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Konzert: KING DUDE - 20.10.2017 - Essen

Location: Turock
Support: The Ruins Of Beverast, (dolch)


Ausverkauft! Das Warum interessiert nicht, solange die Hütte voll ist. Aber im Vorfeld überlegte ich schon, wie dieser "bunte Haufen" wohl an einem Konzertabend funktionieren würde. King Dude zum ersten Mal mit kompletter Band unterwegs. Wie reagiert die Gothic/Wave/Dark Folk/Johnny Cash-Fraktion, die sich dem Dude und/oder (dolch) zugeneigt fühlen, auf die tief finsteren und erbarmungslosen The Ruins Of Beverast? Und wie geht der Schreiber dieser Zeilen mit einem Abend um, dessen reiner Metal-Faktor nur ein Drittel ausmacht? Bitte lesen sie selbst.


Bei der Besprechung der Demos sinnierte ich bereits über die Metal-Relevanz von (dolch), ohne aber irgendjemandem damit auf die Füße treten zu wollen. Nun steht das Kern-Duo mit seiner Backing-Mannschaft auf der Turock-Bühne und gestaltet sich für mich wie folgt: Fünf Kapuziner-Schwarzlinge (ob nun aus dem schwarz-metallischen oder schwarz-gotischen Lager wage ich nicht zu entscheiden) offerieren mit einem MGŁA-artigen Aktionsradius ein paar geschraddelte Standard-Dunkel-Riffs, ein ebenso stoischer Beat beteiligt sich und der Gesang der unbekannt bleibenden Dame (die im ersten Song wild gestikulierend das frontale Licht hinfort wünscht) bzw. ihrem Gitarre spielenden Kompagnon lullt mich bereits nach zehn Minuten derbe ein. Weichzeichner-Black Metal las ich dazu mal, Black Ambient-sonstwas hieß es woanders. Eine Einordnung scheint unmöglich, die Darbietung nicht greifbar und im Schlusstrack (der offensichtlich vom am 10. November erscheinenden Debüt-Longplayer stammt) offenbart sich mir der Zwiespalt. Ein harter Beat, surrende Gitarren, Synthies und beschwörende Gesänge. Ein Song, den ich auch von einer Gothic/Elektronik-Band erwarten würde, wenn diese mit harten Gitarren experimentieren. "Wo ist der Metal?" stelle ich die (für mich) rhetorische Frage und hake (dolch) ab. P.S.: Die Masse vor der Bühne sieht das ganz anders.

(dolch)

Der Metal kommt nun, denn THE RUINS OF BEVERAST bitten zum Tanz. Zweifel, ob die ausladenden neuen Songs von "Exuvia" live nicht funktionieren könnten, verfliegen sofort, entwickeln sie doch den selben Beverast-Sog, dem man sich nicht entziehen kann. Diese Wand aus kilometerdickem Death Metal-Fundament, manischem Black Metal-Wahnsinn und einem Trance-ähnlichem Fluss in den Songs, ist schlichtweg einzigartig. Nach zwei neuen Stücken (in denen u.a. mit vierstimmigen Vocals geglänzt wird) und einer Atmosphäre, die man auch mit geübtem Ohr nur fassungslos beeindruckt hinnehmen kann/sollte, platzt der Knoten vollends und die Speed-Keule "Gods Ensaguined Bestiaries" wird mit einer unmenschlichen Härte zelebriert, dass es mich schier umhaut. Als hätte sich ein tollwütiger Kugelblitz im Turock verirrt und richtet nun panisch den Ausgang suchend den größtmöglichen Schaden an. Spätestens hier fällt auf, wie brillant aufeinander eingespielt diese Band seit ihrer Live-Feuertaufe im Jahr 2013 geworden ist. Mit dem Übersong "Malefica" (der wirklich heute über allem thront!), dem rollenden "Through Bronze Walls" und einem aktuellem Song (Titel? - meine Sinne schwinden schon …) fühle ich mich völlig erschlagen, zugleich lebendig und irgendwie von den (dolch)-Tönen "gereinigt". Und der Abend ist noch nicht zu Ende.

The Ruins Of Beverast

Und jetzt erklärt sich auch die Cleverness hinter der Tour-Zusammenstellung. Nach einer solchen Finsternis und Härtedemonstration, kommt jemand wie KING DUDE wirklich gerade recht. Der kernige Ami präsentiert seine Singer/Songwriter-Ergüsse erstmals mit vollwertiger Band, die spielerisch voll auf der Höhe ist, aber noch mit Soundjustierung zu kämpfen hat. Ist ja auch erst die zweite Show. Ein schlaksiger Drummer mit Hornbrille und kräftigem Beat, ein zweiter Gitarrist mit Keyboard-Doppelbelastung (alles kein Problem) und eine unauffällig wirkende Bassistin (!), die nicht nur mit ihrer bestens polierten Glatze, sondern auch mit ihrem amtlichen Saitenspiel imponiert. Der Fokus liegt trotzdem auf dem Dude. Der gibt sich lässig, kommunikativ, entlarvt den ihm gebrachten Whiskey-Cola gekonnt als Scotch-Cola und einen unflätigen Zwischenruf eines Gastes kontert er ebenso galant wie bestimmt, so dass dieser doch genau weiß, er sollte jetzt lieber die Klappe halten. Die Menge aus den unterschiedlichsten Genre-Schichten möchte schließlich genießen, andächtig lauschen, schlichtweg abrocken oder gar Fruchtbarkeitstänze vollführen (was man vom oberen Rang nicht alles sieht …). Aus dem mir einzig bekannten und aktuellen Album "Sex" vernehme ich derweil mindestens vier Songs, das ältere "Fear Is All You Know" wird gerne mitgesungen und im vergleichsweise ruppigen "Sex Dungeon USA" blitzt beim Dude immer mal wieder sein harter Kern auf, den er ja in diversen anderen Bands auslotet. Nun, ist das jetzt mehr Metal gewesen? Eigentlich nicht. Aber dieser Auftritt und auch seine Musik kommen bei mir besser, leichter und auch weitaus sympathischer an, weil ich es ihm abnehme!

King Dude

Und allein mit dieser Feststellung lässt sich ganz beruhigt und zufrieden nach Hause fahren. Die Zusammenstellung der Bands bleibt ungewöhnlich, funktioniert hat sie trotzdem - vielleicht nicht für alle, aber ausverkauft ist ausverkauft. Erfolg gibt meistens Recht! Vielen Dank für den abwechslungsreichen Abend.


Text & Fotos: Siegfried Wehkamp