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Festival: PARTY.SAN METAL OPEN AIR 2017

10. bis 12. August, Flugplatz Obermehler/Schlotheim

Die Wettervorhersage für "das schönste Wochenende des Jahres" ließ nichts Gutes erahnen - und leider behielten die Meteorologen ausnahmsweise auch mal recht. Ich hatte mir fest vorgenommen, mir den Spaß von Regen und Kälte nicht verderben zu lassen, was mir mit leichten Abstrichen auch weitestgehend gelungen ist. Was auf jeden Fall für 2018 feststeht, ist ein Hotelzimmer...


Donnerstag, Tag 1, erste Band - "Welcome To The Night" heißt der Opener von NIGHT DEMON, der trotz unpassender Tageszeit am Nachmittag für volle Reihen vor der Bühne sorgt. Die einzige reine NWoBHM-Band des Wochenendes macht ordentlich Dampf und kann auf ganzer Linie punkten, auch wenn das Trio beim Iron Maiden-Cover "Wasted Years" mit ein paar technischen Problemen zu kämpfen hat. Trotzdem ein Auftakt nach Maß.

Night Demon

Die Niederländer GOD DETHRONED waren gefühlt eigentlich nie wirklich weg und machen auch heute wieder deutlich, dass sie nach wie vor eine amtliche Bank sind und für einen herrlichen und kurzweiligen Abriss sorgen können. Zwar beschränkt sich die "Show" auf der Bühne auf ein paar Feuerfontänen, aber ansonsten passiert erstens nicht allzu viel und zweitens könnte man auch bemängeln, dass viele der neueren Songs schlicht und einfach "nur" gut sind und kaum Klassikerpotenzial besitzen. Das ist natürlich zugegeben Jammern auf hohem Niveau und Kracher wie "Nihilism" oder "Boiling Blood" machen schnell wieder so einiges wett.

God Dethroned

Schnell rüber ins Zelt zu THE LURKING FEAR. Bei schwedischem Death Metal mit drei At The Gates-Mitgliedern, u.a. Tomas Lindberg am Mikro, kann natürlich nichts anbrennen. Die Songs vom Debütalbum "Out Of The Voiceless Grave" klingen live schön "dreckig" und fügen dem ansonsten typischen Death Metal noch eine Prise Punk und Crust hinzu. Mit einem vernünftigen Mischer, wäre das alles wohl noch großartiger gewesen...
Zurück zur Hauptbühne zum Duo Infernale - MANTAR. Hanno und Erinc veranstalten wie erwartet ordentlich Radau, was so manch andere Band zu viert oder fünft nicht hinbekommt. Mit Psychoblick, aber trotzdem auch mal lustigen Ansagen, nutzt Hanno die komplette Breite der Bühne aus und wirbelt mitunter wild umher. Erinc drischt derweil auf seine Drums ein und das Publikum frisst dem Bremer/Hamburger Duo förmlich aus der Hand. Und wenn das halbe Party.San "Death über alles!" mitgrölt, darf sich durchaus eine Gänsehaut einstellen. Überragend!

Mantar

Warum ich mir DARKENED NOCTURN SLAUGHTERCULT zumindest teilweise anschaue, weiß ich gar nicht mehr so genau. Man munkelt, es sei Alkohol mit im Spiel gewesen...
Eigentlich ist der Black Metal, den der Vierer seit bald schon 20 Jahren zelebriert, nicht so ganz mein Fall. Ich muss aber zweifelsfrei zugeben, dass die Show und auch so mancher Song durchaus beeindruckend sind und Zeremonienmeisterin Onielar in ihrem weißen Kleid imposant und absolut sehenswert ist.
Im Zelt warten derweil bereits DAWN OF DISEASE, die man sich als Death Metal-Fanatiker immer geben kann. Schön oldschool, schön melodisch und mit ordentlich Spaß inne Backen. Für meinen Geschmack sind sechs Songs in gerade mal 30 Minuten zwar definitiv viel zu wenig, aber der heutige Abschluss auf der Zeltbühne ist den Osnabrückern absolut gelungen. Zumal es mit dem Opener "Perimortal" und "Akephalos" zwei Songs vom morgen erscheinenden neuen Album "Ascension Gate" gibt und das abschließende "Knife vs. Death" endgültig den Sack zu macht.
Nicht wirklich Spaß macht der Auftritt von URFAUST. Mal unabhängig davon, dass die Musik des Duos natürlich Geschmackssache ist, aber mittlerweile schüttet es wie aus Kübeln und noch dazu ist es unangenehm frisch geworden - "Die kalte Teufelsfaust" ist irgendwie bezeichnend. Mir ist das alles irgendwie zu viel Ambient, Avantgarde und ein Gesang, der mir irgendwie so gar nicht zusagt. Ob das auch der Grund ist, warum sich die Reihen vor der Bühne immer mehr lichten, weiß ich nicht. Mein heutiger Tag ist jetzt und hier jedenfalls beendet. Zum gefühlten 50. Mal OVERKILL ist für mich ebenso wenig reizvoll, wie ex-Immortal-Panda ABBATH.


Nachdem wir uns am zweiten Festivaltag zum Frühstück ausgiebigen Wortwitzen und -spieleren zu den beiden ersten Bands des Tages - GUT und DEMILICH - hingegeben haben, stehen bereits um 13:30 Uhr DEMOLITION HAMMER auf der Bühne. Viel zu früh, wie ich finde. Ich hätte eigentlich nie damit gerechnet, diese Band jemals live erleben zu können, umso gespannter war ich natürlich. Trotz der unmöglichen Tageszeit ist es vor der Bühne erwartungsgemäß rappelvoll und die New Yorker feuern die Songs ihrer beiden Kultalben aus den 90er Jahren dermaßen tight und präzise ins Publikum, dass man gar nicht glauben kann, dass die Truppe satte 22 Jahre verschwunden war. Bei unsterblichen Klassikern wie ".44 Caliber Brain Surgery" und dem alles überragenden "Skull Fracturing Nightmare", fühlt man sich plötzlich wieder richtig jung und so mancher muss wohl die eine oder andere Freudenträne unterdrücken.

Demolition Hammer

Mit KALMAH könnte man fast ein bisschen Mitleid haben, direkt nach Demolition Hammer (und vor Vital Remains) auf die Bühne zu müssen. Und so leert es sich vor dieser auch merklich, wenngleich die Finnen mit ihrem doch eher fröhlichen Sound durchaus bemüht sind und hier und da auch auf offenen Ohren treffen. Mir ist das alles zu viel Keyboard, zu viel Orchester- und Sample-Kram aus der Konserve und auch zu viel Children Of Bodom - die man ja eigentlich auch schon seit gut zehn Jahren ignorieren kann.
Eine brennende Bibel zum Intro - kann man mal machen. Dazu dann technisches Gefrickel und mitunter gefühlt nicht enden wollende Songs, verlangen einem durchaus so einiges ab. Vermutlich deshalb standen VITAL REMAINS auf meiner persönlichen Liste auch nie so ganz weit oben. Auch wenn der Death Metal der Amis ultrabrutal und aggressiv daherkommt, Abzüge in der B-Note gibt es nicht zuletzt deswegen, weil Fronter Brian Werner mit seiner speziellen Art irgendwie alles andere als sympathisch rüberkommt, auch wenn ein Übersong wie "Dechristianize" natürlich wiederum völlig kritiklos ist.
Ausnahmsweise liegt es jetzt mal nicht am Wetter, dass es auf dem Festivalgelände mächtig düster wird. UADA sind in Anbetracht der Vielzahl der Zuschauer vermutlich gar kein Geheimtipp mehr, sondern bereits das nächste große Ding. Die vier Kapuzenträger schaffen es auch gänzlich ohne Schminke und albernem Drumherum, eine düstere und klirrende Kälte zu erschaffen, die das Beste aus skandinavischem und US Black Metal vereint und mit klasse Melodien kombiniert. Die Frage, welche Songs vom überragenden Debüt "Devoid Of Light" (Spielzeit: 34 Minuten) dargeboten werden, dürfte bei diesem knapp 45-minütigen Gig selbsterklärend sein. Es ist zwar erst Halbzeit beim diesjährigen Part.San, aber mein persönliches Highlight steht bereits fest.

Uada

Trotz Epik und einem Hauch Folklore, braucht man beim Pagan Metal von MOONSORROW keine Angst vor Flöten, Geigen oder Dudelsäcken haben, was die Finnen somit absolut hörbar macht, zumal man ab und zu musikalisch auch mal ins buchstäbliche Schwarze trifft (was für ein Wortspiel). Einziges "Problem" sind die überlangen Songs, von denen gerade mal vier Stück in die Dreiviertelstunde Spielzeit passen, wovon drei wiederum vom aktuellen Album "Jumalten Aika" stammen. Als einziger "alter Hit" muss heute halt "Sankaritarina" reichen.
Mein einziger Ausflug zur Zeltbühne an diesem Freitag führt mich zu KRINGA. Im Nachhinein bin ich froh, dass ich mir die bis dato unbekannten Österreicher bereits im Vorfeld angehört und mir dann auf meiner Running Order mit "anschauen!" markiert habe. Darkthrone, mit zwischenzeitlicher Raserei und Okkultismus trifft es wohl ganz gut. Das Zelt ist gerappelt voll, allerdings ist es draußen auch mal wieder aus Kübeln am Schütten.
Den Fotoapparat also wetterbedingt schnell ins Auto gebracht und VADER dann unterm Regenschirm "genießen". Keine Ahnung, wie oft ich die Polen in den letzten ein, zwei Jahren gesehen habe, und auch, wenn man eigentlich keine wirklichen Überraschungen erwarten darf (ähnlich wie bei Cannibal Corpse oder Obituary), macht es immer wieder saumäßig Spaß. Das Publikum hält im strömenden Regen tapfer durch und die bestens aufgelegte und eingespielte Band macht das Beste aus der Situation.
Fazit bis hierhin: die Klamotten sind nass, mir ist saukalt und ich bin vom Wetter nur noch angenervt. Und jetzt noch über drei Stunden bis AUTOPSY warten? Puh. NILE und CANDLEMASS mögen es mir verzeihen, aber der warme und trockene Schlafplatz in meinem Auto ist gerade sehr verlockend. Und plötzlich ist es auch schon Samstag...

Der dritte und letzte Festivaltag beginnt für mich - und schätzungsweise 300 weitere Zuschauer - bereits um 11 Uhr im Zelt mit INDIAN NIGHTMARE, von denen ich mir Anschluss noch schnell CD und Shirt zulege. "SpeedMetalPunk" nennt sich das amtliche Gebräu, der in Berlin ansässigen Multikulti-Truppe. Speed Metal trifft auf Punk, mit einer Prise Crust und so einigen ungewöhnlichen, aber absolut passenden hohen Screams von Sänger "Poison Snake" (hehe). Was hier an Sympathie, Energie, Spielfreude und Power geboten wird, macht einfach nur enorm viel Spaß und lässt die eine Stunde leider viel zu schnell verfliegen.

Indian Nightmare

Die Spanier von GRUESOME STUFF RELISH gehören zu den seriösen Vertretern des Grindcore und zocken ihre teils mit Death Metal angehauchten Songs entsprechend bieder und leider auch arg monoton herunter. Die Partyfraktion im Publikum feiert das (natürlich) trotzdem ab, aber der Spaßfaktor, der so manch andere ähnliche Band überhaupt erst sehenswert macht, fehlt hier irgendwie gänzlich. Not my cup of tea...
Die Doom-Death-Trauerweiden MOURNING BELOVETH sind im Anschluss natürlich sowas wie die Stimmungskiller. Mit Wechselgesang und diversen Parallelen zu Primordial haben die Iren ihre Zielgruppe aber entsprechend im Griff, was mit jeder Menge kreisenden Haaren untermauert wird.
Vermutlich interessiert es kaum jemanden, dass MERCILESS seit 15 Jahren nichts Neues mehr am Start haben. Die schwedischen Death/Thrash-Urgesteine leben nach wie vor von ihren Glanztaten aus den 90er Jahren, vor allem natürlich von den Songs vom zeitlosen "The Awakening"-Album, deren tight dargebotenen Songs bestens ankommen.

Merciless

Ich glaube, HADES ALMIGHTY können eigentlich mehr, als sie heute zeigen. Neben modischen Aussetzern, wie die engen Gummihosen, mitunter belanglosen Vocals, einem Stageacting am Rande des Minimums und dem Fehlen von "Alone Walking", ist es vermutlich einfach auch die Tatsache, dass (zu) viel neueres Material gespielt wird, warum sich die Reihen im Pubilum nach und nach leeren. Erst mit "Awakening Of Kings" scheinen die Norweger die Kurve zu bekommen und spielen ihren Gig unspektakulär zu Ende.
Das heutige Motto von CRYPTOPSY ist ganz simpel: Stumpf ist Trumpf! Das 1996er Album "None So Vile" komplett am Stück zu spielen, mag vielleicht etwas riskant erscheinen und in den Augen mancher wohl auch an Körperverletzung grenzen. Krank und brutal ist es allemal. Vor allem die unmenschlichen Vocals, die Matt McGachy aus seinen Lungen presst. Ein Knüppelfest sondergleichen, das so manch andere Kombo des Festival gnadenlos an die Wand spielt.

Cryptopsy

Ein kleines Ausrufezeichen am heutigen Tage und für mich zudem eine positive Überraschung sind NECROPHOBIC. Seitdem das Gitarrenduo Bergebäck/Ramstedt wieder zurück ist, scheinen die Schweden mehr denn je eine wahre Macht zu sein. Mit dem kurzen und knappen Opener "Spawned By Evil" gelingt ein Black/Death-Auftakt nach Maß. Mit Todeskrachern wie "Furfur", Uralt-Klassikern wie "Slow Asphyxiation", oder dem ganz neuen "Pesta" (Titelsong der an diesem Wochenende erscheinenden neuen Single) gibt es im Publikum kein Halten mehr. Das nächste Album könnte ziemlich groß werden...

Necrophobic

INSOMNIUM spielen heute ihr aktuelles Album "Winter's Gate" komplett, denn eine andere Alternative gibt es eigentlich auch kaum. Ein einziger 40-minütiger Song, unterteilt in sieben Parts - es wäre unsinnig gewesen, hier etwas aus dem Album-Kontext herauszureißen. Und so bleibt der Auftritt der finnischen Melo-Deather auch gänzlich frei von anderen Songs - und aus Zeitgründen auch von jeglichen Ansagen.
Um 20 Uhr zur Prime Time werden die Koblenzer Black-Trasher von DESASTER schon sehnsüchtigst erwartet. Es folgt ein teutonisches Hitfeuerwerk, das von Pyros und Crowdsurfern entsprechend begleitet wird. "Hellbangers" oder auch "Damnatio Ad Bestias" werden sympathisch ins Publikum gerotzt. Die anfänglichen Soundprobleme stören wohl niemanden und die Stimmung kocht endgültig beim finalen Doppel "Satan's Soldiers Syndicate"/"Metalized Blood", sowie dem Kreator-Cover "Tormentor". Ganz stark!
Vermutlich spielen POSSESSED ihre "relevanten" Songs, also vom "Seven Churches"-Album, erst gegen Ende. "Vermutlich" deshalb, weil ich mich derweil bereits auf die 350km-Rückfahrt vorbereite und nur noch Songs wie "My Belief" oder "Storm In My Mind" vernehme. Für mich ist das diesjährige Party.San an dieser Stelle zu Ende. MARDUK brauche ich nicht, und TRIPTYKON spielen mir leider viel zu spät.

Nächstes Jahr wird alles besser. Hotel ist gebucht, ich bereite mich intensiv auf drei Tage mieses Wetter vor und dann sollte einem großartigen Party.San 2018 eigentlich nichts mehr im Wege stehen!


Text & Fotos: Marco Zimmer