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ATTILA - Guilty Pleasure

VÖ: 28. November 2014
Razor & Tie

Attila aus den USA bringen mit "Guilty Pleasure" das Gangster-Rap-Album raus, auf welches ihr euer Leben lang gewartet habt. Doch Moment, sind wir hier nicht bei mega-metal.de? Eigentlich schon, doch ist die Abgrenzung bei Attila hier etwas schwierig gestaltet. Das gesamte Konzept des Albums ist ausgelegt wie ein Rap-Album.
Titel wie "Hate Me", "Rebel" oder auch "The Cure" sind durchzogen von reinem Rap-Gangster-Gepose. Wer hier lyrischen Tiefgang sucht, der schaut lieber, ob Kafka auch in der Abteilung für Kochbücher steht. Das gesamte Album lässt sich textlich reduzieren auf: ''Ich bin der Geilste, lutsch' meinen Schwanz, ihr seid alle neidisch, Hater und sowieso wertlos''. Wer also ernst gemeinte Musik hören möchte, der wird "Guilty Pleasure" höchstens als Frisbee-Scheibe so weit er kann wegwerfen. Auch Rap-typische "Skits" (meist ohne Instrumente gesprochene kleine Geschichten) wurden mehrfach eingebaut und vermitteln weiterhin den Eindruck, dass es systematisch ausgeschlossen werden kann, hier ein Metal-Album vorliegen zu haben.
Doch Attila schaffen es dann doch irgendwie die Kurve zu bekommen und wer bereits die vorherigen Alben kennt, weiß, wie die Band ihren Crossover umsetzt. Breakdowns, Breakdowns und nochmal: B-r-e-a-k-d-o-w-n-s sind das Markenzeichen und die größte Stärke der Band, ihre Fans in den Bann zu ziehen.
Abgerundet mit Doubletime (das heißt, man singt/rappt auf einen Takt doppelt so viele Silben - in einem 4/4 Takt also acht Silben pro Takt) was für das Genre eher untypisch ist und eigentlich auch aus dem Rap kommt. Außer Attila-Frontmann Chris "Fronz" Fronzak, ist Phil Bozeman (Whitechapel) der einzige weitere mir bekannte Sänger, der das umsetzt.
Da Fronzak auch als Rapper unter dem Namen "Fronzilla" unterwegs ist, dachte ich, dass Attila diesen Aspekt streichen werden, doch sie haben nichts an dem etablierten System geändert und behalten Vokale Akrobatik par exellence bei. Vom schrillen Screamen, starken Shouts und tiefgurgelnden Growls abgelenkt, kann man dann wohl auch an der einen oder anderen Stelle mit den Rap-Einlagen leben lernen. Instrumental gesehen, bieten Attila viel Abwechslungsreichtum - sowohl simples Riffing in den Breakdown-Parts, aber auch starke Gitarrensoli und -melodien. Atmosphäre findet sich ebenfalls in den Songs und wird szenisch sehr gut eingebunden.
Was bleibt also? Ein verdammt starkes Album, das instrumental und stimmlich innovativ und brachial ist. Doch so wie Attila polarisieren, wird es darauf hinauslaufen, dass man dieses Album nur lieben oder hassen kann. Für mich ist es trotz der lyrischen Katastrophe (wofür es Punktabzug gibt) eines der besten Metalcore-Alben des Jahres. Ich freue mich auf mehr! (zeo)

8,5/10