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AUTUMN'S DAWN - Gone

VÖ: 12. September 2014
Eisenwald Tonschmiede

Schubladen-Alarm! Auch wenn sich dieses australische Duo mit seinem Debüt-Album ganz lose zwischen Post Black Metal und depressivem (Studenten) Rock (quasi Shoegaze, nur in "schneller") platziert, ist eine Kategorisierung nur anhand von unmusikalischen Schlagwörtern möglich. "Gone" ist in seiner Gesamtheit hochemotional, melancholisch bis ins Mark, teils tief depressiv, ergreifend, verzweifelt, wie die Vertonung der unvermeidlichen, menschlichen Endlichkeit und trifft den Hörer im tiefsten Punkt der Seele - sofern diese nicht schon aus ignoranter Abgestumpftheit irgendwo vergraben wurde. Die Herren mit den gar trefflichen Pseudonymen Anguish und Sorrow haben den Bogen raus - Letzterer ist durch seine Arbeit mit Austere, Woods Of Desolation oder Grey Waters schließlich auch kein unbeschriebenes Blatt. Und so kommt es, dass der Schreiber dieser Zeilen zuerst Schwierigkeiten mit diesem Wechselspiel zwischen verzweifelter Wut und erschütternder Fragilität hatte (speziell die Clean Vocals von Sorrow haben doch eine nicht wegzudiskutierende Emo-Klangfarbe), doch nach über zehn Durchläufen (macht über sechs Stunden Tristesse) hat "Gone" gewonnen. Die Seele wird durch Schmerz gereinigt, das Leben erscheint in einem neuen Licht und alles war doch gar nicht so schlimm.
Mit dieser Art von Melancholie muss man schon umgehen können. Musikalisch bekommt man mit "Until My Corrodes With Rust" (der Chorus ist so dermaßen ergreifend), "Blank Stare, Dead Eyes" (wieder so eine Hookline und in den Strophen wie der kleine Bruder von Entwine), "Grace Of The Grave" oder dem nach hinten raus explodierenden "Through The Rusted Gates Of Time" ganz großes Gefühlskino geboten - und das betrifft auch die geschätzte Männerwelt. Ich liebe solche Überraschungen! (sw)

8,5/10