Impressum Startseite
Reviews Interviews Live Specials

ASTEROID - III

VÖ: 11. November 2016
Fuzzorama Records

Asteroid sind inzwischen eine feste Größe in der breiten Doom-, Stoner- und Psychedelic-Szene. Und dennoch haben Asteroid nie die Schallmauer durchbrochen, nie diese kleine Grenze übertreten, nach welcher hinter vorgehaltener Hand leise "Hipster!" gehustet wird. Der Vergleich mit Bands wie Kadaver oder späteren Graveyard hinkt also nicht nur musikalisch, sondern auch bezogen auf die Mentalität, denn: Asteroid versprühen einen nerdigen, fast streberhaften Charme. Die Anleihen an die 60er und 70er Jahre sind so authentisch, wie kaum woanders, allenfalls Jex Thoth und Uncle Acid & The Deadbeats sind damit vergleichbar. Die ersten beiden Alben "Asteroid" und "Asteroid II" haben die Messlatte in luftige Höhen gehängt. Doch, zumindest in dieser Hinsicht, überzeugt auch "III". Der Wiedererkennungswert ist gewaltig, unvermittelt denkt der Hörer bei den ersten Tönen an Schlaghosen und Lennon-Brillen.
Der Opener "Pale Moon" erinnert gar Anfangs an The Doors, ist insgesamt sehr ruhig und kommt beinahe ohne das klassisch-treibende Riff aus. Das könnte dem ersten Hartkern-Fan Sorgen machen, Asteroid seien in softere Gefilde abgetaucht. Zwar bleibt auch "Last Days" noch recht ruhig, kommt aber dennoch mit einem amtlichen Doom-Riff daher. "Til Dawn" hat dann als erster Song das so bekannte Fuzz-Kleid an und wird auch von einem weit bluesigeren Gesang begleitet, als die beiden ersten Tracks. Es ist nicht immer konstruktiv, aber Künstler, deren erstes Album derart eingeschlagen ist wie bei Asteroid, müssen es sich gefallen lassen, an diesem Debüt gemessen zu werden. Und hier kann relativ objektiv festgestellt werden: Die Jungs aus Schweden fangen dieses Album zumindest deutlich bedächtiger an, als die vorherigen. Das ist erst einmal keine Wertung, sondern nur eine Feststellung, denn die Authentizität, von der zu Beginn gesprochen wurde, ist auch hier präsent. Nur eben weniger "nach vorne", wie der Amateur-Kritiker so gerne sagt. Erst im ersten Drittel von "Wolf & Snake" nimmt das Album dann deutlich härtere Formen an, die Rhythmusgitarre röhrt in Achteln dahin und das schön harmonische Solo ist gut integriert. Im letzten Drittel geht der Song, durchaus nicht ganz nahtlos, in einen stampfenden Doompart über, der sich bitterböse vom bisherigen Rest abhebt. Um das wieder zu kompensieren, ist das anschließende "Silver & Gold" ein komplett aus Einzelnoten, leichten Percussion und Vocals bestehendes Ritual - mit zehn Sekunden Stille am Ende des Tracks. Kunst? Auf jeden Fall eine gut Pause, bevor das Album in das absolute Highlight "Them Calling" übergeht. Das Riff ist einfach und genial gleichermaßen, der Text pathetisch, in gutem Sinne. Der Rausschmeisser "Mr. Strange" ist dann vor allem für Vocal- und Gitarrenfetischisten nochmal ein Schmankerl, recht bluesig und mit eingängigem Hauptthema.
Dass hier ausnahmsweise wirklich jeder Song angesprochen wird, hat seinen Grund, denn irgendwie ist "III" ein wenig loser zusammenhängend, als die vorherigen Alben. Insgesamt ist die Platte durchaus etwas leichtere Kost als sonst, qualitativ jedoch fast auf Augenhöhe mit den Königen des Genres. Liebhaber von Songs wie "Great Unknown" oder "Doctor Smoke" könnten aber den letzten Kick vermissen. (jh)

8/10