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ATHEIST - Unquestionable Presence (Re-Release)

VÖ: 25. Juli 2015
Season Of Mist

Den Song "Enthralled In Essence" hörte ich zum ersten Mal auf dem "Monsters Of Death"-Sampler des Rock Hard Magazins 1992. Neben Schlächtern wie Dismember, Morbid Angel, Immolation, Unleashed oder Gorguts, waren Atheist ziemlich abgefahrener Prog Death-Tobak, der - zumindest mit diesem Song - für mich noch technisch akzeptabel und nachvollziehbar war. Der Song blieb, die CD "Unquestionable Presence" (1991) hatte ich nur ein einziges Mal beim Plattenhändler meines Vertrauens gehört und war überfordert. Doch die Zeit heilt alle Hirnwindungen und auf einmal erstrahlt durch diesen Re-Release ein Album in neuem Glanz, den ich vor über 20 Jahren schlichtweg nicht verstanden habe. Vergleicht man "Unquestionable Precense" mal mit dem, was sich heutzutage so Mathcore, Tech Death oder Prog Death schimpft (und ich rede hier nicht von Koryphäen wie Obscura, Spheron oder Beyond Creation), fällt eines ganz besonders auf: Atheist haben Songs geschrieben, die keine Aneinanderreihung von Scalen, Breaks und Blasts waren, sondern es waren richtige Songs, die dem Hörer auch noch etwas erzählten. Death Metal steckte in jedem Song und speziell die Soli klingen trotz der ansprechenden, transparenten Produktion überraschend aggressiv. Sänger/Gitarrist Kelly Schaefer sprach auch gerne von "Death Jazz". Es verwundert also nicht, dass Atheist sich speziell mit diesem Album auch Freunde im Watchtower/Coroner-Lager machten. Aus heutiger Sicht ist das ultra-spannend, technisch schwer beeindruckend, dennoch keinesfalls "durcheinander". Ein Album zum immer wieder entdecken. Und die neun Bonus Tracks sind dann erst richtig für die Musiker unter euch, denn die Demos klingen roher, zwei davon nur als Instrumentale und drei kommen als "Drum & Bass" (nicht das, was ihr denkt) bzw. Rhythm Tracks daher. Viel Spaß beim Finger verknoten. Die ganz Waghalsigen freuen sich natürlich auf die Bonus-DVD mit einem raren Auftritt von 1990 und noch einiges mehr!
Fazit: Wäre ich in jungen Jahren doch etwas mutiger gewesen … dann liebe ich dieses Album halt erst ab jetzt! (sw)

8,5/10