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AVATAR - Black Waltz

VÖ: 16. November 2012
Gain Music

Wie man sich irren bzw. verändern kann. "Melodischer Schwedentod, der zwar teilweise recht vorhersehbar ist, aber schon dynamisch rüberkommt" waren meine Worte, als die Band Anfang 2008 im Vorprogramm von Obituary und Holy Moses in Deutschland zu Gast war. Auf "Black Waltz" scheint mir eine komplett andere Band am Werk zu sein. Und ich frage mich, was wollen sie mir verkaufen? Da wäre der Opener "Let Us Die" - ein kurzer, netter Midtempo-Groover mit ein bisschen Bombast und einem Chorus, der keiner ist - schon mal ziemlich unspektakulär. "Torn Apart" - nun, wer Anfang des Jahrtausends in der Disco zu Marilyn Manson oder Nine Inch Nails gebangt oder ge-"Gothic-Walk"-ed hat, wird den Groove mögen, nicht aber den lahmen "Chorus" und die Tatsache, dass diese über sechs Minuten (!) eine völlige Verschwendung von langweiligen Grundzutaten darstellen. Ein leichter Ruck bei "Ready For The Ride". Man mischt die Schwedentod-Basis mit einer Art Slipknot-Craziness, doch die Inszenierung ist abermals unspektakulär. "In Napalm" ist wieder sowas "Tanzbares", mit dem Versuch eines Pain-Chorus, der nicht mal ansatzweise zündet. Dass der Titelsong einen Dreivierteltakt haben muss, war klar, macht den Song bis auf ein paar nette Gitarrenharmonien aber auch nicht besser. "Blod" zeigt, dass pure Energie auch hier nicht die Mittelmäßigkeit des Materials vertuschen kann. Dass"„Let It Burn" in den Staaten zu den meistgespielten Songs des Frühlings gehörte, wundert mich gar nicht - die Mischung aus einem Country-adaptierten Riff und Marilyn Manson-Abklatsch-Vocals schmeckt den Amis bestimmt … ein Hit ist DAS aber nicht. "One Touch" - belangloser Album-"Standard". "Paint Me Red" - Tempo raus, "Epik" rein, den Chorus wieder mit dem Wunsch nach Pain-Format - die meinen das immer noch Ernst?! Bei "Smells Like A Freakshow" haben wir wieder den besagten Hartwurst/Industrial-Disco-Groove in einem herrlich nichtssagenden Song. Und ultimativ quält "Use Your Tongue" den Hörer 9 Minuten und 35 Sekunden mit einem harten Downbeat und nervigen Mundharmonika-Passagen (!). Der Song macht aus dem Album schlussendlich eine Eigenkarikatur.
So - habe ich jetzt zu viel geschrieben? Nein, es muss nur einfach so offen gesagt werden. In einer Zeit, wo In Flames, Rammstein, Slipknot oder System Of A Down Maßstäbe jenseits so mancher messbaren Grenze gesetzt haben, glauben Avatar doch nicht ernsthaft, mit einem gerade mal halb-lauen Aufguss irgendetwas reißen zu können/wollen? Für mich ist "Black Waltz" ein schlechter Witz. (sw)

4/10