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ASHBURY - Eye Of The Stygian Witches

VÖ: 28. September 2018
High Roller Records

Entschleunigung - schon davon gehört? Es bezeichnet das gut nachvollziehbare Streben danach, es in der heutigen Zeit etwas langsamer angehen zu lassen. Ashbury tun das. Das legendäre "Endless Skies" ist 35 Jahre alt. Es ist eines dieser Alben, das gleich in mehreren Subkulturen als unsterblich und seiner Zeit weit voraus geschätzt wird. Und so kam erst 2004 endlich das zweite Album "Something Funny Going On" und plätscherte in Belanglosigkeit dahin - mit einem Re-Release in 2010. Wir sprechen ungern davon. Dann, jetzt, 2018, ja, nach 35 Jahren, "Eye Of The Stygian Witches". Ashbury veröffentlichen weniger als alle zehn Jahre ein Album.
Die gute Nachricht: Die Gänsehaut ist endlich zurück. Denn Ashbury versuchen nicht, erneut "Endless Skies" nachzueifern oder in eine Singer-Songwriter-Sparte abzudriften, sondern machen einfach ihr Ding. "Eye Of The Stygian Witches" klingt nach Blues, Folk, Southern, Proto Hard Rock. Der Opener "End Of All Time" besticht mit gewohnt melancholisch-warmen Vocals, einem, zugegeben, seichten Riff, aber phänomenalem Solo. Das folgende "Good Guitar" bringt die Südstaaten-Wurzeln der beiden inzwischen gealterten Jungs deutlich zum Ausdruck. Das Riff fühlt sich an, wie eine Hochzeit aus Lynyrd Skynyrd und Wishbone Ash. Wie bei allen Riffs auf diesem Album, vielleicht abgesehen von der Ballade "Summer Fades Away", schaffen die beiden Brüder es, die Rhythmusgitarre "fließend" klingen zu lassen, als würde sie wie selbstverständlich Stimme und Melodie begleiten.
Die ganze Platte scheint in "Waited So Long" zu gipfeln. Das 9-minütige Epos ist gespickt mit hypnotisierenden Soli und wirklich, wirklich guter instrumentaler Arbeit. Und doch kommt noch mehr: Der namensgebende Track "Eye Of The Stygian Witches" setzt noch einen drauf, wo eigentlich ein Gipfel mit viel Schnee war. Thematisch in der griechischen Mythologie angelegt, führen uns die Jungs durch ein oldschooliges Hard Rock-Abenteuer, entspannt, nicht kitschig, nicht cheesy, einfach erwachsener Hard Rock mit vielen Einflüssen. "Amber Glass" und das instrumentale "Celtic Cross" sind ein wenig unspannend, wobei ersterer "Endless Skies" erwähnt und somit zumindest jedem Fan ein Lächeln abringt. Dafür entschädigt jeder andere Song doppelt.
Übrigens: Das ganze Ding ist mit einem Drumcomputer aufgenommen. Der ist nicht besonders gut, nimmt dem Ganzen aber verblüffend wenig Charme. Das liegt vor allem daran, dass hier die Gitarrenarbeit und die Vocals die ganze Magie ausmachen. Und was für eine. (jh)

9/10