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ATREYU - Long Live

VÖ: 18. September 2015
Spinefarm Records

Atreyu sind ein Urgestein der Szene. 1998 gegründet und noch immer nicht unterzukriegen. Auch wenn es mittlerweile sechs Jahre her ist, dass ein Album der US-Amerikaner das Licht der Welt erblickte, zeigen sie uns, dass sie wieder mitreden wollen und stürzen sich mit 13 neuen Songs in die Musiklandschaft. Mit dabei ist beispielsweise "Start To Break", welcher bereits eindrucksvoll zeigt, was man von Atreyu zu erwarten hat, und unter anderem starke Gitarrensoli, die klare Metal-Ursprünge haben und dazu "Lückenfüller-Riffs", die man aus dem Metalcore kennt, und die quasi nur den simplen Hintergrund zu dem Gesang bilden. Komparativ gesehen, erzeugt die Band damit zwei vollkommen unterschiedliche Welten der Qualität der Gitarren, denn die simplen Parts haben heutzutage wirklich Schülerband-Niveau und auch wenn es vor zehn Jahren wie die Erfindung des Rades wirkt, wenn man mit der Handfläche die Saiten der Gitarren abdämpft, ist es heutzutage einfach zum Klischee mutiert. Und das ist eins der größten Auffälligkeiten des neuen Albums "Long Live". Man ist nicht in der Moderne angekommen. Man hat ein Album rausgebracht, welches exakt dem Stil von Atreyu entspricht. Heute so wie vor zehn Jahren. Jeder alteingesessene Hardcore-Atreyu-Fan wird jetzt sagen, dass es eben ein Album für die Fans ist, die früher den Stil gefeiert haben und ihn in die heutige Zeit zurückholen, aber (und ihr wusstet, dass diese "aber" kommt) es ist ein großer Unterschied zwischen sich-selbst-treu-bleiben und sich musikalisch nicht weiterzuentwickeln. Als ich 15/16 Jahre alt war, lief Atreyu auf meinem 128MB MP3-Player rauf und runter. Und mein "Ich" vor 7/8 Jahren hätte dieses Album geliebt, weil es genau das hat, was man sich damals gewünscht hat. Zwischen rauchig-undeutlichem Geschrei, der klingt, als wenn dem Frontmann jedem Moment der Kehlkopf aus dem Mund ploppt, und glasklaren Hooks, hat "Long Live" als Album absolut das Atreyu-Feeling. Aber das, was damals einzigartig war, ist heutzutage bis an die Grenzen der Perversion ausgelutscht, durchgekaut und ausgespuckt. Atreyu waren sicher damals Vorbild für vieles von dem, was heutzutage abgekupfert wird, aber auch die Musikszene schläft nicht. Wer rastet, der rostet und bei Atreyu müsste man definitiv mal Nachschleifen und neuen Lack aufsprühen, um in der heutigen Zeit anzukommen. Für Nostalgie aber ist hier jede Menge Raum geboten und wer früher Fan war, ist es auch nach diesem Album noch - man sollte aber keine Überraschungen erwarten. (zeo)

7/10