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AMARANTHE - Amaranthe

VÖ: 22. April 2011
Spinefarm Records

Vergesst alles, was ihr bisher über eingängige Refrains im Metal geglaubt zu haben scheint. Was diese schwedisch-dänische Truppe auf ihrem gleichnamigen Debütalbum abliefert, ist in dieser Hinsicht schier unfassbar. Auch wenn ich mich wiederhole, aber komplexe Songs mit wirr erscheinenden Strukturen kann im Grunde fast jeder komponieren, aber solche unglaublich starken Melodien und Refrains, wie sie Amaranthe hier aus dem Ärmel schütteln, bedürfen einem enormen musikalischen Verständnis. Kein Problem eigentlich, wenn man bedenkt, dass die Bandmitglieder vorher in Bands wie u.a. Soilwork, Nightrage, Dream Evil, HateSphere und Kamelot aktiv waren. Hier sind also zweifelsfrei sechs Vollprofis am Werk - doch kommen wir zur Musik: Amaranthe spielen extrem eingängigen und melodischen modernen Metal. Die Bezeichnung "melodic Death Metal" im Presseinfo lasse ich dabei jetzt mal nur bedingt gelten, wenngleich Vergleiche mit Sonic Syndicate oder auch Raunchy durchaus zulässig sind. Doch Amaranthe haben in ihrem Sound auch jede Menge starke Powermetal-Keyboard-Abfahrten und die bereits erwähnten Refrains, die meist so poppig und süß sind, dass man regelrecht süchtig danach wird. Interessant außerdem, dass man gleich drei (!) verdammt gute Sänger aufweisen kann: Eine Sängerin, fernab von jeglichem dünnen Gothic-Kitsch, und zwei Sänger für die cleanen und gegrowlten Passagen. Speziell letztere lassen dann die leichten (modernen) Death Metal-Einflüsse durchblicken, so dass nicht zuletzt auch gewisse Ähnlichkeiten mit Deadlock aufkommen. Songs wie "Hunger" (die erste Single) oder "Automatic" sind die reinsten Überhits - solch starke Hooks und Melodien schreibt man definitiv nicht alle Tage. Dazwischen eine leicht an Within Temptation erinnernde Schmacht-Ballade ("Amaranthine"), und einige Songs, die vielleicht kompositorisch eher etwas unspektakulär daherkommen, aber dennoch unglaublich viel Spaß machen ("Call Out My Name" oder das abschließende "Serendipity").
Ich kann schon förmlich sehen, wie sich die Kritiker, ewigen Nörgler und selbsternannten Szene-Polizisten die Haare raufen werden, nicht zuletzt aufgrund der poppigen Eingängigkeit von "Amaranthe". Aber das alles geht mir - und der Band vermutlich sowieso - gepflegt am Allerwertesten vorbei, denn alles, was für mich zählt, ist ausschließlich die Musik, und nicht, was man darf, was man nicht darf, oder in welche Schublade man gehört. Amaranthe haben ein absolut starkes Debütalbum abgeliefert, das - wie bereits erwähnt - regelrecht süchtig macht! (maz)

8,5/10