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ANNIHILATOR - Feast

VÖ: 23. August 2013
UDR

Man muss vor Jeff Waters wirklich den Hut ziehen. Annihilator gehören bestimmt zu den von Line Up-Problemen geplagtesten Bands der Szene, trotzdem legt man just den bereits 14. Longplayer seit 1989 vor. Und bis auf vielleicht "Remains" hat Jeff nie wirklichen Blödsinn abgeliefert. So auch hier nicht. Man hört förmlich, wie hungrig die Band immer noch ist. Das Eröffnungstrio aus "Deadlock" (mit klassischem Annihilator-Chorus), "No Way Out" und dem schlichtweg coolen "Smear Campaign" (mit geil thrashigem Mittelpart und Vocal Duell von Dave Padden und Jeff Waters) legt wie eigentlich schon beim Vorgänger richtig vor. Danach muss ich leider gestehen, dass die Griffigkeit dezent nachlässt. Die sehr wohl schöne Ballade "Perfect Angel Eyes" ist gemäß ihrem Titel schon cheesy, die kurzzeitige Red Hot Chilli Peppers-Rhythmik in "No Surrender" schreibe ich einfach der Craziness von Jeff Waters zugute und lustigerweise hätte "Fight The World" bei genauem Hinhören als Instrumental besser funktioniert. Dagegen knallt der flotte Halb-Punker "Wrapped" mit Danko Jones als Gastsänger sehr gut - versucht mal den Chorus fehlerfrei und verständlich über die Lippen zu bekommen.
Alles in allem ist "Feast" ein gutes Annihilator-Album mit ein paar Ausschlägen nach oben geworden, getragen von den Flitzefingern von Herrn Waters und hörbar noch längst nicht auf dem Altenteil, doch immer dicht hinter (Betonung liegt hier auf "hinter") der Vergangenheit.
Womit ich bei der Limited Edition-Version von "Feast" wäre, für die ich eine Empfehlung aussprechen möchte. Hier wurde 15 Mal ins Archiv gegriffen und im aktuellen Line Up neu aufgenommen. Alle wichtigen Klassiker sind dabei und dieser Überblick zeigt gleich Mehreres auf. Spieltechnisch es alles so brillant, als würde es direkt von den Original-Bändern kommen und auch der Enthusiasmus bleibt erhalten. Die "Waking The Fury"-Scheibe könnte wirklich einen neuen Sound vertragen (nachzuhören bei "Ultra-Motion"). Dave Padden ist ein guter Sänger, dessen Kurve hörbar nach oben geht. Doch ihm fehlt leider das Format eines Joe Comeau und auch die Rotzigkeit von Randy Rampage (hingegen funktioniert "Bloodbath" sehr gut). Dafür liegen ihm die melodischeren Bereiche von Coburn Pharr und Aaron Randall erstaunlich gut (Überraschung - "No Zone"). Und zu guter Letzt - wo zur verdammten kanadischen Hölle bleibt die Reanimierung von "City Of Ice"?! Verdammich noch eins! (sw)

8,5/10