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Konzert: SODOM - 30.12.2016 - Bremen

Location: Tivoli
Support: Dawn Of Disease, Damnation Defaced


Das ist doch mal ein amtlicher Jahresabschluss: Sodom und Dawn Of Disease geben sich heute in Bremen und morgen in Osnabrück die Ehre, ein letztes Mal in diesem Jahr für ordentlich Nackenschmerzen zu sorgen. Beim heutigen Halt in Bremen sind zusätzlich noch Damnation Defaced mit dabei ...


Schon zehn Jahre DAMNATION DEFACED und ich werde mit der Truppe aus Celle nach wie vor nicht so richtig warm. Es ist ja prinzipiell sehr löblich, dass Fronter Philipp Bischoff mit oldschool Edge Of Sanity-Shirt auf der Bühne steht, und ich will der Band weder ihre guten Absichten absprechen, noch gar von Metalcore sprechen, aber mir ist das hier und da schlicht und einfach zu modern. Der Sound von der Bühne ist okay, haut einen nun aber auch nicht gerade um, und den Songs könnte etwas mehr Durchschlagskraft nicht schaden. Genug gemeckert. Gegen Ende wird's besser. "The Blackening" hat durchaus so seine Momente, das Publikum applaudiert zwar eher zurückhaltend, aber wohlwollend und Fans dürfen sich 2017 auf ein neues Album freuen.

Alles, was ich gerade kritisiert habe, machen die Osnabrücker DAWN OF DISEASE um ein Vielfaches besser. Hier gibt's fremdeinflussfreien Death Metal, der geschickt zwischen Melodie und Aggression pendelt. Packende und abwechslungsreiche Songs, ein druckvoller Sound und auch das Publikum kommt so langsam auf Touren. Erstaunlich nur, dass das aktuelle Album "Worship The Grave" mit gerade mal zwei Titel abgespeist wird - wobei aber natürlich "Ashes" ohnehin über allem thront. Stattdessen liegt der heutige Schwerpunkt auf dem 2012er "Crypts Of The Unrotten", das herrlich-modrige Death Metal-Geschosse wie "Alone With The Dead", "The Unrotten", "Knife vs. Flesh" oder das abschließende "Catacombs" bereithält. Zukünftig bitte gerne mal einen Song von der 2004er "Through Bloodstained Eyes"-EP spielen und ich bin rundum zufrieden.

Dawn Of Disease

Was kann man noch großartig über SODOM schreiben, ohne sich ständig zu wiederholen? Die Thrash-Institution liefert am heutigen Abend einmal mehr einen rundum gelungenen Auftritt ab. Tom Angelripper überzeugt an Bass, Mikro und mit Motörhead-Shirt, Bernemann's Darbietung an der Gitarre - inklusive Soli - ist wie immer großartig und Markus "Makka" Freiwald treibt die beiden von hinten stetig an. Musikalisch gibt's heute wie zu erwarten keine wirklichen Überraschungen. Das coole "Tired And Red" scheint mittlerweile fest ins Programm zu gehören, ansonsten startet die heutige Zeitreise - Tom Angelripper bedankt sich brav beim Publikum für 35 Jahre Sodom - mit uralten Klassikern wie "Outbreak Of Evil" und "Blasphemer", über Songs aus der mittleren Phase wie "M-16" oder "City Of God", bis hin zu aktuellen Krachern, wie dem überragenden EP-only-Track "Sacred Warpath" und Songs des aktuellen Albums "Decision Day" (u.a. der heutige Opener "In Retribution", oder auch "Caligula" und "Blood Lions"). Doch auch wer meckern möchte, findet Punkte. Die immerhin satte fünf Alben umfassende Zeit von 1992 bis 1999 wird einmal mehr komplett ignoriert. Schade, so einige Perlen und Hits aus dieser Zeit wären es absolut wert, live gespielt zu werden, aber gut, die Spielzeit ist nunmal begrenzt und bei 15 Studioalben muss man halt Abstriche machen.
Ich gehe mal davon aus, dass die unten aufgeführte Setlist, die im Original auf der Bühne klebte, zumindest am Ende stimmt. Bei "Ausgebombt" muss ich mich nämlich zügig zum letzten Zug nach Hause begeben. Scheinbar gab es also keine Zugabe. Doch wie auch immer: Sodom haben mein (Konzert-)Jahr ganz großartig abgeschlossen.

Sodom

Setlist - Sodom
In Retribution
In War And Pieces
Sodomy And Lust
Surfin' Bird / The Saw Is The Law
Outbreak Of Evil
M-16
Sacred Warpath
Agent Orange
Stigmatized
Caligula
City Of God
Tired And Red
Blood Lions
Nuclear Winter
Blasphemer
Rolling Thunder
Remember The Fallen
Ausgebombt


Text & Fotos: Marco Zimmer