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ALPHA TIGER - iDentity

VÖ: 16. Januar 2015
Steamhammer

Drittes Album, drittes Label, dritter "Optik-Wechsel" - aber das hier ist kein klassisches "Make it or break it"-Album, sondern vielmehr ein "Move on and do it"-Album. Es ist schier beeindruckend mit anzusehen, wie diese Band von Mal zu Mal weiter reift. Aktuelle Station - "iDentity". Und "iDentity" ist in seiner Gesamtheit höllisch mutig, weil es im direkten Sinne nicht mit seinen beiden Vorgängern vergleichbar ist. Bis auf die Tatsache, dass der "mehr Alpha Tiger als xy"-Charakter von "Beneath The Surface" hier seinen (vorläufigen?) Durchbruch zu haben scheint. Mit dem eröffnenden "Lady Liberty" (bereits durch die EP bekannt) rennt man schon mal offene Türen ein und dann kommt die Entfaltung. Songs wie "Scripted Reality" und "Long Way To Redemption" formen das gänzlich eigene Gesicht. Die musikalischen Zutaten wurden einerseits zurückgenommen, dadurch bekommen sie wiederum mehr Freiraum, so dass sich der Hörer permanent auf Entdeckungsreise befindet. Und die offenbart im weiteren Verlauf z.B. den großartigen Titelsong, mit seinem raumgreifenden Refrain oder den erwachsenen Speedster "Shut Up & Think". Das Songwriting mag nur im ersten Moment manchmal unschlüssig wirken, weil hier nichts auf "Hit" getrimmt ist, sondern der natürliche Lauf Einzug hält. Und hat man erst einmal den dynamischen Refrain des Finales "This World Will Burn" in den Knochen, kann mir keiner erzählen, dass das nicht Extraklasse ist. Interessant ist übrigens auch, dass die Video-Auskopplung "We Won't Take It Anymore" im hochqualitativen Albumkontext fast schon ein wenig "bieder" ausfällt. Die Wiedergutmachung folgt aber stante pede mit dem fordernden "Revolution In Progress" und dem unerwarteten Highlight "Closer Than Yesterday" - ein Schmachtfetzen mit unglaublich viel Gefühl (Sänger Stephan Dietrich legt seine eigene Messlatte abermals höher) mit AOR- und dezenten Prog-Anleihen, als würde man eine charakterlich (nicht musikalisch) positiv ausgelegte Version von Fates Warning's "Through Different Eyes" hören.
Mit "iDentity" haben Alpha Tiger einen Schritt gemacht, von dem viele Bands immer träumen - so zu klingen, wie sie selbst. Die Höchstnote bekommen sie trotzdem nicht, weil ich mir sicher bin, dass das immer noch nicht alles war. (sw)

9,5/10