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Vorankündigung: STONED FROM THE UNDERGROUND

Wir befinden uns im Jahre 2017 n. Chr. Große Teile der deutschen Festivallandschaft sind von Coca Cola, EMP und Rockstar-Energy besetzt ... nur große Teile? Ja! Denn ein zeitweise von unbeugsamen Stonern bevölkertes Festival hört nicht auf, dem Kommerz Widerstand zu leisten: Das Stoned From The Underground in Erfurt-Stotternheim.

Das Stoned From The Underground (im Folgenden SFTU) liegt an einem idyllischen Badesee, welcher direkt vom Campingplatz aus zugänglich ist und hat zumeist eine kleine, aber unkommerzielle Auswahl an Fressbuden und Merchständen. Und dennoch tummelt sich hier eine hochwertige Auswahl verschiedenster Kapellen der Stoner-, Doom- und Psychedelic-Szene. Irgendwie schafft es dieses Festival jedes Jahr auf eine bestimmte Art und Weise doch mit seiner Größe zu imponieren (Schätzungen gehen von 3.500 Besuchern aus, andere von weniger) und trotzdem das Gefühl einer absoluten Geheimtipp-Veranstaltung zu vermitteln. Die Präsenz von Sponsoren ist hier wirklich minimal, vor dem Festivalgelände steht ein kleiner Kaffee-Wagen, vor der Bühne gibt es außer Merch vor allem vegetarische Burger und Chili. Wen es nervt, dem 8964ten Captain Morgan-Darsteller zu begegnen oder am Eingang bis auf die inneren Organe untersucht zu werden, ist hier richtig.

2017 schlägt mit einer hammerharten Mischung aus Sludge, Doom und psychedelischem Blues zu Buche: Einer der Headliner werden die legendären Pentagram sein, gegründet 1971 und angeführt von einer der größten Ikonen des Doom Metal, Bobby Liebling. Gerade für diese Kombo lohnt sich der Besuch, denn - seien wir ehrlich - keiner von uns weiß, wie lange die Band noch live spielen kann. Aktuell (Mai 2017) befindet sich Liebling erneut und wohl auch recht plötzlich in einer Rehabilitationsklinik und muss dafür vier Konzerte der US-Tour aussetzen. Andererseits muss deutlich gesagt werden: Wer einmal Ozzy Anfang der 2010er Jahre über die Bühne hat kriechen sehen, ist von Bobby Lieblings akrobatischer Bühnenperformance beeindruckt und auch sonst gelten Pentagram als Garant für verschwitzte Live-Shows. Und beim SFTU sprechen wir nicht von einem Festival, wo mit Glück das Backdrop der Band bestaunt werden kann, hier warten keine Massen vor der Bühne, die Erfahrung ist zum Greifen nah.

Pentagram

Die Doom-Fraktion der diesjährigen Ausgabe des SFTU wird von Monolord und Acid King verstärkt, letztere haben mit ihrem 2015er Album "Middle Of Nowhere, Center Of Everywhere" den Maßstab für Space-Doom-Psycho-Drogenmusik ein gutes Stück höher gehängt. Wer übrigens seine Musikhelden mal treffen möchte, dem sei gesagt, dass das SFTU, ähnlich wie das Roadburn oder seinerzeit des Hells Pleasure, eines dieser Festivals ist, wo fast alle Bands, vom lokalen Gastact bis zum Headliner, sich zu irgendeiner Zeit auf der Merch-Meile herumtreiben oder selbst vor der Bühne stehen. So wurde der hier schreibende Autor unvermittelt 2015 von Brett Campbell (Pallbearer) vor der Bühne gefragt, ob er Blättchen hätte. 2016 lästerte er mit einem kurzhaarigen und ebenso kurz angebundenen Englischsprecher über die gerade spielende Band, nicht merkend, dass es sich um Carl von Dopethrone handelte. Es gibt wenige Festivals, bei denen die Grenze zwischen Publikum und Musiker so niedrig ist.

Acid King

Das Haupt-Genre des Festivals bleibt aber der namensgebende Stoner-Rock/Metal. Auch hier wartet man mit einem großen Namen auf: Elder sind mit ihrem Album "Lore" (2015) aus der relativen (!) Bedeutungslosigkeit über Nacht zum Superhype geworden. Dieses Jahr wartet die neue Scheibe "Reflections Of A Floating World" darauf, auf der Bühne dargeboten zu werden. Weniger schnell gehyped, als vielmehr Veteranen des Stoner-Rock, sind Karma To Burn, die mittlerweile seit 22 Jahren die Konzerthallen und Festivals in Kräuterduft hüllen. Für die härteren Gemüter hingegen bringt das SFTU dieses Jahr Earth Ship aus Berlin mit. In dieser Sparte fehlt es eventuell noch an einer weiteren Bestätigung, denn die Orga vom SFTU hat mit dem Booking von Eyehategod bereits in der Vergangenheit ihre Liebe für das Dreckige bewiesen.

Jedes Jahr bietet "das Stoned", wie es liebevoll von Anhängern genannt wird, auch interessante Ausreißer. Bei beinahe jeder Ausgabe gibt es eine Portion Geschwindigkeit (dieses Jahr Zeke, letztes Jahr Peter Pan Speedrock) und ein wenig ruhigere Surfermukke (dieses Jahr die ebenfalls sehr gehypten All Them Witches). Noch ein Schmankerl für die Nostalgiker: Ebenfalls die Bühne des SFTU beehren wird CJ Ramone, und ja, das war seinerzeit der Nachfolger von dem Dee Dee Ramone von den Ramones.

Elder

Was möchte der Doomster oder Stoner eigentlich mehr? Das Stoned From The Underground macht alles richtig, was andere falsch machen: Die Balance zwischen Ticketpreisen und hochwertigen Bands wird gehalten, kaum Kommerz, wenig, dafür punktuell eingesetzte Security, ein See zum planschen (aber nicht bedröhnt!). Ein wenig abenteuerlich ist die Anreise ohne Auto, muss man doch bis Erfurt mit dem Fernbus/Zug fahren, dort in eine Bummelbahn umsteigen, dann nochmal in ein Shuttle steigen um dann anschließend doch nochmal ein kleines Stück zu Fuß zurückzulegen. Aber dafür geht man schließlich auf Festivals und nicht an einen langweiligen Badestrand, oder?

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