosis" ist da nur noch das i-Tüpfelchen auf diesen rundum klasse Auftritt.

Suicidal Angels

Dass Karl Willetts bei Bolt Thrower nicht ausgelastet ist und mit MEMORIAM nun eine zweite Band aus der Taufe hebt, ist nachvollziehbar und höchst erfreulich. Wohl kaum ein anderer Auftritt wurde auf dem diesjährigen PSOA mit mehr Spannung erwartet, obwohl es neben gerade mal zwei veröffentlichten Songs und nur einem einzigen Gig (auf dem Obscene Extreme Festival) noch nichts Zählbares gibt. Doch die zu erwartende Midtempo-Walze läuft fast schon routiniert, bietet neben ein paar neuen Memoriam-Songs und dem Sacrilege-Cover "The Captive", auch die beiden Bolt Thrower-Songs "Spearhead" und "Powder Burns", die - zumindest für meinen Geschmack - auch mit nur einer Gitarre erstaunlich gut funktionieren. Einziger Wermutstropfen: Der Gig ist zehn Minuten früher zu Ende, als geplant.

Die Herren von NIFELHEIM, um die beiden Gustavsson-Brüder, scheinen im Vorfeld wieder einmal den örtlichen Baumarkt in Sachen Nägel, Schrauben und Nieten leergekauft zu haben - Hauptsache das Outfit sitzt. Nachts hätte ein solcher Gig sicherlich um Längen besser gewirkt, aber auch im Sonnenschein erfahren die Schweden einen großen Zuspruch und liefern sich auf der Bühne ein wahres Kopf-an-Kopf-Rennen in Sachen Grimassen schneiden. Show gehört halt einfach dazu, aber bockstarke Songs wie "Possessed By Evil", "Satanic Sacrifice" oder "Sodomizer" tragen ihr übriges dazu bei.

Wir bleiben in Schweden und werden einmal mehr Zeuge davon, wie es die Institution GRAVE allen Nachwuchsbands deutlich zeigt, wie man schwedischen oldschool Death Metal in Perfektion spielt. Ob es nun Klassiker wie "Into The Grave", "Soulless" oder "You'll Never See" sind, oder der Titelsong des aktuellen Albums "Out Of Respect For The Dead" - die Band um Ola Lindgren geht keine Kompromisse ein, liefert, wie erwartet, überragend ab, macht heute aber vielleicht auch bedingt durch zu viel Routine (?) einen leicht lustlosen Eindruck.

Grave

Die Norweger TAAKE standen eigentlich gar nicht auf meinem Zettel, aber bevor das Festival im Anschluss mit zwei hochkarätigen Headlinern unwiderruflich abgeschlossen wird und ich ein letztes Mal mein Geld diversen Händlern und Ständen zukommen lasse, schaue ich mir das Treiben auf der Bühne noch eine Weile an. Die Band hat zumindest das Glück, dass so langsam die Nacht hereinbricht und ein wirklich fieser Song wie "Nattestid Ser Porten Vid I" dadurch wohl noch bedrohlicher wirkt. Im Vergleich zu anderen Black Metal-Bands dieses Festival, allen voran MGŁA, aber auch Nifelheim, hinken Taake für meinen Geschmack ein ganzes Stückchen hinterher. Und dass Alleinherrscher Hoest ohnehin ein Idiot ist, ist hinlänglich bekannt (falls nicht: Wikipedia hilft).

Vermutlich sind SODOM die eigentlichen Headliner des gesamten Festivals. Die Stimmung im Publikum ist auf dem absoluten Höhepunkt angekommen, permanent "Sodom!"-Sprechchöre (bzw. "Wodos!" von denjenigen, die das immer noch lustig finden) und Tom Angelripper & Co. spielen absolut tight auf und brennen ein Thrash-Feuerwerk ab, das sich Exodus am Vortag auch nur ansatzweise gewünscht hätten. Neben starken, neueren Krachern wie "Sacred Warpath", sind es vor allem die Hits (Hits, und nochmal Hits!), die dafür sorgen, dass diese gut 65 Minuten zu einem wahren Siegeszug werden. "The Saw Is The Law" (alle gröhlen mit!), "Outbreak Of Evil", "Sodomy And Lust", "M-16", "Ausgebombt", natürlich "Agent Orange" und selbst das etwas seltenere "Tired And Red" beweisen eindrucksvoll, dass Sodom erstens tonnenweise Hits haben und es zweitens keine schwache Phase in der Bandgeschichte gibt. Obendrauf gibt's auf der Bühne noch ein Geburtstagsständchen für Stefan Heintzelmann (ex-Mystic Circle). Wer soll das bloß toppen?

AT THE GATES versuchen diese hoch angelegte Messlatte zu erreichen und schaffen es auch weitgehend. Zwar leeren sich die Reihen so ganz allmählich, was am dritten Festivaltag um Mitternacht aber auch durchaus verständlich ist. Untermalt von einer perfekten Lichtshow konzentriert sich die höchst spielfreudige Truppe auf ihre beiden besten Alben: "Slaughter Of The Soul" und "At War With Reality". Und scheinbar macht's eben genau diese Mischung aus alt und neu - Langeweile kommt zu keiner Sekunde auf. Sänger Tomas Lindberg wirbelt wie ein Jungspund über die Bühne, bei den begnadeten Gitarrenriffs von Anders Björler möchte man nach wie vor auf die Knie fallen, und Songs wie "Blinded By Fear", "Slaughter Of The Soul" und "Unto Others" bedürfen ohnehin keiner weiteren Erklärung. Bewegend wird's dann nochmal beim oldschool Rausschmeißer "Kingdom Gone" - einer Hommage an Jon Nödtveidt, dessen 10. Todestag exakt heute ist.

At The Gates

Das war also das PARTY.SAN METAL OPEN AIR 2016 - vielen Dank für diese drei (eigentlich vier) großartigen Tage, viele klasse Bands, viele tolle Leute und bis zum nächsten Jahr, wenn es wieder heißt: Welcome to hell!


Text & Fotos: Marco Zimmer