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ALLES MIT STIL - Chaos

VÖ: 02. Dezember 2016
Alster Records

Alles mit Stil sind sieben junge Herren aus unserem Nachbarland Österreich, die zwischen Rap, Rock und auch etwas Metal ihr Debütalbum zusammengeschraubt haben. Zehn Songs sind darauf vertreten und das Besondere an dieser Band ist, dass fünf der sieben auch bei den deutschsprachigen Vocals mitmachen. Auch wenn auf dem Papier alle drei Genres vorhanden sind, so ist doch das Fundament auf Rap gegründet. Das Problem, was die Herren nun aber haben: ich weiß etwas über Rap und kann daher auch zwischen technisch gutem und technisch nicht ganz so gutem Rap unterscheiden. Man muss wissen, dass Rap im Vergleich zu beispielsweise Pop-Gesang ganz zweifellos den Hauptaspekt auf die Lyrics setzt. Doch leider haben Alles Mit Stil hier ihre größte Schwäche. Lyrics setzen sich zusammen aus: Aussage(-kraft), Technik und der Delivery, also wie bringe ich das Ganze an den Hörenden. Und auch wenn sich das alles gut anhört, da durch die vielen Stimmen ganz unterschiedliche atmosphärische Spielereien angetrieben werden, gehen die Reime einfach voll in die Hose. Der Album-Opener "Nie Mehr" soll in das Album einleiten und diese Aufgabe erfüllt er auch, da rein vom musikalischen Aspekt her auch gezeigt wird, was einen erwartet. Anspornende Gitarren, die einem so eine Art Superhelden-Feeling geben, so manch einer wird da an 90er Jahre Zeichentrickfilm-Intros erinnert. Doch dann kommt der Text und ich weiß nicht, wer dabei federführend war, aber ich möchte einmal den ersten Abschnitt in seiner Gänze anführen:

Kann es sein, dass ich mich nie groß fühl' sag bin ich allein?
Sie steigen dir auf's Bein
machen dich vor anderen klein
werfen 'nen Stein
auch wenn ich befreit loszieh' holt es mich irgendwann ein
beende diese Pein
wir holen dich Heim
gemein-sam
(übernommen nach Gehör)

Die Reime sind allesamt einsilbig und werden in der Rapszene gerne als "Maus-Haus-Reime" bezeichnet, weil jedes Kleinkind so etwas schreiben kann. Und tatsächlich wirkt der Text auch wie von einem Schulkind geschrieben. Es sind allesamt hohle, inhaltsleere Phrasen, die sich nur irgendwie reimen sollen und keine Geschichte oder Emotionen vermitteln können, schlimmer noch: sie sind sogar inhaltlich falsch. Man steigt niemandem auf's Bein, man kann jemandem ein Bein stellen, aber steigen?
Bei anderen Songs, wie etwa "Jeden Tag", welcher von übermäßigem Alkoholkonsum infolge einer Realitätsflucht spricht, kann man auch mal auf technische Aspekte verzichten, denn dieser Song hat wenigstens eine Form von Substanz und Inhalt. Wenn aber Lieder wie "Nie Mehr" da stehen und sogar als Opener, also dem Song, welcher mir Lust auf das gesamte Album machen soll, da ist, lyrisch aber einfach alles falsch macht, dann ist die Grundeinstellung zum Album schon mal dahin.
Zwar kann man mit einigen Songs die Qualität etwas höher schrauben als mit dem Opener, denn durch die musikalische Untermalung gibt es für all diejenigen, die den Text ignorieren können, zumindest etwas angenehme Abwechslung und auch durch die Stimmvariationen gibt es für den reinen Hörgenuss durchaus positive Aspekte. Doch insgesamt verhaut für mich der lyrische Fehltritt auch die Atmosphäre. (zeo)

5/10