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Konzert: NAILED TO OBSCURITY - 03.02.2017 - Aurich

Location: Alter Schlachthof
Support: Décembre Noir


Eine Record Release Party vor heimischem Publikum ist immer etwas Feines. Zumal, wenn man wie eben Nailed To Obscurity mit "King Delusion" ein solch starkes Werk vorlegt. Wundert es da, dass die Show im Auricher Schlachthof ausverkauft ist?


Und man darf mit Fug und Recht behaupten, dass es sich Nailed To Obscurity nicht einfach gemacht haben, als sie die befreundeten DÉCEMBRE NOIR als Support ins Boot holten. Denn das Quintett aus Thüringen tritt mit einer ziemlich uneigennützigen Selbstverständlichkeit auf und punktet während ihrer knapp 90 Minuten recht gut bei den Anwesenden. Ja, beide Bands spielen am heutigen Abend ein volles Set und es kursiert im Vorfeld der Kalauer, welche Songs Décembre Noir bei nur zwei CDs eben nicht spielen würden. Am Ende sind es zehn Songs von ihrem Debüt "A Discouraged Believer" und dem letztjährigen Zweitwerk "Forsaken Earth", die für raumgreifende Doom Death Atmosphäre sorgen. Mutig sind sie, mit dem 14-Minüter "Waves Of Insomnia" einzusteigen, wissen aber auch um die Stärke ihrer restlichen Songs, zumal (nicht nur) "Small.Town.Depression" auch mal mörderische Ausbrüche liefert. Alles flüssig dargeboten, mit Melodien garniert, die manche Reminiszenzen an altenglische Helden (Paradise Lost, My Dying Bride, alles klar?!) aufkommen lassen und von Fronter Lars kraftvoll intoniert werden, obwohl er selbst ein angenehm unaufdringlicher Zeitgenosse ist.
Fazit: Décembre Noir haben hier eine mit großer Nachhaltigkeit bedruckte Visitenkarte abgegeben.

Décembre Noir

Dass dem ausverkauften Schlachthof dieser "Opener" gefallen hat, bestätige ich einfach mal durch das komplette Fehlen der in dieser Gegend verbreiteten "Ost-, Ost-, Ostfriesland"-Rufe. Die kommen nämlich erst, nachdem die Gastgeber des Abends - NAILED TO OBSCURITY - ihr neues Werk "King Delusion" vollständig abgeschlossen haben. Und die Ostfriesen (ja, ich habe dazugelernt …) lassen sich nicht lumpen. Mehr Licht, Strobos und Nebel - die Feuertaufe des neuen Albums soll ein Erlebnis werden und wenn ich einen ganz wertfreien Unterschied zwischen den beiden Bands nennen sollte, so sind Décembre Noir die musikalisch erdigere Variante, während Nailed To Obscurity die weltmännische Version geben. Soll heißen, die Basis bleibt ganz grob dieselbe, Nailed To Obscurity greifen aber in ihren Einflüssen und Arrangements nach anderen Zielen. Die Uraufführung von "King Delusion" zeigt bereits heute, dass sich der Titelsong und das tolle "Protean" schon ihre Stammplätze für zukünftige Live-Schandtaten gesichert haben. Mich erstaunt, wie professionell die Band aufspielt. Ein top eingespieltes Team, welches sich aber ein paar klitzekleine Schnitzer erlaubt (der Anfang von "Memento") - Gott sei Dank, man will ja keine Maschinen auf der Bühne sehen. Ganz anders ist indes Frontmann Raimund, der die gezeigten Facetten der neuen CD live sauber abruft und sich gut um seine Meute vor der Bühne kümmert.
Ja, und dann kommt "Ostfriesland", der Schlachthof möchte seine Gastgeber noch mal auf der Bühne sehen, die lassen sich nicht lange bitten und liefern zum Abschluss noch ein paar "Abyss"- und "Opaque"-Perlen, damit auch jeder rundum zufrieden nach Hause gehen kann.
Feuertaufe bestanden - und beim Tippen dieser Zeilen vernehme ich gerade, dass Nailed To Obscurity als Support für die anstehende Dark Tranquillity-Tour bestätigt wurden. Da stehen dem "King Delusion" doch glatt ein paar ganz große Türen offen. Glückwunsch!

Nailed To Obscurity

Text & Fotos: Siegfried Wehkamp