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Konzert: SÓLSTAFIR - 12.12.2017 - Berlin

Support: Myrkur, Árstíðir
Location: Heimathafen Neukölln


Die Isländer kommen! Nachdem Sólstafir's mittlerweile sechstes Album "Berdreyminn" im Mai herauskam und wieder ziemlich gut ankam, kommt jetzt die Headliner-Tour. Mit im Gepäck sind die Dänen Myrkur und Árstíðir, die ebenfalls aus Island kommen.


Angefangen wird mit Árstíðir, die mit ihrem Indie-Folk erstmal sehr ungewöhnlich für den Abend sind. Drei Leute, bestehend aus zwei Akustikgitarren und einem Keyboard, ganz ohne Schlagzeug. Mit teilweise isländischen und teilweise englischen Texten geht das Trio dann doch ab und zu in eine progressive Rock Richtung. Die isländische und nordische Mystik wird auch noch mitgebracht. Die Stimmen - es singen alle drei - sind live leider oft zu schrill und blechernd. Generell gefällt es mir aber überraschenderweise besser als ich es erwartet habe. Nach einigen Songs kommt dann noch der Drummer von Sólstafir auf die Bühne, was es dann noch etwas dynamischer und natürlich rockiger gestaltet.

Árstíđir

Als nächstes kommen dann Myrkur aus Kopenhagen. Erst 2014 gegründet und gerade mal zwei Alben draußen, wovon das letzte jetzt erst am 15. September erschien, hat sich die Band um Frontfrau Amalie Bruun bereits einen ordentlichen Namen gemacht. Post Black Metal mit sehr mystischen und nordischen Klängen. Musikalisch klingt es teilweise nach zauberhaftem Elben-Gesang, bis es dann urplötzlich in derbes Black Metal-Geballer wechselt und die elbenhafte Stimme sich in nach Tod krächzenden Geschrei verwandelt. Dazu gibt es dann live noch eine ordentliche Show, die das alles auch noch visuell schön untermalt. Bassist, Gitarrist und Drummer haben alle die gleichen schwarzen Kapuzen auf, während Amalie Bruun ein weißes Kleid trägt. Und natürlich darf überall eine Runde schwarze Schminke nicht fehlen.

Myrkur

Dann kommen Sólstafir auf die Bühne, die direkt mit "Silfur-Refur" von der neuen Platte "Berdreyminn" loslegen. Eine Platte, die ich richtig richtig gut finde. Der Sound ist spitze, wie größtenteils auch schon bei den Vorbands, und vom Gesang klingt es auch ziemlich genau wie von der Platte. Eigentlich super Voraussetzungen, aber irgendwie fängt es mich nicht so ganz, wie ich gedacht hätte. Ich habe die Musik bisher bei langen Autofahrten auf Landstraßen oder an Sonntagen zu Hause gehört. Jetzt, in einem ausverkauften Club mit 800 Leuten, die selbst bei den soften Songs super abgehen, passt das alles für mich nicht so ganz. Der Sänger und Gitarrist Aðalbjörn Tryggvason interagiert super mit dem Publikum und die andern gehen auch gut ab. Von der aktuellen Platte werden schön viele Songs dargeboten, aber auch ausreichend von den alten. Die Fans sind von vorne bis hinten mitgerissen. Die Leute in der ersten Reihe standen schon seit der ersten Band dort. Ordentlich lange wird auch gespielt, obwohl am Ende die Ansagen leider auch immer länger und animativer werden. Im Endeffekt eine super Live-Band. Für mich passt so eine ausverkaufte Show mit super Stimmung, was ich sonst sehr zu schätzen weiß, nicht zu solch mystischer Mucke.

Sólstafir

Text & Fotos: Jörg Kandziora
kandziora-photo.de