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BONEHUNTER - Children Of The Atom

VÖ: 28. September 2018
Hells Headbangers

Bonehunter aus Finnland werfen ihre dritte Scheibe auf die Menschheit - Metalpunks der Welt, eröffnet die Dosensuppen! Obwohl, wenn man sich die Diskografie einmal genauer ansieht: 16 Releases zwischen 2011 und 2018, nicht mitgezählt der Beitrag zur Compilation "Metal Punk Up In Your Ass Vol. 2". Das erklärt den Kultstatus nach gerade einmal zwei halbstündigen Alben. Zumindest die letzten Full-Length-Alben waren einen Mischung aus Venom auf Speed, Abigail, Barbatos und Discharge. Wer übrigens nur diese beiden Alben kennt, dem sei das Tribute-Handwerk von Bonehunter ans Herz gelegt. Denn mit diesen kurzen Tonträgern können Hörer wunderbar nachempfinden, woher die Finnen ihre Inspirationen kriegen: Die "Barbatos Brutalities" von 2013 und "Devil Must Be Driven Out With GISM" von 2015.
Okay, nun aber "Children Of The Atom". Zugrunde liegt der ganzen Platte der gewohnte, schnelle D-Beat, das typische, von Tez Roberts geprägte Bupp-U-Dupp-U-Du. Eine der wenigen Ausnahmen: Der Opener "Demonic Nuclear Armament" beginnt mit klassischen Metal-Beats und tendiert auch sonst eher in Richtung Black-Thrash. Bass-Fetischisten können aber aufatmen: Bassist Witch Rider setzt mit seinem knarrigen, verzerrten Viersaiter nette Akzente. Dieser knorpelig-fuzzige Bass-Sound trägt schon beim ersten Song viel zur Musik bei, hier können sich Genre-Könige wie die Tiger Junkies aber eben auch Sabbat oder Bulldozer gerne mal eine Scheibe abschneiden - es geht einfach weniger Diversität in der Musik verloren, auch wenn das vielleicht manchmal gewollt ist. "Children Of The Atom" baut erfolgreich auf dem üblichen Metalpunk-Geschrammel auf und verfeinert es sogar. Der Titeltrack, auf Platz 4 im Album, zeigt deutlich die fließenden Grenzen und die Offenheit der Band zum Black-Thrash auf. Ein ruhiges Intro, ein sehr schwarzes Riff in der Strophe und das fuzzig-verzerrte Geschredder von verwaschenen Powerchords. Auch "Spider's Grave" ist sehr schwarz-thrashig. Insgesamt wird der Punk bei Bonehunter weniger, der schrammelige Thrash-Anteil höher - zumindest in der Musik.
Erst beim zweiten Hören wird die Genialität der Scheibe klarer. Jeder Song steht thematisch für sich selbst und grenzt sich klar mit eigenen musikalischen Figuren ab. "Sex Messiah Android" hat diesen enorm ohrwurmigen Iron Maiden-Touch, "The Reek Of The Reaper's Scythe" und "Spider's Grave" beheimaten Gitarren-Soli, die für diese Art des Metals eigentlich viel zu gut geschrieben sind. "Black Star Carcass" spielt mit der Abwechslung aus sehr schnellen und langsamen, fast psychedelischen Passagen. Bonehunter entwickeln ein ganzes Genre weiter. Und auch, wenn mir jetzt jemand in den Arsch tritt: "The Reek Of The Reaper's Scythe" klingt ein wenig nach 2009er-Immortal in authentischer und bissiger.
Übrigens gibt es eine Version der Platte mit einem Spiritus Mortis-Cover ("Man Of Steel"). Augen auf, dass ihr diese Version erwischt. Das Cover klingt, als hätte man Teemu Maijala von Spiritus Mortis umgebracht, als Zombie wiederbelebt und den Gitarrensound der Band radikalisiert. Also mit einem Wort: Geil. Wie der Rest der Platte. (jh)

9/10