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AMON AMARTH - Jomsviking

VÖ: 25. März 2016
Sony Music

Am 26. Dezember 2000 spielten Amon Amarth im verblichenen "Circus Musicus" in Märschendorf vor einer spärlichen Kulisse. Vier Bands durften anheizen (darunter heute noch bekannte Namen wie Fallen Saints und Purgatory) bis die Schweden, mit ihrem zweiten Album "The Avenger" und dem neuen Song "Masters Of War" im Gepäck, alles kurz und klein hackten. Warum schreibe ich das? Weil es ein Beweis dafür ist, dass sich Amon Amarth mit jahrelanger, schweißtreibender Arbeit von ganz unten dermaßen hochgearbeitet haben, dass man einfach seinen Hut davor ziehen muss. Aktueller Stand: "Jomsviking" beim neuen Label Sony Music. Zählt man die Ausdehnung der klassischen Metal-Elemente, die sich ja bereits auf dem Vorgänger "Deceiver Of The Gods" breit ankündigten, dazu, die vermehrten klassischen Refrains und … Stop, nicht zu viel verraten - ja, ich kann die trotzdem völlig unnötigen "Ausverkauf!"-Rufe bis zu einem gewissen Grad verstehen. Trotzdem werde ich da nicht mitziehen. Nicht, wenn der knallige Opener "First Kill" gleich nach dem ersten Refrain mit diesen unwiderstehlichen Gitarren-Harmonien aufwartet, die der geneigte Fan seit "Sorrow Throughout The Nine Worlds" (also ich!) so liebt. Ähnliches passiert in "Raise Your Horns" - ja, der Titel liefert Feuer für weitere Scherze, der Mitsingpart musste wohl sein, aber der Song ist trotzdem klasse! Der große Abschluss "Back On Northern Shores" mit seinem speedigen Mittelteil thront auch völlig kritiklos. Und beim beklemmenden "One Thousand Burning Arrows" kratzt das Solo an der "Victorious March"-Trauer. Nur Kleinigkeiten? Und wenn schon. Bei Amon Amarth ging es immer steig voran. Und es gibt meines Erachtens nach andere Bands, denen man weitaus mehr "Verweichlichung" im Laufe der Jahre unterstellt. Was will ich euch sagen? Dass ich einen Song wie "One Against All" richtig saustark finde, obwohl man in den ersten 30 Sekunden nicht unbedingt an Amon Amarth denkt. Gleiches gilt für den Mut, mit "Vengeance Is My Name" mal komplett neues Rhythmus-Terrain zu betreten. Und dann wäre da noch das Ding mit dem Konzeptalbum, welches "Jomsviking" nun mal ist. Konzept = Story = mehrere Charaktere - womit wir bei "A Dream That Cannot Be" wären, in dessen weibliche Rolle niemand Geringere als Deutschlands Metalqueen Doro (!) geschlüpft ist. Erst war ich geschockt. Doch schnell stelle ich neidlos fest, dass Doro die wahrscheinlich nicht nur beste, sondern auch einzig mögliche Besetzung hier ist. Der Song ist top und Doro's Performance richtig gut! Nicht auszudenken, wenn das irgendeine Träller-Else übernommen hätte …
Das Beste daran ist, dass ich mir nicht mal ansatzweise so vorkomme, als müsste ich eine Antihaltung gegen alle Verweichlichungsvorwürfe der Band gegenüber einnehmen - nein, ich zähle nur Fakten auf, weil "Jomsviking" ein verdammt starkes Album ist! (sw)

8,5/10