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ALPHA TIGER - Man Or Machine

VÖ: 29. April 2011
Sonic Attack

Ich brauche Luft! Also lehne ich mich mal weit aus dem Fenster, hole ganz tief Luft und verkünde: Alpha Tiger könnten die nächste große Hoffnung in Sachen traditioneller Metal aus Deutschland werden. Die ehemaligen Satin Black aus Freiberg/Sachsen, die mit ihrer letztjährigen "Martyr's Paradise"-EP im True Metal Underground durchweg positives Feedback einsacken konnten, sind mit neuem Namen und ihrem ersten Longplayer am Start. Fans der EP und dem darauf eingeschlagenen Weg können sich schon mal freuen, dass bis auf "Heretic" alle Songs auch auf "Man Or Machine" vertreten sind und sich auch prächtig mit den sechs neuen Songs vertragen. Kommen wir also zu den "Neuen". Der Opener "Starriders" ist schlichtweg schon mal ordentliche Traditionskost. Im folgenden "Crimson Desert" setzt die Gitarrenfraktion zum ersten Mal ihre Geheimwaffe ein, die sie im Laufe der CD immer wieder treffsicher abfeuert - diese Doppel-Leads stehen herrlich unkopierend in der Tradition alter Helden wie Iron Maiden aber auch Helloween. Der einfach grandiose Titelsong treibt mir danach Freudentränen in die Augen. Wieder sind es die Doppel-Leads, die im Dreivierteltakt ein herzzerreißendes Flashback an Blind Guardian's selige "Somewhere Far Beyond"-Tage initiieren. Was für ein Song! "Against The Time" ist sowohl textlich und durch weitere Lead/Solo-Exzesse auch musikalisch die größte Verneigung vor der guten alten Zeit - Maiden-Fans werden diesen Song lieben. Neben den prägnanten Gitarren verdanken Alpha Tiger ihr Gesicht dem glasklaren Organ von Stephan Dietrich, den ich ohne Übertreibung als eine Mischung aus Michael Kiske und John Arch (ex-Fates Warning) anpreisen möchte. Wenn der Mann seine Stimme nach oben schraubt, dürfte jedem US- bzw. Endachtziger Euro Metal-Fan das Herz aufgehen. Und auch hinten raus haben die Freiberger noch Überraschungen auf Lager, legen sie mit den etwas härteren "Karma" (mit simplen, aber coolen Drum-Figuren im Chorus) ein bißchen Speed zu und vollenden diesen Weg mit dem fulminanten Rausschmeißer "Black Star Pariah". Hier wird noch mal alles in die Waagschale geworfen und türmt sich zu einem großartigen Ende auf.
Ich bin schlichtweg platt und ebenso ergriffen mit welcher Klasse diese noch junge Band wie selbstverständlich neun qualitativ erstklassige Songs (davon gehen nur zwei unter die 5-Minuten-Marke!) in ihren Silberling gelasert hat. Wenn bei euch Iron Maiden, Fates Warning (mit John Arch, aber ohne Prog), Queensryche aber auch alte Helloween bzw. Blind Guardian immer noch hoch im Kurs stehen, müsst ihr "Man Or Machine" haben! Ganz fette neun Punkte! (sw)

9/10