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Konzert: SCHLACHTFEST - 16.04.2016 - Aurich

Location: Schlachthof
Bands: Asphyx, Bodyfarm, Rogash, Dicentress


Es ist tatsächlich schon das 17. Schlachtfest, das wieder einmal im Auricher Schlachthof über die Bühne geht und somit natürlich längst eine feste Institution in der ostfriesischen Metalszene ist. Acht hochkarätige Bands auf zwei Tage verteilt, versprechen wieder einmal jede Menge Nackenschmerzen.
Leider ist es nicht das erste Mal, dass ich aus beruflichen Gründen bei diesem zweitägigen Minifestival nur am Samstag teilnehmen kann.

Und dieser Samstag startet mit DICENTRESS aus Eisenach in Thüringen, die mir bis heute gänzlich unbekannt waren. Es braucht somit ein paar Minuten, bis sich meine Frage klärt, warum denn der Mikroständer so extrem weit links am Rand der Bühne steht: Als reine Instrumentalband braucht man so etwas natürlich nicht. Doch es fehlt nicht nur ein Sänger, sondern heute auch der dritte Gitarrist der Band, dessen Fehlen mit dem Einspielen von Samples ausgeglichen wird. Die Band beschreibt ihren Stil selber als Progressancholic Metal, was wohl selbsterklärend ist und deren Einflüsse mit Katatonia-Shirt und Opeth-Tattoo auf der Bühne (sowie gerade mal sechs Songs in 40 Minuten) entsprechend unterstrichen werden. Zwischendurch hört man aus dem Publikum ein "auch ohne Sänger super!", was man durchaus so stehen lassen kann, wobei es die Band vor dem im Anschluss folgenden Death Metal-Abriss heute durchaus etwas schwer hat.

Die bis hierhin wohlwollende, aber noch recht verhaltene Stimmung im jetzt schon gut gefüllten Schlachthof, scheint bei ROGASH wie aus dem Nichts einer Death Metal-Party zu weichen, wie man sie auch erwarten durfte. Vor der Bühne ist es plötzlich richtig voll und vom ersten Takt an, kreisen die langen Haare in der ersten Reihe. Die ebenfalls aus Thüringen (Jena) stammende Truppe fährt eine massive Death Metal-Wand auf, die allen Beteiligten sichtlich Spaß zu machen scheint. Fronter Erik Oßwald verspricht heute "neue Smashhits und alte Klassiker" - gut, bei gerade mal zwei Alben (2014 & 2016) lassen wir speziell Letzteres (vorerst) mal so im Raum stehen. Man startet, wie auf dem aktuellen Album "Malevolence", nach einem Intro mit dem vernichtenden "To The End", das durch diesen leicht irren (positiv gemeint!) Psychoblick von Fronter Erik irgendwie noch bedrohlicher wirkt. In gut 45 Minuten werden beide Alben der Band entsprechend berücksichtigt, und als Abschluss gibt's dann mit dem Sepultura-Cover "Refuse/Resist" doch noch einen versprochenen Klassiker. Ein zweifelsfrei gelungener Auftritt. Ob Erik allerdings das von ihm in einer Ansage geforderte "medizinische Marihuana" noch bekommen hat, ist hingegen unklar.

Rogash

Nach zwei Bands aus Thüringen sind nun zwei Bands aus Holland an der Reihe, von denen BODYFARM beginnen. Für die Truppe aus Amersfoort ist das heute so etwas wie die Generalprobe, denn ab morgen ist man mit Death (DTA) unterwegs. Vielleicht auch gerade deshalb, wirkt das heute alles perfekt aufeinander eingestimmt und höchst routiniert vorgetragen. Rogash waren ja schon richtig gut, aber Bodyfarm, um Sänger und Gitarrist Thomas Wouters, legen nochmals ein paar Schippen drauf. Auf eine Coverversion verzichtet man allerdings, obwohl man mit Bathory und Massacre zwei amtliche Kandidaten im Repertoire gehabt hätte. Stattdessen gibt's je eine Handvoll Songs der beiden letzten Alben (stark: "Unbroken"), sowie den Kracher "Malevolence" vom gleichnamigen Debüt und außerdem das fast schon leicht groovende "Heartraped" von der 2010er EP. Man darf wohl ohne Übertreibung behaupten, dass das heute einem kleinen Siegeszug gleicht, denn nach dem Ende des Auftritts, als im Saal bereits die Hintergrundmusik ertönt, kehrt die Band doch noch mal unter lautem Beifall für einen weiteren Song zurück, was den ersten Stagediver des Abends zur Folge hat.

Bodyfarm

Doch der eigentliche Siegeszug des Abends (des Wochenendes?) sollte natürlich erst noch folgen. Applaus und Fotos bereits während des Soundchecks (!) von ASPHYX deuten bereits an, was in den folgenden rund 75 Minuten passieren wird. Ein Ausnahmezustand, wie ich ihn auf den diversen Konzerten, die ich bisher im Auricher Schlachthof miterlebt habe, so noch nicht gesehen habe. Die Setlist der Death(Doom)-Legende (die im nächsten Jahr übrigens ihr 30jähriges feiert!), bietet wie erwartet keine Überraschungen. Man beschränkt sich einmal mehr ausschließlich auf die vier Studioalben, die von Martin van Drunen (diese Stimme!) eingesungen wurden, sprich: die ersten beiden und die letzten beiden. Die 15 Jahre dazwischen fallen unter den Tisch. Aber stört das jemanden? Ich behaupte mal, garantiert nicht. Nach dem Oldschool-Auftakt "Vermin"/"Food For The Ignorant" folgt schon recht früh das wortwörtlich brutale "Death ... The Brutal Way", das prompt die komplette Anlage abschießt - kein Licht, kein Ton, nichts geht mehr. Martin scherzt, "ich glaube, wir sind zu laut für Ostfriesland!". Doch die Panne ist zum Glück schnell behoben und weiter geht's. Bis zur nächsten Panne. "Der Landser" muss zu Beginn ohne Gitarre auskommen, denn es bedarf eines neues Kabels, das aber ebenfalls recht schnell erneuert wird. Ansonsten läuft aber alles glatt und rund. Beste Stimmung im Schlachthof. Crowdsurfer, Stagediver, Circlepits - das volle Programm. Dazu eine bestens aufgelegte Truppe und überragende Songs zwischen alt ("The Rack") und neu ("Deathhammer"), zwischen Death (ganz viel) und Doom (zwischendurch). Über allem thront natürlich Martin's einzigartiges Organ, das den einzigen Zugabesong ("Last One On Earth") noch lange in meinen Ohren nachklingen lässt. Asphyx - wie immer überragend!

Asphyx

Setlist - Asphyx
The Quest Of Absurdity
Vermin
Food For The Ignorant
The Flood
Death ... The Brutal Way
M.S. Bismarck
Deathhammer
Eisenbahnmörser
We Doom You To Death
Wasteland Of Terror
Asphyx (Forgotten War)
Der Landser
Into The Timewastes
The Rack
Scorbutics

Last One On Earth


Text & Fotos: Marco Zimmer