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Konzert: GRUESOME - 29.07.2018 - Osnabrück

Location: Bastard Club
Support: Canaima


Es war ja schon im Jahr 2015 eine Premiere, als Gruesome mit "Savage Land" in die Öffentlichkeit traten und ihre Arbeit in vollem Umfang und ohne fadenscheinige Ausreden ganz dem Vermächtnis des Death Metal Unikums Chuck Schuldiner (R.I.P.) und seiner Band Death widmeten.
Zwei Premieren der ganz anderen gibt es am heutigen Sonntag in Osnabrück. Mein erster Besuch einer Matinée und die Tatsache, dass es wohl zum ersten Mal draußen wärmer ist als in den Kellergewölben des Bastard Club.


Einlass 15 Uhr - Beginn 16 Uhr. Es ist nicht das erste Mal, dass der Bastard Club die Matinée-Strategie fährt und es kommt allein schon auf psychologischer Ebene gut an. Dem klassischen "aber Montag wieder früh raus" wird so kräftig der Wind aus den Segeln genommen.
Den ersten Wind machen CANAIMA. Eine Band, die in Osnabrück wohl kaum jemand zu kennen scheint. Da es sie laut eigener Aussage aber ein knappes Jahr gibt, ist das nicht schlimm. Nimmt man die Saunatemperaturen mal als Zusatzargument, kann man aber bestätigen, dass der bunte Haufen applaustechnisch zumindest gut ankommt. Grob beschrieben wird hier grooviger Metal, mit rüpeligen, leicht angedeathten Vocals geboten und obwohl der Sound ziemlich nach dicke Hose klingt, tritt der Vierer nicht so auf. Überhaupt tritt die Band sehr dankbar auf, ihr bulliger Fronter bedankt sich mehrmals, dass man von den Metalheads hier so wohlwollend aufgenommen, da man ursprünglich eigentlich Punk machen wollte. Davon ist wohl nur die Attitüde geblieben, schnelle Eruptionen wie "Vulgar Display Of Slayer" ("…der aber eigentlich gar nicht so heißt…") machen schon Alarm. Nette Visitenkarte vor jetzt schon über 50 Anwesenden, die nach dem Gig auch nicht so recht wissen, ob sie sich dem von der Decke tropfenden Schweiß oder den derben Temperaturen draußen aussetzen sollen.

Canaima

Aber GRUESOME will dann jeder sehen. So wie Death einst gerne mit "The Philosopher" oder "Spiritual Healing" einstiegen, machen es Gruesome eben mit "Dimensions Of Horror" und los geht es in "…das Hingebungs- und Respektvollste, Cleverste und eigentlich auch Genialste an Death-Huldigung, was mir a) jemals untergekommen ist und b) was man eben unmöglich mit dem Wort "Kopie" beschimpfen darf.". (Ich glaube, das habe ich mal geschrieben …). Elf Songs weiß man nicht, ob es die Temperaturen sind, das eigene wilde Headbanging oder die permanente Verwunderung, dass man von Gruesome ja ihre eigenen Songs präsentiert bekommt und trotzdem pausenlos der Geist von Chuck Schuldiner durch die PA wandert. Fronter Matt Harvey (u.a. Exhumed) gibt den Chuck-Soundalike, feuert die anwesende Meute ordentlich an und schwitzt sein "Gegen Nazis"-Shirt bis in die letzte Faser durch - for the love of Death (Metal)! Gus Rios Beats sitzen punktgenau, Dan Gonzales scheint bei seinen James Murphy-Gedächtnissoli nicht mal ins Schwitzen zu kommen und Bassistin Robin Mazen pumpt ein dickes Fundament durch ihre Saiten … und bekommt extra Aufmerksamkeit, da Matt "Seven Doors" als ihren Lieblingssong ankündigt. Zum Schluss ist es aber klar, dass ein Death-Cover her muss. Wie schon auf dem 2016 Party.San Open Air ist "Open Casket" die Kirsche auf dem Kuchen. Aber dieses Mal gibt es noch fette Sahne obendrauf, weil das Osnabrücker Publikum noch mehr will. Und wenn Matt sagt, dass wir eh alle Bescheid wissen, mobilisiert man die letzten Reserven, um aus vollsten Kehlen "Why don't you!" zu grölen. Da ist es auch kein Wunder, dass dem Schreiber dieser Zeilen bei der absolut exakten Darbietung des Chuck-Solos in "Pull The Plug" Tränen der Rührung entschwinden … aber bei der Menge an Schweiß hat das eh keiner bemerkt. Was für ein geiler Abend, was für eine Band, welch ein Vermächtnis - basta!
Abschließend noch mal etwas zur Matinée. Nach dem Gig steht noch ein Interview mit Matt und Dan von Gruesome an (demnächst auf unserer Seite) und trotzdem schlug es punkt 21 Uhr, als das Auto auf dem heimeligen Hof geparkt wird. Das gefällt!

Gruesome

Setlist - Gruesome
Dimensions Of Horror
Trapped In Hell
Forces Of Death
Inhumane
Hideous
Lethal Legacy
Seven Doors
Savage Lands
A Waste Of Life
Closed Casket
Gruesome
Open Casket

Pull The Plug


Text & Fotos: Siegfried Wehkamp