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BONEHUNTER - Sexual Panic Human Machine

VÖ: 04. August 2017
Hells Headbangers

Fest eingeplant, morgen Früh das Bonehunter Review zu schreiben, die Tür geht auf und meine Frau informiert mich, dass wir morgen in den Märchenwald/Tierpark Ostrittrum mit den Kindern fahren, mein Hirn erscheint vor mir als Schweizer Käse, verdammt, das habe ich vergessen. Das heißt ja aber nicht, dass man auf einem Ausflug nicht ein wenig Musik hören kann. Ich kann mich noch an das 2015er Album "Evil Triumphs Again" erinnern, einen harschen Mix aus Thrash Metal und Punk spielten die drei Finnen, der aber leider darunter litt, nicht nachhaltig in Erinnerung zu bleiben. All Hail to the MP3-Player, denke ich, als am nächsten Morgen im Auto das Intro "Awaken the Machine..." zu Bonehunters neuer Scheibe "Sexual Panic Human Machine" erklingt und während die Machine erwacht, hört man eine Frau lustvoll aufstöhnen, MP3-Player sei dank, muss ich meinen Kindern keine peinlichen Fragen beantworten. "Enter The Satan's Dimension" lässt uns in punkigem Highspeed Thrash in die selbige hinabfahren und überzeugt mich voll - so muss ein Opener klingen. In Ostrittrum angekommen, pausiere ich erst einmal und erfeue mich an dem Affenhaus, allerdings ist ein ca. 7-jähriger Rotzbengel dabei, seine Familie zu terrorisieren, was mir den letzten Nerv raubt. Ich errechne schon einmal den Winkel, den ich brauche, um den Jungen über den Zaun zu schmeissen, allerdings möchte ich den Affen das auch nicht antun, die sind mir einfach zu sympathisch. "Digital Evil" und "Electric Nightmare" gefallen im Midtempo, Toxic Holocaust ist eine Band, an die ich immer wieder denken muss, aber auch ein dreckiger Motörhead Einfluss ist meist allgenwärtig. Gut, gefällt mir, wie die Gitarren immer wieder schöne Melodien hervorzaubern. Wir sind bei Hänsel und Gretel im Märchenwald angekommen, die hässliche Alte steht vor ihrem Haus und erzählt, dass Hänsel schön dick und fett werden muss, damit sie ihn essen kann, klingt ja wie die Inhaltsangabe zu einem Film aus der "Wrong Turn"-Reihe und so manches kleines Kind schaut leicht schockiert aus der Wäsche. "Doom Desire" hat mit Doom nix am Hut, sondern ist wieder Speed, der Gesang keift in bester Black Metal Manier wie auf dem gesamten Album, womit der Black Metal sich auch mit einreiht, das Solo ist wieder überraschend melodiös. Schneewitchen und die sieben Zwerge ist ja schön, aber die Geschichte nimmt kein Ende, vor allen kommt der kleine Scheisser schon wieder auf 12 Uhr angeheult, ich kürze die Geschichte für meine Kinder ab, Schneewitchen isst vergifteten Apfel und stirbt, Prinz kommt und küsst Schneewitchen, Schneewitchen lebt, Hurra und weiter, meine Tochter verschränkt die Arme und ist "not amused". Das flotte "Devil Science" macht einfach Spass, während der Refrain sich in meinen Ohren festhakt, coole Nummer. Im Ziegengehege beeindruckt mich ein schwarzer Ziegenbock, welcher majestätisch auf einem Stein thront und die Menschen mustert. Mit seinem eindrucksvollen Bart sieht er Abbath irgenwie ähnlich, wenn er jetzt noch klingt wie selbiger, tut er aber nicht, das Quäcken erinnert mich an Andi Deris Versuch, 2011 in Wacken mit Helloween die Kiske Songs zu singen, erschreckend. "Substance Creator" geht dann wieder auf die Zwölf, schrammelnde Riffs, Refrain zum Mitgröhlen, schönes Solo, macht fun. Also im Gegensatz zum Vorgänger hat man in Punkto Sound und Songwriting zugelegt. Der Mix aus Heavy Metal, Thrash Metal, Punk und einer Prise Black macht Spass und wird mit viel Energie dargeboten und die melodiösen Soli lassen immer wieder aufhorchen. War ein schöner Tag hier in Ostrittrum, das Review habe ich zwar nicht geschrieben, obwohl irgendwie auch doch. Und der Rotzbengel? Sagen wir es so, man munkelt die Wildschweine hätten an dem Tag noch Nachwuchs bekommen. (tf)

7,5/10