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ATLANTEAN KODEX - The Golden Bough

VÖ: 01. Oktober 2010
Cruz del Sur Music

Irgendwann musste diese Band ja meinen Weg kreuzen. Beim Keep It True-Festival 2009 nur wahrgenommen, hier nun der erste "echte" Kontakt. Aber was für einer! Von diesem Epic Metal Hammer sollte sich ein gewisser Joey mit Mayo mal seine Fritten durchbrutzeln lassen, die in letzter Zeit ja nur noch labberig auf dem Teller landeten. Auch wenn der Vergleich passt, will ich hier nichts in Lächerliche ziehen. Hier zählen musikalische Fakten und davon haben wir einige. Im Underground brodelten die Bajuwaren ja schon einige Zeit, und sorgten für regelrechte Euphorie-Wellen in den Reihen der klassischen Epic Fans. Das feine Label Cruz del Sur (u.a. Crescent Shield, Pharaoh) sorgt nun dafür, dass der erst Longplayer der breiten Masse zugänglich gemacht wird. Danke! Denn wer eine CD mit zwei 10-Minütern eröffnet, und dem Hörer danach trotzdem ein "mehr davon" entlockt, der ist für größere Taten bestens gerüstet - und auch bestimmt. Mir selbst fällt es schwer, die richtigen Worte für "A Study In Magic And Religion" (so der Untertitel) zu finden. Doch genau danach klingt es. Das Material hat durchweg eine wirklich magische, ja sogar teils sakrale Atmosphäre (der Hall wirkt über Kopfhörer richtig erhaben), der selbst ich mich als Epik-Unwissender nicht entziehen kann. Eingebettet in einen warmen, organischen, aber trotzdem kraftvollen Sound, entfalten sich hier wunderschöne Melodien (im Finish von "Temple Of Katholic Magick" muss ich doch fast an While Heaven Wept's "The Furthest Shore" denken), gepaart mit mächtigen Riffs und treibenden Drums, die selbst im vorwiegend doomigen Tempo die richtigen Akzente setzen. Ein Song wie "Disciples Of The Iron Crown" zeigt darüber hinaus, dass die Band auch mit angezogenem Tempo ihren heroischen Charakter aufrecht erhält. Das kann nicht jeder in diesem Bereich, und klingt bei Atlantean Kodex einfach nur ganz, ganz groß! Einziges "Manko" ist in meinen Augen (und Ohren) der Gesang. Gerade in deutschen Landen wird bei großer musikalischer Kunst gerne mal ein mittelmäßiger Sänger bemängelt. Ich sehe es nicht sooo schlimm - Sänger Markus Becker macht seine Sache mehr (mehr!) als ordentlich, und ist weit genug entfernt vom genannten Kritik-Klientel. Es muss ja nicht gleich ein Robert Lowe oder ein junger Eric Adams sein. Doch für den Charakter eines Fronters, der dem hochklassigen Material noch mal einen drauf- und sich selbst auch durchsetzt, fehlt noch ein kleines Stück. Daher ein halber Punkt Abzug in meiner ganz persönlichen B-Note. Und für die Höchstnote bin ich diesem Genre eh nicht verfallen genug. Untern Strich zählt dennoch die Musik und da steht fest - "The Golden Bough" ist eines der stärksten deutschen Alben der letzten Jahre! (sw)

8,5/10