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Konzert: RUDE - 12.05.2017 - Osnabrück

Location: Bastard Club
Support: Morfin, Incarceration, Minenfeld


Als wäre die Skeletal Remains/Morfin-Tour vor zwei Jahren nicht schon geil gewesen - Rude und Morfin zusammen legen schon in der Papierform noch einen drauf. Schon verwunderlich, dass sich bei solch exquisiter Old School Qualität an einem Freitagabend (!) +/- 50 Zahlende im Bastard Club zu Osnabrück einfinden. Aufgrund der "Masse" wird der Gig gleich in die erste Etage gelegt, was für mich gleich mal eine Premiere darstellt. Es gefällt, man ist noch näher an den Bands, aber es ist auch gleichzeitig der Raucherraum, was eben nicht jedem gefällt … grmpf.


Der Opener ist gleichzeitig auch dafür verantwortlich, dass diese Tour überhaupt nach Osnabrück gelangt, deswegen schon mal ein Extrapunkt für MINENFELD. Das hier ansässige Quartett rödelt primitiven Old School Death Metal in die Runde, der sich aufgrund der Kriegsthematik, aber auch stilistisch in ganze alte Bolt Thrower-Zeiten katapultiert (vor "Warmaster"). Räudig, unschön, brutal. Das mittendrin gezockte "Cenotaph" zeigt zwar (ganz objektiv) die qualitativen Unterschiede zum eigenen Material, aber die Jungs haben bis dato nur eine Split-Kassette (!) draussen, was bedeutet, dass man sich definitiv noch entwickeln wird. Dazu wünsche ich mir, dass sich - mal abgesehen vom Repulsion-Shirt - der Fronter auch in Sachen Bewegung an den Sound seiner Band angleicht. Gut gebrüllt, aber sonst in einer ganz anderen Welt.

Minenfeld

Als nächstes erleben wir eine Doppel-Premiere. INCARCERATION treten zum ersten Mal in Osnabrück auf und nach dem Ausstieg von Basser Björn heute auch zum ersten Mal als Duo. Fronter Daniel da Silva jagt seine Axt einfach durch mehrere Amps, während Drummer Michael wieder dermaßen Gummi gibt, dass ich mich immer wieder frage, wie die Band es schafft, eben nicht über ihre eigenen Beats zu stolpern - unfassbar. Incarceration bieten auch heute Abend wieder die todesmetallische Hölle. Daniel's infernalisches Gebelle in Verbindung mit den fast punkig gezockten Death/Thrash-Riffs, da bleibt kaum einer still stehen und somit gibt es immer mehr Bewegung vor der Bühne. "Devouring Darkness", "Obsessed By Death", "Forsaken And Forgotten" - einfach mal mächtig auf die Fresse bekommen und dabei glücklich sein. Der Energie, die ich bei meinem nun schon vierten Gig der Band erlebe, kann man sich einfach nicht entziehen!

Incarceration

Um es vorwegzunehmen - MORFIN haben mit ihrem Auftritt meine letzten Bedenken zum neuen Album "Consumed By Evil" (just vor einer Woche veröffentlicht) ausgeräumt - hauptsächlich, weil der Hörgenuss aufgrund des schwierigen Drumsounds teilweise stark eingeschränkt war. Die Songs sind aber trotzdem Bombe und laufen zusammen mit den "Inoculation"-Tracks sauber rein. Dazu eine Band, die so auftritt, wie man es von alten Death Metal Bootleg Videos aus den Neunzigern kennt. Hungrig und wild bangend bis der Arzt kommt. Fronter Jesus Romero klingt auch live abartig hart nach Chuck Schuldiner, Songs wie "Carcinogenic Parasite" oder "Reincarnated" machen die Verwechslung manchmal fast perfekt und da sich die beiden Neuen (Drummer Eddie und Gitarrist Mike) sauberst in die Band einfügen, kann man nur zu einem Fazit für diesen Auftritt kommen: Die absolute Old School Death Metal Vollbedienung, die mit den beiden Titelsongs energisch abgeschlossen wird. Geil!

Morfin

"We are RUDE from Oakland/California and we play Rip off Death Metal." So passend und selbstironisch diese Ansage ist, so "anders" die Erscheinung von Fronter/Sänger Yusef Wallace, der aber mit seiner hellblauen Jeans, dem hellen Shirt mit diversen Neon-Farben und seinem "Wayne's World"-Cap so dermaßen lässig und selbstverständlich rüberkommt, dass wieder alles egal ist. Nur ist Yusef die dicke Luft im Raum nicht ganz egal, er verschafft sich Abhilfe per Inhalator und macht zugleich Scherze darüber. Aber nicht nur deswegen hinterlassen bei ihrem ersten Europa-Abstecher die Vier auf jeden Fall in Osnabrück nur zufriedene Gesichter. Ihre beiden Scheiben "Soul Recall" (2014) und "Remnants…" (2017) werden gleichermaßen bedient, "Last Of Us" sogar auf ausdrücklichen Wunsch gespielt, "Torrents Of The Past" buddelt in mir wieder die Vorfreude hervor, die ich verspürte, als der Song als Appetizer auf dem FDA Records-Jubiläumssampler erschien. Es ist eben die ins Hier und Jetzt transportierte "alte Zeit"-Glückseligkeit aus Pestilence, Morbid Angel und Death, mit der sich Rude in die Herzen der Anwesenden spielen. Und spielen können sie ja auch, wenn man mal auf den geslappten Bass in den Blastbeat-Einlagen von "In Thy Name" achtet. Dass das Merchandising in nicht gerade kleinen Mengen den Besitzer wechselt (und das nicht nur bei Rude!), erscheint mir angesichts dieser exzellenten Vollbedienung nur logisch.

Rude

Text & Fotos: Siegfried Wehkamp