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Konzert: HAVOK - 07.04.2017 - Hamburg

Location: Logo
Support: Warbringer, Gorod, Exmortus


Klasse … da freut man sich auf ein echt amtliches Package auf einem Freitagabend und kämpft sich durch große Baustellen, sowie überlastete Umleitungsstrecken nebst in Niedersachsen einsetzenden Osterferien und typischen Hamburger Abendverkehr (ihr Ferkel - das Logo liegt gar nicht auf St. Pauli). Keine Ahnung, wie ich es nur zehn Minuten zu spät zum Interview-Termin mit Havok geschafft habe - so oder so, den Opener EXMORTUS erlebe ich beim Betreten des ordentlich gefüllten Logo quasi nur noch als Randerscheinung. Man könnte meinen, bei den irrwitzigen Doppel-Leads und Soloexzessen, die mir in den letzten Minuten des Gigs um die Ohren fliegen, dreht mir Fronter Jadran "Conan" Gonzalez ob meiner Verspätung absichtlich den Rücken zu … natürlich nur eine Vermutung …

Exmortus

Mein richtiger Einstig in den Konzertabend heißt also GOROD und ist der stilistische, aber nicht härtemäßige Gegenpol zur Thrash-Doppelspitze. Die Franzosen bieten progressiven, hochtechnischen Death Metal der neueren Garde, also mit Beatdowns und echt bösen Griffbrettwichsereien, die bei genauem Hinhören sehr wohl Sinn ergeben. Aber schon die erste Ansage von Frontkeiler Julien "Nutz" Deyres in fast fehlerfreiem Deutsch (es bleib aber bei dieser einen), ein neuer Song mit derber Thrash-Schlagseite und unbändiger Spielfreude, sorgen für richtig Stimmung vor der Bühne. Schon irre, wie speziell der alle stimmlichen Register ziehende "Nutz" und Bassist Benoit sich auf der kleinen Logo-Bühne nicht gegenseitig umkegeln. Die Band hat mächtig Spaß, der sich stark überträgt. Musikalisch dennoch ein starker Kontrast, dem ich so viel Zuspruch gar nicht zugetraut hätte. Da zeigt sich die Erfahrung von stattlichen fünf Longplayern. Chapeau!

Gorod

Einen Klassiker als Intro zu benutzen wird wohl langsam zur Gewohnheit. WARBRINGER "eröffnen" mit "(We Are) The Roadcrew", dann ihr eigenes Intro und dann mal gleich die ersten vier Songs der just vor einer Woche erschienenen neuen Langrille "Woe To The Vanquished". Alter, vier Songs und man liegt schon völlig geplättet in der Ecke! Die ersten Stagediver fliegen und gerade die Midtempo-Nummer "Remain Violent" dürfte in Zukunft nicht aus dem Live-Set der L.A.-Thrasher wegzudenken sein. Danach gibt Sänger John Kevill an, dass man weiterhin nur schnelles Zeug spielen wird und zwar nur von den ersten beiden Alben. Ja, geil! Schon "Total War" haut mich voll aus den Latschen, während vor der Bühne ein (Circle) Pit den nächsten jagt. Warbringer machen es dem Headliner sichtlich schwer und kommen für die Zugabe "Living Weapon" sogar noch mal zurück.

Unfreiwilliger Antiheld ist aber ein Besucher der nach dem ersten Circle Pit ("Living In A Whirlwind") auf die Bühne hüpft, nach kurzer Rücksprache das Mikro von John bekommt und die Anwesenden bittet, doch mal eben auf den Fussboden zu schauen, weil er im Pit seine Schiene für seinen gebrochenen Finger verloren hat. Netterweise bekommt er sogar Licht für die Aktion, bringt aber nichts. Zeit ist Thrash, denkt sich John Kevill wohl und es dauert nicht mal eine Minute, als er höflich aber unterschwellig deutlich verlauten lässt "vielleicht hältst du dich lieber im hinteren Bereich auf, wenn du schon einen gebrochenen Finger hast.“ Und nicht nur er muss sich ein leichtes Grinsen verkneifen…

Warbringer

HAVOK sind in unseren Breitengraden schon lange keine Unbekannten mehr und haben sich einen verdammt guten Ruf erspielt. Rein musikalisch lassen die Denver Boys auch nichts anbrennen und setzen im Gegensatz zu Warbringer nicht nur auf rohe Gewalt. Der EP-Titelsong "Point Of No Return" als Opener kommt sehr cool rüber, "Claiming Certainty" und das giftige "Hang 'Em High" (beide vom neuen Album "Conformicide") legen aber trotzdem "mit Gewalt" nach, denn eine Saite an der Klampfe von Sänger David Sanchez reisst. Zum Stimmen zockt die restliche Band ihren bekannten 'Klassiker' "David broke a string" und weil David so lange braucht, noch die 'Neufassung' "David takes too long" hinterher. Wenn sich nur dieser Spass auch auf David übertragen hätte, der fast für den restlichen Gig mit seiner Ersatzgitarre zu kämpfen hat. Er geifert seine anprangernden Texte ins Mikro, ist aber sichtlich genervt von der Situation. Deswegen ist der Gig aber nicht schlecht. Allein seine Sidekicks sorgen für mächtig Alarm auf der Bühne und in der Mitte einfach mal die komplette A-Seite vom "Time Is Up"-Album zu spielen, erachte ich auch als clever und cool zugleich. Im Logo finden das zumindest alle gut. Das Feedback ist bockstark, vor der Bühne tobt der Bär, auch wenn er strategisch gut mit dem neuen "Ingsoc" etwas ausgebremst wird. Aber gegen das neue "Intention To Deceive" und den Rausschmeißer "Give Me Liberty … Or Give Me Death" hat man als Thrasher keine Chance. Starker Auftritt, der mit einer Stunde Spielzeit eine Zugabe hätte vertragen können, aber - so vermute ich einfach mal - diesen Dämpfer einfach durch das Technik-Problem bekam. Trotzdem sehe ich nur zufriedene Gesichter im Logo.

Havok

Das letzte Grinsen zaubert aber ein Konzertplakat beim Verlassen des Clubs in mein Gesicht. Nach dieser Oberkeule von einem Thrash-Abend, spielen nämlich einen Tag später die schwedischen Hard Rocker von TREAT. Ach, wat schön - Abwechslung ist schließlich wichtig.
Und für das Protokoll - Havok dürfen immer und gerne wieder kommen!


Text & Fotos: Siegfried Wehkamp