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ACHERONTAS - Amarta

Formulas Of Reptilian Unification Part II

VÖ: 31. Mai 2017
W.T.C. Productions

Zehn Jahre ist es inzwischen her, dass die Griechen (mit englischer und amerikanischer Unterstützung an einigen Instrumenten) ihren Erstling "Tat Tvam Asi" veröffentlicht haben. Vorher war der Frontmann mit seiner Band Stutthof unterwegs, benannt nach einem KZ in Polen. Mit Stutthof gab es eine Split mit Satanic Warmaster. Acherontas soll nun definitiv kein direkter Nachfolger von Stutthof sein, sondern ein komplett neues, eigenes und in sich geschlossenes Projekt. Eine Abgrenzung oder gar Distanzierung ist allerdings in keinem der auf Blogs oder MySpace erschienen Interviews zu entdecken. 2012 erklärt Frontmann V.Priest einem rechtslastigen BM-Magazin, seit 1996, also noch vor der ersten Veröffentlichung von Stutthof, habe sich an seiner Philosophie nichts geändert, er selbst sei aber an Politik nicht interessiert. Die weitere Beurteilung sei dem Leser/Hörer überlassen. Lassen wir dieses problematische Verhältnis zur Grauzone einmal links (oder rechts?) liegen und konzentrieren uns auf den musikalischen Teil: Immer wieder hört man, dass Acherontas gerade nicht den klassischen Griechen-Black Metal machen, sondern sich an skandinavischen Bands orientieren. Nach dieser Aussage und einem begutachten der Bandfotos und Artworks, erwartet man eine ziemlich raue, direkte Black Metal-Kapelle. Auch Naas Alcameth (Nightbringer) als Gastmusiker hat eher erwarten lassen, dass Ambient- und Melodic-Elemente zurückgeschraubt werden. Doch dem ist nicht so. "Amarta" startet mit einem kurzen Intro aus Einzelnoten und bleibt den Rest der Scheibe relativ melodisch (für BM-Verhältnisse). Songs wie "Schism Of Worlds" knüppeln zwar ordentlich los, gehen aber schnell in Parts über, denen neben dem Power-Geriffe nicht nur eine Melodie zur Verstärkung hinterlegt wird, sondern gar Klargesang (wenn auch in Maßen) beigemischt wird. Das alles erinnert ein wenig an eine Mischung aus Necros Christos, (frühen!) Rotting Christ und (frühen!) Satyricon. Amarta weißt durchaus langsamere Parts auf, die, wenn sie nicht zu sehr mit einem wabernden Tasteninstrument hinterlegt sind, die Platte gut auflockern. Gerade beim letzten Track, dem titelgebenden "Amarta" geht dieses Konzept auf: Skandinavisch anmutender, gutturaler Gesang, Klargesang-Elemente, Melodie und BM-Riffs sind alle sehr stimmig und wirken keineswegs gezwungen. Es gibt aber Songs, etwa "Rosa Andromeda", wo dem ein oder anderen Hörer mit Sicherheit die Konsequenz zu einem durchgängigen Black Metal Track fehlen wird, denn "Rosa Andromeda" ist kaum als solcher zu klassifizieren. Der Track wirkt "out of place", sehr episch, man wird unweigerlich an hier nicht genannte, eher unfreiwillig lustige BM-Bands erinnert, dazu kommt ein nochmals mehr deplatziert wirkendes Solo, welches für sich alleine sicher gut klingen würde. Es ist immer ein zweischneidiges Schwert, so diverse Elemente einzubauen. Tut man es gar nicht, wird es langweilig und unkreativ, übertreibt man es, wird es anstrengend. Unkreativität kann man Acherontas nicht ankreiden. Alles andere ist sicherlich Geschmackssache, viele werden eventuell etwas mehr "Kopf-durch-die-Wand" und etwas mehr "Rohheit" erwarten. Dennoch überwiegen deutlich die positiven Aspekte dieser Scheibe, vor allem die Innovation und die durchaus komplexen Songstrukturen. Die können den ein oder anderen überfordern oder unnötig erscheinen, aber "Amarta" ist kaum eine Scheibe zum Saufen, sondern zum Genießen. Die Drums sind brutal-punchig abgemischt, insgesamt dominiert (nicht nur) in Hinblick auf die Produktion der 1990er BM-Sound. Das ist wohl auch gewollt - die Band macht regelmäßig Stimmung gegen den "modernen" Back Metal (und meint damit wahrscheinlich Post-BM). Kann man einen Künstler und seine Kunst trennen? Schwerlich, ist Kunst doch eine sehr persönliche Angelegenheit. Man kann aber anerkennen, dass hier guter, extremer Metal abgeliefert wurde. (jh)

7/10